Der Ortseingang des Kurortes Königsfeld könnte vor tiefgreifenden Veränderungen stehen. Die Gemeinde plant die Ansiedlung von zwei Einkaufsmärkten in einem Dreieck zwischen Grundschule, Kreisverkehr und der Landesstraße 181, die vom Kreisverkehr in Richtung Burgberg abzweigt. Wie aus der Vorlage für die nächste Sitzung des Ortsteilausschusses am kommenden Mittwoch hervorgeht, soll auf dem Gelände je eine Niederlassung des Discounters Aldi und des Drogeriemarktes Rossmann entstehen.

  • So sieht der Bebauungsplan aus: In dem Konzept sind zwei ineinander verwinkelte Märkte mit einer Bruttogeschossfläche von etwa 2300 Quadratmetern geplant. Davon sollen 900 Quadratmeter auf den Drogeriemarkt, der eine Verkaufsfläche von 650 Quadratmetern bekommen soll, entfallen. Auf Aldi entfallen 1400 Quadratmeter, davon 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Sollte das Konzept verwirklicht werden, sind die Märkte am Nordende des Areals geplant. Der Abstand zwischen Drogeriemarkt und Grundschulgebäude beträgt zwölf Meter, am nördlichen Ende des Aldi-Marktes auf zweieinhalb Metern Breite sogar nur 6,80 Meter.
Hier könnten die neuen Märkte entstehen.
Hier könnten die neuen Märkte entstehen. | Bild: Schönlein, Ute
  • 87 neue Parkplätze, eine Einfahrt: Auf der verbleibenden Fläche von 7330 Quadratmetern sollen 87 Kundenparkplätze und die Fahrgassen für die LKW-Anlieferung entstehen. Damit wird nahezu die gesamte Fläche versiegelt. Die Verwaltung nennt in der Vorlage eine entfallende Grünfläche von 1500 Quadratmetern. Allerdings wird dabei nur die mit Gebäuden überbaute Fläche eingerechnet. Die einzige Ein- und Ausfahrt zu den Märkten soll zur Mönchweiler Straße hin liegen. Der bestehende Radweg müsste außerdem näher an der L 181 neu angelegt werden.
  • Sportplatz wird zur Hälfte überbaut: Geht es nach dem Konzept, wird außerdem die Hälfte des Sportplatzes neben der Grundschule mit dem Drogeriemarkt bebaut. Mit der Rückwand des Drogeriemarktes entstünde so eine laut Vorlage "geschützte Innenhofsituation". Bisher geht der Pausenhof in die Grünanlagen nahe des Hörnlebaches über. "Hierbei handelt es sich um Flächen, welche innerhalb des Gehölzgürtels mit Geländemodellierung liegen und bisher die Schule in südöstlicher Richtung einfassen", heißt es in der Vorlage.
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  • Grundschule soll nicht beeinträchtigt werden: Obwohl der Drogeriemarkt nur wenige Meter vom Schulgebäude entfernt errichtet werden soll, betont die Verwaltung, dass die Grundschule nicht beeinträchtigt werde. "Die Belichtung und Besonnung der Klassenzimmer sowie die Pausenhoffläche der Grundschule werden nicht beeinträchtigt beziehungsweise in der Fläche reduziert", heißt es in der von Ortsbaumeister Jürg Scheithauer unterzeichneten Vorlage. Die Schulleitung sei bereits über die geplante Entwicklung beim Einzelhandel und dessen Folgen für die Freiflächen informiert worden. Die "Innenhofsituation" könne genutzt werden, um die Fläche einzufrieden und neu zu gestalten. Außerdem könne ein neues Bewegungsangebot geschaffen werden.
  • Zweiter Standort kritisch angesehen: Ein zweiter infrage kommender Bauplatz zwischen dem Natursportpark und der L 181 Richtung Villingen wurde bereits vom Naturschutzamt des Schwarzwald-Baar-Kreises als kritisch eingestuft, weil keine städtische Anbindung vorhanden ist und der Neubau mit einer Zersiedelung gleichzusetzen wäre. Außerdem wäre eine fußläufige Verbindung zum Ortskern nur mit einer Fußgängerunterführung oder einer Brücke möglich und damit ungleich aufwändiger zu realisieren. Hinzu kommt, dass dieser Standort aufgrund seiner Nähe zu einem geschützten Biotop und zum Rotwaldbach kritischer beurteilt wird.
