Franz Dreyer

Das Thema Nahversorgung hat in Kirchen-Hausen neuen Schwung bekommen. Zu einem Informationsabend mit Vorstellung des neuen Nahversorgungs-Konzepts der „Tante M-Läden“ kamen an die 60 Besucher.

Thema schon länger auf Agenda

Seit fünf Jahren gibt es Überlegungen, wie im Ort ein Dorfladen etabliert werden könnte. Zunächst verfolgte man eine Lösung auf genossenschaftlicher Basis, was jedoch nicht zum Erfolg führte. Der hierauf gebildete Arbeitskreis, dem zehn Personen angehören, ist auf das neue Nahversorgungsmodell auf dem Land, die Tante M-Läden, aufmerksam geworden und hatte die Bevölkerung daraufhin zu der Informationsveranstaltung eingeladen.

Jochen Schwab von der Tante-M Zentrale zeigte an dem Abend das Konzept für eine Einkaufsmöglichkeit am Ort auf. Es gibt auch bereits eine Überlegung, wo ein solcher Laden eingerichtet werden könnte. Wie sich zeigte, wäre das kaum genutzte Schlachthaus nach kleineren Umbauen ideal dafür.

Wie funktionieren die Läden?

Den Kunden wird in solchen Nahversorgungseinrichtungen alles für den täglichen Bedarf geboten. Geführt werden etwa 1100 Artikel. Es gelten marktübliche Preise mit Orientierung an Edeka. Bei der Sortimentgestaltung werden lokale Lieferanten, wie Bäcker, Metzger und Erzeuger anderer Waren berücksichtigt. Es gibt keinen Alkohol und keine Tabakwaren. Die Läden sind an sieben Tagen die Woche, auch sonn- und feiertags, von 5 bis 23 Uhr geöffnet. Die Ware wird in Regalen und nicht in Automaten angeboten. In der Regel gibt es jeweils einen günstigen und einen teureren Artikel gleicher Art.

Großes Interesse fand bei der Kirchen-Hausener Bevölkerung ein Informationsabend über die Möglichkeit, wie der Ort zu einem Dorfladen ...
Großes Interesse fand bei der Kirchen-Hausener Bevölkerung ein Informationsabend über die Möglichkeit, wie der Ort zu einem Dorfladen kommen könnte. | Bild: Franz Dreyer

Das Konzept setzt eine vollständige Selbstbedienung voraus. Es sitzt niemand hinter der Kasse und zu den meisten Zeiten trifft man kein Personal. Die Tür- und Lichtschaltung funktioniert automatisch. Es gibt Teilzeitkräfte, die einmal am Tag kurz da sind, um Regale einzuräumen und nach dem Rechten zu sehen.

An der Kasse scannen die Kunden ihren Einkauf selbst ein. Bezahlt wird in bar, elektronisch oder mit einer Kundenkarte. Das Prinzip beruht auf Vertrauen und Ehrlichkeit. Dem Unternehmen ist es wichtig, die Bevölkerung bei der Sortimentgestaltung einzubeziehen. An der Kasse liegen deshalb Wunschlisten aus.

Wird da nicht viel geklaut?

Die Möglichkeit, Fragen an den Referenten zu stellen, wurde bei dem Infoabend rege genutzt. Themen waren unter anderem die Sortimentsgestaltung, die Berücksichtigung regionaler Anbieter und die Gefahr von Diebstählen. Diese wird als relativ gering eingeschätzt. Für die Einrichtung eines Ladens verlangt das Unternehmen Tante-M, dass entsprechende bauliche Voraussetzungen geschaffen werden.

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Dies führte zu der Frage, ob die Stadt das Schlachthaus für den Zweck zur Verfügung stellen würde, was Bürgermeister Martin Numberger und Ortsvorsteher Christoph Moriz offenlassen mussten. Die Entscheidung hierüber liege bei den kommunalen Gremien. Numberger war aber beeindruckt von der großen Zahl von 60 Teilnehmern an dem Informationsabend.

Zum Abschluss sah Ramona Elsässer vom Arbeitskreis in dem Projekt eine Chance für die Nahversorgung und später vielleicht auch für einen örtlichen Treffpunkt. Sie wünschte sich eine Entscheidung der Stadt im Sinne der Bevölkerung.