"Das war auch für uns die Ausnahme", unterstreicht Polizei-Pressesprecher Harri Frank vom Präsidium Tuttlingen die Besonderheit der Situation, wie sie sich den Beamten am Montagnachmittag an der Bundesstraße 31 darstellte. Kurz hinter dem Orchideenwald und wenige hundert Meter, bevor die Straße vor der Tunneleinfahrt zweispurig wird, stand am Straßenrand ein Junge verlegen mit seinem Fahrrad. Ganz so, wie ihn besorgte Verkehrsteilnehmer zuvor bei der Polizei gemeldet hatten.

Pech für den Zehnjährigen: Seine treuherzige Aussage, er sei mit Wissen und Einwilligung des Vaters auf dem Rad nach Löffingen und später nach Reiselfingen unterwegs, mochten die Beamten dann doch nicht Glauben schenken. "Da war er einfach zu jung." Einem 15-Jährigen hätte man die Radtour wohl geglaubt: wenn auch ohne Fahrt durch den Tunnel, die wiederum der Zehnjährige ins Visier genommen hatte.

Deshalb erfolgte der prüfende Anruf beim Vater: Der aber wähnte seinen Sprössling solide aufgehoben im Bus. Falsch gedacht. Die Beamten, Epilog der Geschichte, hatten hernach einen wachenden Blick auf den jungen Biker, als er auf einem ungefährlichen Weg abseits der Bundesstraße seine Fahrt fortsetzen durfte.

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Auf die Eltern kommt nach dieser Episode kein Ärger zu: "Es war ja weder eine Ordnungswidrigkeit, noch eine Straftat", so Frank. Dennoch gibt die allgemein gehaltene Empfehlung der Eltern, ein stetes Augenmerk auf die Verkehrstüchtigkeit der Kinder zu legen. Es empfehle sich, immer wieder anhand aktueller Beispiele Grenzen und Gefahren im Straßenverkehr aufzuzeigen. Eltern sollten auch immer wissen, wie selbstständig und mobil der Nachwuchs schon ist. Natürlich gehe die Entwicklung voran. "Einen Zehnjährigen kann man auf Straßen fahren lassen, die er kennt", meint der Polizist. Trete auf unbekanntem Terrain überraschend eine gefährliche Situation auf, könnte dies einen Halbwüchsigen aber schnell überfordern.

Die Verkehrserziehung der Eltern ergänze im Idealfall die Jugendverkehrsschule mit der Radfahrprüfung, die am Ende der Grundschule liegt. Hier legen Verkehrswacht und Polizei die Grundlagen für die gefahrlose Teilnahme am Straßenverkehr.

Polizisten anzulügen ist respektlos. Was sich die meisten Leute nicht als Erwachsene trauen, hätten sie sich als Kinder nicht einmal träumen lassen. Doch die Zeiten scheinen sich zu ändern. "Respektlosigkeit ist ein großes Thema", sagt Claudia Hübsch. Die Sozialpädagogin leitet das Jugendreferat Bräunlingen. "Schon Erstklässlern mangelt es am Respekt gegenüber Erwachsenen", weiß sie aus Erfahrung. Und ihren Betreuern gegenüber könnten sie mitunter sogar handgreiflich werden.

Immer jünger, immer häufiger: Dieser Trend hänge auch damit zusammen, dass die Erziehungsaufgaben mehr und mehr in die Institutionen verlagert werden. Gleichwohl gilt: Auf der Baar, in einer ländlichen Region, seien Ausfälle dieser Art noch nicht die Regel. Hier gehe es doch noch behüteter zu als in den Großstädten.

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