Seit 61 Jahren ist das Donaueschinger Reitturnier im September die Großveranstaltung der Region. Erstmals sind in diesem Jahr auch Vielseitigkeitsreiter mit von der Partie. Damit etabliert das Turnier eine weitere Disziplin: den Geländeritt aus der Vielseitigkeit. Konstruiert wird der Parcours von Gerd Haiber aus Bisingen (Zollernalb-Kreis). Für seine Strecken wird er international angefragt.

USA und Ungarn, Österreich, Stockholm, Stuttgart, Salzburg, mehrfach die Europameisterschaften für U 25 gehören zu den Stationen Haibers. Seit 20 Jahren ist er für die Geländeparcours bei der internationalen Marbacher Vielseitigkeit im Landgestüt verantwortlich, nun auch in Donaueschingen. "Die Einfälle für die Strecken bekomme ich nicht über Nacht", räumt Haiber ein. Vielmehr sei es ein Arbeitsprozess, der auch mit Anstrengung und Mühe verbunden ist.

Elementar für Haibers Entwürfe ist die Kenntnis des Geländes, auf dem später der Parcours stehen soll. In Donauschingen ist es das Stadion, wo sonst das Springreiten stattfindet Gibt es dort natürliche Wasserstellen oder Elemente, etwa eine Parkbank, die eingebaut werden können? Wo sind welche Hindernisse reizvoll? Das sind die Fragen die Haiber ganz zu Beginn durch den Kopf gehen. "Dann fange ich an zu skizzieren und schließe Schritt für Schritt aus, was nicht in Frage kommt." Denn bei seiner Arbeit geht es nicht nur um Kreativität. "Ich muss die Voraussetzungen schaffen, dass die Richter die Wertungsentscheidungen treffen können." 

Erstmals gehen beim Donaueschinger Reitturnier die Vielseitigkeitsreiter an den Start. Bei der Premiere werden sie noch im Stadion reiten, später soll es dann wie hier auf dem Bild auch ins Gelände gehen. Die Hindernisse für Donaueschingen wurden eigens für die Voraussetzungen gebaut. Bilder: Gerd Haiber
Erstmals gehen beim Donaueschinger Reitturnier die Vielseitigkeitsreiter an den Start. Bei der Premiere werden sie noch im Stadion reiten, später soll es dann wie hier auf dem Bild auch ins Gelände gehen. Die Hindernisse für Donaueschingen wurden eigens für die Voraussetzungen gebaut. Bilder: Gerd Haiber | Bild: Gerd Haiber

Zum Einsatz in Donaueschingen kommen so auch Hindernisse, die der Experte speziell für das CHI baut. Ein Teich etwa wird speziell für das Turnier in den Platz gebaut und anschließend wieder entfernt. Gut 27 Geländehindernisse werden dann im September auf dem Platz stehen.

Zwei Geländeparcours hat Haiber für das CHI konzipiert. "Der erste ist für junge Pferde, im Alter von fünf bis sieben Jahren", sagt er. Die Tiere werden dabei auf ihre "Eignung und Qualität als Geländepferd" geprüft, erklärt der Experte. Unter Beweis stellen müssen Reiter und Pferd dann etwa das Springvermögen des Tieres, also wie hoch und wie sicher es Hindernisse überwinden kann. Aber auch Mut und Gehorsam werden geprüft, etwa indem das Tier vor die Herausforderung gestellt wird, über einen Wassergraben zu springen oder eine Stufe zu passieren. Kriterien wie diese müssen Haibers Strecken zur Geltung bringen. Abhängig davon wie sich Pferd und Reiter dann im Parcours schlagen, fällt ihre Wertung aus.

"Der zweite Parcours ist für routiniertere Pferde", sagt der Parcourschef. Die erste Phase durchlaufen die Teilnehmer innerhalb einer vorgegebenen Mindestzeit über 17 Hindernisse. Nur wer diese fehlerfrei und in der geforderten Zeit bewältigt, darf gleich in die zweite Phase weiter reiten. In dieser Schlussphase wird dann gegen die Uhr geritten, acht Sprünge müssen dabei überwältigt werden. Der Schnellste gewinnt, sofern er fehlerfrei bleibt.

Gerd Haiber ist international tätig und entwirft Parcours für die Vielseitigkeit. Auch der Donaueschinger Parcours stammt aus seiner Feder.
Gerd Haiber ist international tätig und entwirft Parcours für die Vielseitigkeit. Auch der Donaueschinger Parcours stammt aus seiner Feder. | Bild: Gerd Haiber

Als Profi und nach mehr als 30 Jahren im Geschäft ist Gerd Haiber längst routiniert in seinem Geschäft. Trotzdem fiebert auch er bei den Turnieren mit, sagt er. "Das ist schon sehr spannend." Für eine besondere Stimmung wird auch eine weitere Neuheit beim Turnier sorgen: "Eigentlich finden Geländeprüfungen auf dem freien Gelände statt", sagt Haiber. In Donaueschingen wird sie aber im Springstadion ausgetragen, am Donnerstagabend, unter einem 16 Meter hohen Flutlichtturm.

Die Vielseitigkeit findet zum Auftakt am 14. September statt: Die jungen Pferde starten um 18.30 und die Klasse M ist dann um 20.15 Uhr an der Reihe.

Die Beilage

Alles rund ums Donaueschinger Reitturnier präsentieren wir unseren Lesern in einer separaten Beilage, die am 12. September erscheint. Wer macht beim traditionellen Umzug mit, der den Auftakt zur Veranstaltung bildet? Natürlich wird auch die Grande Dame der Dressur ein Thema sein, schließlich gehört Isabell Werth zu den festen Größen des Donaueschinger Reitturniers. Aber nicht nur Sportliches ist an den vier Turniertagen geboten: Wir haben natürlich auch einen Überblick über das Rahmenprogramm, das abseits der Dressur, des Springens, der Vielseitigkeit und des Fahrens geplant ist. Und im Bereich Gastronomie wartet auf die Besucher etwas ganz Neues. Ein großer Übersichtsplan in der Mitte der Beilage dient zur Orientierung auf dem Gelände und kann auch einfach herausgenommen werden. Dazu gibt es eine Programmübersicht über die Wettbewerbe. (jak)