Als Dietmar Schnottalla gestern Morgen aufgestanden ist, ahnte er noch gar nichts. Auch noch nicht, als ihm seine Frau Petra Schmid mitteilte, sie würden bald abgeholt. Und auch als er in der Stadthalle seinen Platz einnahm, war dem ehemaligen Jugendleiter des SV Mundelfingen noch nicht klar, dass er beim Neujahrsempfang gemeinsam mit der Kindertanzgruppe der Heimatzunft den ersten Sozialpreis der Stadt Hüfingen überreicht bekommen würde. "Ich bin total überwältigt und von den Socken. Das neue Jahr fängt ja gut an", freute sich Schnottella über die Auszeichnung.

Der coole Typ mit dem sozialen Denken: Dietmar Schnottalla erhält von Bürgermeister Michael Kollmeier den Sozialpreis.
Der coole Typ mit dem sozialen Denken: Dietmar Schnottalla erhält von Bürgermeister Michael Kollmeier den Sozialpreis. | Bild: Roland Sigwart

Doch wieso hat ihn die Jury ausgewählt? "Er ist ein klar denkender und analytischer Mensch, der sehr sozial denkt und ein Menschenfreund ist", erklärt Bürgermeister Michael Kollmeier. Dietmar Schnottalla habe klare Überzeugungen und finde auch deutliche Worte, um diese zu vertreten. Oft nehme er dafür auch Gegenwind in Kauf, denn seine Meinung passe nicht immer jedem. "Ungerechtigkeit geht ihm gegen den Strich", so Kollmeier. Ein cooler Typ, ohne arrogant zu sein. Und um seine Überzeugen umsetzen zu können, verwende er auch oft sein eigenes Geld. "Und er hat keine Berührungsängste hinsichtlich anderer Menschen – egal welchen Alters oder welcher gesundheitlicher Konstitution." Und auch deshalb sei ihm Inklusion wichtig.

Mehr als 100 Kinder haben Spaß beim Kooperationstag

Vor zehn Jahren habe der damalige, langjährige Jugendleiter die Idee für den Kooperationstag gehabt. Sicherlich habe das auch Mut gefordert, denn es sei damals ja nicht klar gewesen, ob so ein Angebot angenommen werde. "Mittlerweile kommen über 100 Kinder mit und ohne Handicap aus der ganzen Umgebung von verschiedenen Schulen und Kindergärten zusammen, um gemeinsam, ganz ohne Leistungsdruck, zu spielen, Spaß zu haben, gemeinsam Zeit zu verbringen und sich kennenzulernen", erklärt der Hüfinger Bürgermeister.

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Dadurch würden Barrieren und Berührungsängste abgebaut. Und der Kooperationstag trage noch weitere Früchte, so würden beim Pfingstturnier des SV Mundelfingen Mannschaften mit Spielern mit und ohne Einschränkung starten. "Es steckt viel Herzblut von Dietmar Schmottalla im Projekt Kooperationstag", so Kollmeier. Zwischenzeitlich kommen auch ganz selbstverständlich Helfer aus Vereinen und aus der Bevölkerung und auch ohne diese ginge es nicht, denn schließlich müssen die vielen Kinder ja auch entsprechend betreut werden.

Die Kindertanzgruppe der Heimatzunft hat Nanke Türschmann (Mitte stehend) in ihren Reihen aufgenommen. Auch ihre Schwester Femke tanzt hier. Besondere Unterstützung gibt es von Lena Heinemann (rechts daneben) und den Tanzleiterinnen wie Gisela Huppert (ganz links).
Die Kindertanzgruppe der Heimatzunft hat Nanke Türschmann (Mitte stehend) in ihren Reihen aufgenommen. Auch ihre Schwester Femke tanzt hier. Besondere Unterstützung gibt es von Lena Heinemann (rechts daneben) und den Tanzleiterinnen wie Gisela Huppert (ganz links). | Bild: Roland Sigwart

Für den zweiten Preisträger liegt der Ursprung für die Ehrung in der Fronleichnamsprozession 2013, die von der Familie Türschmann besucht wurde. Femke Türschmann war begeistert vom Auftritt der Tanzgruppe der Heimatzunft und wollte dort auch mitmachen. "Bei den Proben war auch die jüngere Schwester Nanke dabei, die begeistert zuschaute und aufgrund ihrer Behinderung irgendwann durch den Raum rutschte, um bei den anderen sein zu können", sagt Kollmeier. Auch Nanke wollte mitmachen. So vereinbarten die Eltern mit ihrer Tochter, dass sie für Fronleichnam 2017 eine Tracht bekommen würde und mitgehen dürfte, wenn sie bis dorthin mit ihrer neuen Gehilfe – ähnlich wie ein Rollator – gut vorwärts kommen würde. Und sie schaffte es: "Als sie das erste Mal angestrengt, aber voller Willen mitging, das berührte alle – auch die Kinder der Gruppe."

Nun wollte Nanke auch tanzen

Die Eltern sprachen mit den Tanzleiterinnen. Diese mit den Kindern, die Nanke nur zu gerne in ihren Reihen aufnahmen. Besonders Lena Heinemann, die in der Gruppe der älteren Kinder tanzt, nimmt sich Nanke gerne an und tanzt mit ihr. Sie kommt dafür sogar oft früher zu den Proben der Jüngeren.

Die Kindertanzgruppe der Heimatzunft sorgt mit ihrem Auftritt für Begeisterung.
Die Kindertanzgruppe der Heimatzunft sorgt mit ihrem Auftritt für Begeisterung. | Bild: Roland Sigwart

In den Tanzproben und bei den Auftritten und Aktionen wird seither stets darauf geachtet, dass Nanke so gleichberechtigt wie alle anderen Kindern behandelt wird und auch zwei bis drei Tänze mitmachen kann. Und auch mit den Eltern Türschmann werde eng zusammengearbeitet: Aktionen werden auf Nanke abgestimmt und es werden Regelungen gefunden, wie sie sich gleichgesinnt fühlen kann.

Nanke schafft die Treppe zum Probelokal mittlerweile alleine

Nanke konnte durch ihrer Aufnahme in die Kindertanzgruppe ihr Selbstbewusstsein, ihren Mut und ihre Zuversicht stärken. Sie hat viel Freude und weiß genau, was sie will. Und auch wenn die Aussprache undeutlich ist, zeigt sie Begleitenden, was sie eigentlich meint und die Tanzleiterinnen und Kinder verstehen das recht gut. "Auch körperlich macht sie große Fortschritte. Inzwischen kann sie sogar alleine die Treppen bis in das zweite Obergeschoss des Probelokals steigen", sagt Kollmeier.

Die Heimatzunft ist stolz auf Nanke

"Wir sind stolz darüber, Nanke in unserer Mitte zu haben – für den Verein, für sie und unsere Kinder ist dies ein absoluter sozialer und emotionaler Gewinn", sagt Petra Ilg von der Heimatzunft. Die Tanzleiterinnen Silke Gräther, Sarina Bäurer, Karina Banski und Gisela Huppert hätten das alle möglich gemacht. "Und natürlich unsere Kinder, die Nanke so toll in ihre Mitte aufgenommen haben."

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