„Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgend etwas, das der menschliche Geist erfinden könnte.“ Diese Einsicht stammt von Sherlock Holmes, dem immer scharf beobachtenden Privatdetektiv der britischen Kriminalliteratur. In den Mund gelegt hat sie ihm der Autor Conan Doyle. Diesem Schriftsteller ist der Festvortrag des 34. Regionalen Wissenschaftsforums im Museum Art Plus gewidmet.

Bernd Stiegler, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Konstanz, wird über ein Thema sprechen, das auf den ersten Blick ebenfalls seltsam klingen mag: „Sherlock Holmes, Geister und Elfen“. Der Untertitel verweist dann allerdings nüchtern darauf, um was es ihm geht – um Conan Doyle und die Fotografie.

Zu diesem Thema hat Stiegler vor zwei Jahren ein Buch vorgelegt, in dem er am Beispiel von Conan Doyle akribisch beschreibt und kritisch würdigt, wie die Welt vor und nach 1900 mit ihren vielen Merkwürdigkeiten in den fotografischen Blick genommen worden ist. Rationaler Spürsinn findet sich bei Doyle vermischt mit Geisterbeschwörung und spiritistischem Spuk; mit der Dokumentation kolonialer Gräueltaten und mit Berichten über den Zweiten Burenkrieg befasst er sich mit dem gleichen Ernst wie mit der Magie der Zauberkunst und ihren Täuschungen.

Conan Doyle hat nicht nur die Kunstfigur des Sherlock Holmes geschaffen, sondern darüber hinaus ein breit gefächertes Werk hinterlassen. Die Bedeutung des Sherlock Holmes beschreibt Bernd Stiegler so: Je brüchiger und undurchschaubarer die Welt wird, desto attraktiver ist es, einen Detektiv zu haben, der gewollte Ordnungen wiederherstellt.

Doyles übriges Werk, das für Stiegler befremdlich ungleichartig ist und eben von der Fotografie bis zum Spiritismus reicht, hat für ihn eine vergleichbare Funktion – die Erschütterungen der Moderne aufzufangen und sich um Bewahrung und Sicherung von Bestehendem zu bemühen.

Das Wissenschaftsforum wird jährlich von der Stiftung Wissenschaft und Gesellschaft an der Universität Konstanz ausgerichtet, die Veranstaltung findet am Donnerstag, 10. November, um 19 Uhr im Museum Art Plus statt. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz, wirft einen Blick auf das akademische Jahr 2016, Tina Ulmer-Ziehr, die stellvertretende Stiftungsvorsitzende, verleiht ein Stipendium und einen Lehrpreis. Die musikalische Umrahmung übernimmt ein junges Ensemble der Stadtkapelle.

Die Veranstaltung ist öffentlich, Anmeldungen sind erforderlich bis Freitag, 4. November, per Mail: stiftungwug@uni-konstanz.de oder Telefon: 07531/884841.