Eigentlich ist es beschämend, wenn Kinder und Jugendliche uns zeigen müssen, was wir alles verkehrt machen. Während die Bewegung Fridays for Future von Schülern auf der ganzen Welt für ein besseres Klima und eine bessere Zukunft initiiert wurde, machen es uns auch die Jüngsten vor der Haustür vor, was man selbst tun kann, damit die Natur im Einklang fortleben kann.

Im Kindergarten St. Ruchtraud in Allmendshofen zum Beispiel wird durch Anregung von Irene Schenzinger von der Umweltgruppe Südbaar in Garten der Einrichtung das getan, wozu ein Garten da ist: es wird gegärtnert. Seit dem vergangenen Jahr wurden durch Irene Schenzinger mehrere Projekte wie vier Hochbeete für Kartoffeln, Tomaten, Gurken und Blumen sowie eine Kompostanlage im Grünen gebaut, die von den Kindern in verschiedenen Diensten gepflegt werden.

„Das macht den Kleinen Spaß und sie lernen dabei, wie wichtig so ein Stück Garten ist“ sagt Irene Schenzinger, die auch zwei Enkel in der Allmendshofener Einrichtung hat.

Schlaufüchse packen mit an

Gestern wurde nun mit einem ganz besonderen Projekt begonnen, das eben auch Vorbildfunktion für die Gärten in unserer Region haben soll. Es handelt sich um den Rückbau eines Schotterstreifens an der Grundstücksmauer, der einfach nur sinnlos ist und nicht mal schön aussieht. An zwei Vormittagen engagiert sich die Naturschützerin mit den Schlaufüchsen, wie die Vorschulkinder hier treffend heißen, um die Steine einzusammeln und nach guten und weniger guten zu trennen.

In Teamarbeit sammeln die Kinder die Steine ein und werfen sie in einen Sammelbehälter. Auf dem breiteren Rasenstreifen soll später ein Fahrradstellplatz installiert werden. Von links Enya, Judith, Tamina und Giulia mit Helfer Norbert Gramespacher.
In Teamarbeit sammeln die Kinder die Steine ein und werfen sie in einen Sammelbehälter. Auf dem breiteren Rasenstreifen soll später ein Fahrradstellplatz installiert werden. Von links Enya, Judith, Tamina und Giulia mit Helfer Norbert Gramespacher. | Bild: Gabi Lendle

Ausgerüstet mit Handschuhen, Eimern, kleinen Hacken und Schaufeln gehen die kleinen Gruppen mit je fünf Kindern ans Werk, um aus der Steinumrandung einen Kräuter- und Blumenstreifen zu machen. Dazu muss erst eine eingewachsene Folie entfernt werden, dann sammeln die Kinder eifrig die Steine ein. Die schönen werden zur Wiederverwertung gesammelt, die anderen zum Entsorgen. Mit dabei ist auch Norbert Gramespacher, dessen zwei Enkelinnen in der Einrichtung betreut werden und der die Aktion begrüßt.

Kiesgärten bringen keine Zeitersparnis

Schaut man sich in den Gärten in der Region um, entdeckt man seit einigen Jahren immer mehr Schotter- und Kiesflächen, die entweder spärlich oder gar nicht bepflanzt werden. Das bedeutet eine zusätzliche Versiegelung von wertvollen Erdoberflächen und damit auch von Biotopen. „Viele denken, dass es eine Zeitersparnis ist, wenn sie ihre Vorgärten mit Steinen zudecken. Auch etliche Unternehmen gestalten ihren Außenbereich als Kiesfeld oder Steinwüste“, bedauert Irene Schenzinger, die dagegen wirken möchte.

Hier könnten eigentlich Blumen auf einem Stückchen wertvoller Erde blühen. Solche Schottergärten haben keinerlei ökologischen Nutzen.
Hier könnten eigentlich Blumen auf einem Stückchen wertvoller Erde blühen. Solche Schottergärten haben keinerlei ökologischen Nutzen. | Bild: Gabi Lendle

Die Kinder lernen bei ihr, dass auf Steinen nichts wachsen kann, dagegen in der Erde schon. Deshalb wird der Streifen mit Erde aufgefüllt und mit Gründünger versehen, der die Wachstumsgrundlage bildet. Die gemischten Samen bringen noch in diesem Jahr bunte Blüten, die von allen möglichen Insekten angeflogen werden. „Das ist obendrein ein schöner Anblick. Später sollen hier langjährige und einheimische Kräuter und Blumen angepflanzt werden, die in jedem Jahr wieder zur Blüte kommen, wie zum Beispiel die Minze“, freut sich Irene Schenzinger. „Auch Kinder können hierfür einen Beitrag leisten. Jede Kleinigkeit ergibt in der Summe etwas Schönes und Großes“, sagt die Naturschützerin.

Schottergärten haben keinerlei ökologischen Wert

Die Umweltgruppe Südbaar beschäftigt sich schon lange damit, wie man Menschen dazu bewegen kann, wieder einen lebendigen Garten zu gestalten, der gar nicht so viel Arbeit machen muss. Denn schaut man sich um, stechen einem immer mehr Steinfelder und Kieswüsten ins Auge. Das Material in den Farben weiß, grau und schwarz findet man zuhauf in Säcken in den Baumärkten. Sie sind einfach in Mode gekommen mit dem Glauben, dass man dabei nichts machen muss.

„Das ist eigentlich eine Beleidigung an jeden Gärtner und Botaniker, denn mit Gärtnern hat das nichts zu tun“, weiß Irene Schenzinger. „Solche angeblich mediterrane Gärtern sind unnütz, denn der Schotter fördert die Erderwärmung, das Wasser versickert, bringt aber nichts, denn die Erde darunter ist verdichtet und tot.“ Heimische Stauden würden über viele Jahre das Klima fördern und sind nicht besonders arbeitsintensiv, da sie jedes Jahr wieder blühen. Zudem sind sie eine Augenweide und ein wichtiger Nahrungslieferant für viele Insektenarten, die wir so dringend benötigen, rät Irene Schenzinger.

Erde ist nicht gleichbedeutend mit Dreck, wie viele glauben. In einer Handvoll Erde leben unzählige Mikroorganismen, die für unseren Fortbestand so wichtig sind. Es sei also manchmal sinnvoller, ein Stück Garten verwildern zu lassen, als daraus eine Kieswüste zu gestalten, die keinerlei ökologischen Wert hat. Zudem geht somit die heimische Gartenkultur und auch ein Stück Heimat verloren.

In großen Städten sucht man inzwischen nach innovativen Ideen und Möglichkeiten, die Städte und Fassaden zu begrünen. Im Hinblick auf unser zukünftiges Klima sollte man deshalb davon ablassen, Gärten zu versteinern. (gal)