Ortseinfahrt zum Kurort: Bislang ist die Fläche zwischen Kreisverkehr und Grundschule begrünt. Das könnte sich mit den neuen Einkaufsmärkten ändern.
Ortseinfahrt zum Kurort: Bislang ist die Fläche zwischen Kreisverkehr und Grundschule begrünt. Das könnte sich mit den neuen Einkaufsmärkten ändern. | Bild: Sprich, Roland
  • Behörden stimmen sich ab: Das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde dieser Pläne hat bereits darauf hingewiesen, dass die Raumplanung mit dem Regierungspräsidium Freiburg zu klären ist. Dazu soll heute ein Gespräch zwischen Landratsamt, Regierungspräsidium und Regionalverband stattfinden, über dessen Verlauf in der Ortsteilausschusssitzung am kommenden Mittwoch berichtet werden soll.
  • Breiteres Angebot für wachsenden Ort: Hintergrund des Konzeptes sind Überlegungen zur Nahversorgung. Der Discounter Treff könnte künftig als "Edeka Express" ein Vollsortiment anbieten. Das Geschäft am Zinzendorfplatz sei zwar von der Brüderunität Herrnhut mit einem Erbpachtvertrag für die nächsten 20 Jahre verpachtet. Allerdings sei auch unklar, ob die geplante Umfirmierung mit dem vorhandenen Edeka-Markt zusammenpasse. Sollte der Treff-Markt wegfallen, würde der Gemeinde ein Lebensmitteldiscounter fehlen. Außerdem gibt es seit dem Ende von Schlecker auch keinen Drogeriemarkt mehr im Ort. Kunden, die explizit nach einem solchen Angebot suchen, müssen entweder nach Mönchweiler, Niedereschach oder nach St. Georgen fahren. Die Verwaltung verweist auch auf den Kaufkraftabfluss zum Nachteil der Kommune beim heutigen Zustand. Die Gemeinde will in den kommenden Jahren wachsen. Hinzu kommen unter anderem das Neubaugebiet Herrenacker-Ost mit 18 Bauplätzen in Buchenberg und der Neubau einer Seniorenwohnanlage mit voraussichtlich 140 Betten samt einem Hotel für 70 Gäste an der Hermann-Voland-Straße. Auch über dieses Projekt berät der Ausschuss am kommenden Mittwoch.
  • Gutachten soll Bedarf feststellen: Um zu klären, ob und wie viel Bedarf für ein erweitertes Handelsangebot besteht, wird derzeit ein aktuelles Marktgutachten erstellt. Dieses soll auch klären, inwieweit die geplante Entwicklung den vorhandenen Handel tangiert. Den bisherigen Überlegungen zufolge handelt es sich bei den beiden Geschäften noch um sogenannte kleinflächige Märkte, was grundsätzlich eine Voraussetzung für eine Genehmigung durch das Regierungspräsidium ist.
  • Wenig Spielraum bei der Gestaltung: "Der Verwaltung ist bewusst, dass die bisherige städtebauliche Situation durch diese Neuansiedelung nachhaltig verändert wird", heißt es in der Vorlage. Trotz der prominenten Lage am Ortseingang hat die Gemeinde mit Verweis auf bauordnungsrechtliche Vorschriften und Vorgaben der Marktbetreiber zum Design nur wenig Spielraum für Gestaltung. Das gilt sowohl für die Anzahl der Parkplätze als auch für die Gestaltung der Gebäude selbst. Die Verwaltung verweist in diesem Zusammenhang auf den Standort von Bäumen und den Gewinn an Attraktivität durch die Marktansiedelung an sich.
  • Wie geht es weiter? Sollte der Beschlussvorschlag im Ortsteilausschuss angenommen werden, könnte sich der Königsfelder Gemeinderat am 27. Februar mit der Thematik befassen und parallel die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes und die Teilfortschreibung des Flächennutzungsplanes einleiten.