Wer sich Hühner im Freiland hält, muss den Fuchs fürchten. Denn der schlaue Überlebenskünstler aus dem Wald hat Hühner zum Fressen gern. Leider ist bei ihm die Lust zu töten oft größer ausgeprägt, als es der Hunger verlangt.

Gehörig demoliert wird das Image vom Fuchs, wenn dieser in einen sogenannten Blutrausch verfällt. Seinen ohnehin schlechten Ruf komplett ruiniert hat er daher auch in Sumpfohren. Dort hat er im Frühjahr seiner Lust zu töten freien Lauf gelassen und an einem einzigen Tag einen großen Teil des Hühnerbestandes von mehreren Landwirten auf dem Gewissen.

  • Hühnerbestand getötet: Betroffen war auch Katharina Andersohn vom Demeter Hof Bogenschütz, die bei dieser blutigen Aktion trotz Schutzzaun und Netz mindestens zwanzig ihrer jungen Hennen verlor, die gerade legereif waren. "Das war natürlich mehr als ärgerlich und bedauernswert, den Schaden bekommen wir nicht ersetzt", erzählt Katharina Andersohn, die etwa einhundert Hühner auf dem Hof versorgt. Nun galt es eine Lösung für das Problem zu finden, denn der Fuchs kam am helllichten Tag und kann wiederkommen. Zuweilen schleicht er ums Grundstück und hält Ausschau. Wenn schon Zaun und Netz den hier vorkommenden Rotfuchs nicht abhalten können, wer dann? Vielleicht ein Alpaka? Katharina Andersohn hatte schon einmal von einem Hühnerbetrieb im Norden gehört, der als Wächter über das Federvieh Alpakas eingesetzt hat. Während andere Betroffene in Sumpfohren einen Wachhund, Schafe oder ein ständig laufendes Radio als Abschreckung für den Fuchs einsetzten, entschied sich Katharina Andersohn zur Anschaffung von zwei "Anden-Kamelen".
  • Alpakas als Hühnerwächter: Nach reichlicher Information gestaltete sich die Suche einfacher als gedacht. Ihre beiden neuen Hühnerwächter fand Katharina Andersohn in Langenschiltach. Der zweijährige Alpakahengst "Hero" und sein Kollege, der vierjährige Wallach "Poncho" haben beide ein cremeweißes Fell, das ungeheuer weich und flauschig ist. Sie kamen zu den Hühnern ins Gehege nach Sumpfohren und waren vom ersten Augenblick an ziemlich beste Freunde. Seit die beiden Aufpasser ihren Dienst tun, hat sich noch kein Fuchs hergewagt. Andersohn hat sogar das Netz über dem Gehege entfernt. "Die beiden Alpakas verfügen über einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Sobald sich etwas am Zaun bewegt, kommen sie angerannt. Sie können stampfen und spucken und schrecken den Fuchs höchstwahrscheinlich durch ihre Größe und den langen Hals ab", beschreibt Katharina Andersohn ihre beiden schnell ans Herz gewachsenen Alpakas. Das Gehege mit dem Hühnermobil wurde durch einen Stall für die beiden wuscheligen Wächter erweitert, der auch von den Hühnern zur Eiablage genutzt wird. Das Federvieh scheut sich nicht, tagsüber mit Hero und Poncho auf Tuchfühlung zu gehen und quasi mit ihnen im Stall ein kuscheliges Nickerchen zu halten.
Die beiden Alpakas verstehen sich nicht nur mit allen Tieren auf dem Hof gut, sondern auch mit den Menschen, in deren Herzen sie sich geschlichen haben. Mit ihrem freundlichen Wesen eignen sie sich auch zum gemeinsamen Spazierengehen.
Die beiden Alpakas verstehen sich nicht nur mit allen Tieren auf dem Hof gut, sondern auch mit den Menschen, in deren Herzen sie sich geschlichen haben. Mit ihrem freundlichen Wesen eignen sie sich auch zum gemeinsamen Spazierengehen. | Bild: Gabi Lendle
  • Bereicherung für den ganzen Hof: Null Komma nichts haben sich die beiden hellen und flauschigen Anden-Kamele mit den großen dunklen Augen in alle Herzen geschlichen. "Sie sind cool und haben uns alle begeistert, vor allem auch unsere Feriengäste mit Kindern. Diese gehen mit Hero und Poncho spazieren, wobei der Wallach am Halfter geführt wird und Hero frei mitläuft. Das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis für unsere kleinen Gäste", freut sich Andersohn. Und nicht zu vergessen ist die herausragende Wolle, welche den Alpakas nachhaltig auf dem Körper wächst. "Das ist ein tolles Beibrot, das ich gerne für Decken, Socken oder andere wärmende Kleidungsstücke nutzen möchte".
  • Winter als Probe: Allerdings müssen die beiden sich noch in der kalten Jahreszeit behaupten. Da wird das Nahrungsangebot für den Fuchs nämlich mager und im Frühjahr braucht er vermehrt Futter um seine Jungen durch zu bringen. Das treibt ihn in die Nähe seiner Opfer. "Wenn sich die beiden bewähren und den Fuchs verjagen, könnte ich mir vorstellen noch eine Alpaka-Stute anzuschaffen", überlegt Andersohn.
  • Alpakas: Alpakas sind eigentlich in den Höhen von Südamerika zu Hause, kommen aber mit dem hiesigen Klima gut zurecht. Die domestizierte Kamelform gehört zur Gattung der Paarhufer und wird meist wegen ihrer wärmenden und seidenen Wolle gezüchtet. Sie ernähren sich genügsam von Gras, Heu und etwas Kraftfutter. Man sagt acht Alpakas fressen so viel wie eine Kuh. Wenn sie zornig oder aufgeregt sind, sich bedroht fühlen und Rangordnungen regeln, können sie spucken. Die Herdentiere dürfen nicht allein gehalten werden und benötigen genügend Auslauf. Sie können bis zu 25 Jahre alt werden.
So berichtete der SÜDKURIER am Montag, 28. Mai.
So berichtete der SÜDKURIER am Montag, 28. Mai. | Bild: SÜDKURIER GmbH Medienhaus
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Alpakas auch im Wohngebiet als Fuchsvertreiber?

  • Donaueschingen: Im Bereich rund um die Talstraße hatten die Anwohner massive Probleme mit Füchsen. Die Tiere verschleppten Schuhe, Gartengeräte und allerlei Müll und verteilten das Material in den Gärten. Der Bau der Tiere befand sich unter einer Garage im Gebiet, wo sich deshalb die Pflastersteine der Einfahrt absenkten.
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  • Wohngebiet: Beim reinen Wohngebiet sei bereits im Bebauungsplan die Tierhaltung festgelegt und schließe landwirtschaftliche Nutztiere, als solche zählen Alpakas, meist aus. Möglich wäre die Haltung von Alpakas vor allem im Misch- und im Gewerbegebiet.
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