Sein unerschöpfliches Wissen um die Historie seiner Heimat hat er sich angelesen und durch eigenes Erleben angeeignet. Als Spross einer seit mindestens sechs Generationen in Donaueschingen ansässigen Familie, die einen Bürgermeister und Sparkassenmitgründer stellte, nahm er sich durchaus heraus, Stirn zu zeigen, für seine Auffassung zu kämpfen und in Briefen an Räte und Behörden auf Missstände hinzuweisen. Wenn es darum ging, Kleinode vor dem Verfallen zu bewahren, sei an seinen Einsatz für das Fischhaus im Schlosspark erinnert. Aber auch die Gnadentalkapelle in Neudingen, seit 2014 mit einem Förderverein unterstützt, lag ihm am Herzen. Nicht einsehen wollte das wandelnde Geschichtslexikon, wenn moderner "Schissdreck" den Charme seines Jugendstilstädtchen verletzte. Unvergessen seine Abrechnung mit einer Skulptur an der Schützenbrücke im Sommer 2012. 1000 Euro aus der sozialisierte Geldstrafe fürs Abfackeln wandelte er zum Startkapital zur Restaurierung der Gnadentalkapelle um.

In Frack und mit Zylinder: Friedebert Gleichauf
In Frack und mit Zylinder: Friedebert Gleichauf | Bild: privat

Das ohne Zweifel größte Hobby des Bäckermeisters war das Reiten. Erstmals auf einem Pferd saß er als Zehnjähriger. Viele Jahre später gehörte er zu den Gründern des Reit- und Fahrvereins seiner Heimatstadt.

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Beim ersten Reitturnier holte er bei den Einspännern gleich den ersten Platz. Als vermutlich bekanntester Reiter der Stadt fungierte Gleichauf mehr als sein halbes Leben am Fasnetsonntag. 38 Jahre führte er bis 2015 als berittener Zugmarschall den Festumzug an, gut 60 Jahre nahm er als Kavallerist der Bürgerwehr teil. Die engen Kontakte zu den Rösser haltenden Bauern vor der Stadt brachte ihm in der Narrenzunft Frohsinn eine wichtige, wenn auch nie als Amt betitelte Funktion ein: Er hielt die Kutschen und Gespanne der Narrenzunft und den Brauereiwagen in Bewegung.

Friedebert Gleichauf mit Album. Über seine Jahrzehnte an der Spitze des Fasnetsunndig-Umzugs hat er viel zu erzählen.
Friedebert Gleichauf mit Album. Über seine Jahrzehnte an der Spitze des Fasnetsunndig-Umzugs hat er viel zu erzählen. | Bild: Jakober, Stephanie

Weitere Leidenschaften des Verstorbenen waren das Jagen und Schießen. Mehr als 30 Jahre war er im Hegering Donaueschingen aktiv. Bei den Jagdhornbläsern blies er das Parforcehorn. Mehr als zehn Jahre unterhielte er eine Jagd in Weiler. Die Mitgliedschaften in den Schützenvereinen in Aufen und Hüfingen beweisen, dass der Verstorbene mit der Schusswaffe gut umgehen konnte.

Auch das ist die Sommerserenade: Dirigent Christian Feierabend (rechts) im Gespräch mit Bäckermeister Friedebert Gleichauf.
Auch das ist die Sommerserenade: Dirigent Christian Feierabend (rechts) im Gespräch mit Bäckermeister Friedebert Gleichauf. | Bild: Müller, Jürgen

Von Berufs wegen konnte er natürlich exzellent mit Teig umgehen. Legendär waren des Bäckermeisters Brote wie das Kommissbrot, aber auch die Springerle in der Vorweihnachtszeit oder die Schwarzwälder Kirschtorte. Mit 14 Jahren ging er beim Vater Edwin in die Lehre. Noch vorvergangene Woche traf man den Geschäftsinhaber, der seinen Laden mit Angestellten betrieb, in der Backstube an. Danach stand ein Eingriff am Herzen in Bad Krozingen an. Bis zum vergangenen Samstag machte Gleichaufs Genesung schöne Fortschritte – bis das Schicksal anderer Meinung war.

Gleichauf hinterlässt seine Kinder Matthias und Sandra mit ihren Ehepartnern und fünf Enkelkindern. Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Freitag, 23. November, 11 Uhr, auf dem Stadtfriedhof Donaueschingen statt.