An der Impfung scheiden sich die Geister. Sind die einen konsequente Befürworter, können sich gar eine allgemeine Impfpflicht vorstellen, gibt es auch vehemente Gegner dieser Vorsorge. Sie befürchten zahlreiche negative Folgen aus einer Impfung, dass diese sogar Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose verursachen könnten. Einen Nachweis dafür gibt es allerdings laut Robert-Koch-Institut bisher nicht. Die Debatte über Pro und Contra ist jedoch weiter im Gang, führt auch weitere Argumente ins Feld. Ungeachtet dessen wurde auf politischer Ebene nun allerdings eine Entscheidung in dieser Angelegenheit getroffen, die eine klare Richtung vorgibt: Ab März 2020 gilt in deutschen Kindertagesstätten eine Impfpflicht gegen die Masern. Wir haben uns auf der Baar umgehört und in einigen Einrichtungen im Städtedreieck nachgefragt, wie diese Entwicklung dort bewertet wird.

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  • Städtischer Kiga Bräunlingen: „In der heutigen Zeit muss es nicht sein, dass ein Kind unnötig eine solche Krankheit erleidet“, sagt Veronika Schweitzer, Leiterin des städtischen Kindergartens Bräunlingen. Bewegt von eigenen Kindheitserfahrungen mit Masern und natürlich auch als Mutter, die vor die Wahl des Impfens gestellt worden sei, spricht sie sich klar für dieses Gesetz aus. Einer der meinungs-prägendsten Ereignisse sei für sie der Fall eines Kindes gewesen, das im beruflichen Umfeld aufgrund von Spätfolgen der Masern den Tod erlitt. Doch obwohl sie bei jeder Besprechung mit Eltern, die ihr Kind ungeimpft an der Kindertagesstätte anmelden wollen, diesen Fall erwähnt, gibt es auch unter ihrer Obhut Kinder, deren Eltern sich nicht belehren lassen wollen: „Man muss nicht gegen jede noch so kleine Krankheit impfen, jedoch sollte man das Kind auf jeden Fall gegen einige Krankheiten schützen, die im jungen Alter fatale Auswirkungen haben können. Beispiele dafür sind Mumps, Röteln und natürlich Masern„, erklärt Schweitzer.
  • Kindergarten Pfiffikus Donaueschingen: Waltraud Wehinger, Leiterin des Pfiffikus-Kindergartens, sieht sich in der Frage zur Impfpflicht in einer neutralen Rolle. Es sei Aufgabe der Politik, hier die Regeln abzustecken: „Es liegt im Verantwortungsbereich der Eltern. Und ich finde es gut, ihnen nicht alle Verantwortung abzunehmen. Jedes Elternteil hat dazu eine berechtigte Meinung.“ Daher sei das Thema bei Ärzteschaft und Politik gut aufgehoben. Wehinger ist der Meinung, dass sich in die Diskussion ohnehin noch etliche Interessensverbände einschalten werden. „Es ist notwendig, allgemeines und individuelles Wohl abzuwägen.“ Auch im Pfiffikus müssen Eltern bei fehlenden Impfungen der Kinder eine entsprechende Beratung durch einen Arzt nachweisen. Für etliche Krankheiten bestehe schon seit einiger Zeit Meldepflicht beim Gesundheitsamt.
  • Kindertagesstätte Luise-Scheppler Hüfingen: „Auf eine Art macht das Sinn“, sagt Myriam Quilamba, Leiterin der Luise-Scheppler-Kindertagesstätte in Hüfingen. Sie habe bereits Berichte gesehen, welch fatale Auswirkungen es haben kann, wenn ein Kind die Masern durchmache. „Ich kann es gut nachvollziehen, wenn das Ministerium sagt, dass es eine Impfpflicht gegen die Masern geben sollte“, so Quilamba. In der Politik müsse man schließlich den Blick für das Gesamte haben und entsprechend die Gesetze verabschieden. „In öffentlichen Einrichtungen macht es zwar Sinn, allerdings halte ich es auch für ein zweischneidiges Schwert, Menschen zur Impfung zu zwingen.“ Mittlerweile hefte man in die Anmeldeunterlagen für die Einrichtung auch eine Kopie des Impfbuchs. Gab es das nicht, wurde vermerkt, dass eben keine Impfungen vorliegen. Seit diesem Jahr hat sich das allerdings ein wenig geändert: „Jetzt ist die Impfberatung durch einen Arzt Pflicht und auch Bedingung, um bei uns einen Platz zu bekommen“, so Quilamba. Einen Masernfall habe man in der Luise-Scheppler-Kita noch nie gehabt. „Wir müssen aber auch davon abgesehen viele Dinge ans Gesundheitsamt melden. Dort wird dann weiter entschieden, etwa, ob auch mit den Eltern ein Gespräch geführt werden müsse. Quilamba vermutet, dass die Mehrheit der Eltern mit der Impfpflicht einverstanden sein wird.