Emil Kiess – ein leidenschaftlicher Maler. Er gehört zu den wichtigen Künstlern im deutschen Südwesten, prägt seit Jahrzehnten das Kunstgeschehen. Er lebt auf dem "Schächer" im Hüfinger Stadtteil Fürstenberg, hat sein Atelier in Donaueschingen "Auf der Steig".

Das Donaueschinger Museum Art Plus zeigt jetzt gut zwei Dutzend Arbeiten von Emil Kiess in einer großen Ausstellung. Das Hauptgewicht liegt dabei auf dem Schaffen der 1980-er Jahre. Die Ausstellung öffnet am Sonntag, 31. März, um 12 Uhr bei freiem Eintritt.

Kräfte, die in Farben wohnen

Farbmalerei ist sein großes Thema. Emil Kiess will "Kräfte, die den Farben inne wohnen, freisetzen", wie er sagt, sie sollen ihre Intensität und Bewegung finden. "Die Farbe bricht durch, aus dieser Dynamik entsteht eine neue Kunst – und das ist die Befreiung vom Gegenstandsbezug", sagt er im Gespräch in seinem Atelier auf der "Steig".

Und er findet den Startpunkt zu seiner Farb-Kunst in einer Arbeit von 1956: "Schwarz will blühen". Das ist so ein Schlüsselbild für den Maler. "Wir waren junge Künstler und spürten den Aufbruch der Kunstszene nach dem Krieg", sagt er. "Wir ahnten, dass eine große Erneuerung bevorsteht, die gegenständliche Malerei verlor an Bedeutung."

Kunst nach dem Kriege

Die Nachkriegsmalerei war keine erheiternde Kunst, fasst der Maler heute zusammen, Schwarz spielte eine große Rolle, und das beeinflusst auch den jungen Emil Kiess. "Schwarz will blühen": Das 1,30 auf ein Meter große Bild macht dies deutlich. Schwarze, eher düstere Welten werden nach und nach von hellen Flächen durchbrochen, als würde ein dunkler Vorhang vom Luftstoß der neuen Zeit auf die Seite geweht.

Ein Hinweis, den Emil Kiess heute klar deuten kann: Es drängt ihn zur Farbe, "aber es hat bis in die 80-er Jahre gedauert, bis sich die Farbe befreit."

Eine künstlerische und eine private Krise, gesteht Kiess, habe ihn zu einer Neubesinnung geführt. Die Entwicklung seiner Kunst führt ihn immer weiter in die ungegenständliche Malerei. Aber Kiess spürt bald auch Erscheinungen einer Abnutzung.

Es entstehen monochrome Bilder, auf denen subtile Farbnuancen nebeneinander stehen, "Reduktion bis an die Grenzen des Wahrnehmbaren", sagt er und merkt, dass er an einem Punkt gelandet ist, bei denen die sinnliche Welt der Malerei ihren Sinn verloren hat. Ein Endpunkt.

Ein Neubeginn für Kiess

"Das wurde aber auch ein Neubeginn für mich", sagt Kiess. "Nach dem, was heute alles möglich ist, muss man seine Position bestimmen, aber dazu muss man sie erst einmal genau kennen." In der Kunstszene fand viel Neues statt, Happenings, Op Art und optische Täuschungen, gestische Malerei und große Aktionen prägten das Geschehen: Für Emil Kiess war dies ein Punkt, sich für kurze Zeit wieder auf den Gegenstand zu besinnen.

Von da aus ging es dann hinein in die neue Welt der Malerei: Die Farbe kommt zum Vorschein. Sie befreit sich, bekommt Bewegung und Dynamik und hat bald keinen Gegenstand mehr: "Das alles ging nicht so gradlinig weiter mit meiner Kunst, es hat einige Zeit gedauert".

HAP Grieshaber einer der Lehrmeister

Für Emil Kiess stehen zwei große Lehrmeister in seinem Werdegang ganz oben: Der berühmte und manchmal chaotische und spannungsgeladene Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber und der eher bedächtige und verständnisvolle Willi Baumeister.

Und während der eine mit mannsgroßen farbigen Holzschnitten die Kunstszene der 1950-er Jahre aufmischte, war der andere mit seiner gegenstandslosen Kunst nach 1945 einer der Wegbereiter in der deutschen Kunstszene nach dem Krieg.

Aufbruch in Farbe und Befreiung

Für Aufbruchstimmung sorgten beide und mitten drin Emil Kiess, der von beiden lernte und aufsog, was sie ihren Schülern beibrachten: Aufbruch in die Farbe, Befreiung, Verselbständigung und Dynamik. Das sind über all die Jahre die großen Themen bei Emil Kiess.

Der in Trossingen 1930 geborene Künstler zeigt in der Ausstellung zum Teil große Formate, aber auch Dreidimensionales, eine Sammlung von farbigen Würfeln, die von den Besuchern auch zum didaktischen Kennenlernen der Farbwirkung genutzt werden dürfen.

Mittendrin ist eine Arbeit, die aus sechs Teilen besteht und gut sieben Meter in der Breite misst: "Großer Farbklang 1995" heißt dieses raumgreifende Werk. Es macht die große Leidenschaft von Emil Kiess erkennbar: Farbe in ihrer ungeheuren Dynamik hat ihn sein Leben lang beschäftigt.

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