Bei der Eingemeindung zählte Hondingen neben Riedböhringen, Riedöschingen und Achdorf zu den vier Gemeinden, die am 1. April 1972 nach Blumberg eingemeindet wurden. Im Ort gab es heftige Widerstände. Erst bei der zweiten Bürgerversammlung stimmte eine knappe Mehrheit von 124 Bürgern für den Anschluss nach Blumberg, 117 waren dagegen, sie wollten eine selbstständige Gemeinde bleiben. Von 303 Wahlberechtigten gaben 252 ihre Stimme ab, elf Stimmzettel waren ungültig. Die Wahlbeteiligung lag bei 82 Prozent. Der Hondinger Gemeinderat folgte dann dem Votum.

Im früheren Schulhaus in Hondingen hat inzwischen der Kindergarten sein Domizil.
Im früheren Schulhaus in Hondingen hat inzwischen der Kindergarten sein Domizil. | Bild: Bernhard Lutz

In einem Zusatzvertrag verpflichtete sich die Stadt Blumberg zu Investitionen, die nicht genannt wurden. Im Raum stand schon das Erschließen von Baugelände im Gewann Kirchberg, der Einbau einer Ölheizung im Gemeindehaus, die Einrichtung eines Kindergartens. Zwar sagte die Stadt zu, die Schule zu erhalten, doch schon im Folgejahr mussten die Grundschüler die Schule in Riedöschingen besuchen. Ein Meilenstein waren der Bau des Sportplatzes und später des Gemeinschaftshauses in viel Eigenarbeit. Später baute der SV Hondingen dort sein Vereinsheim. Positiv für die Dorfgemeinschaft entwickelte sich auch der Seniorentreff, den die Landfrauen ins Leben riefen und Hubert Münzer 1981 fortführte, schildert Helmut Ochs.

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Welches Potenzial in Hondingen steckt wurde bei der 1200-Jahr-Feier im Jahr 2017 deutlich und der damit verbundenen Geschichtsausstellung im Pfarrhaus, die ein Arbeitskreis organisierte und aus der Werner Bogenschütz auch noch das „Hondinger Buch“ herausgab. Im Zuge des Dorfjubiläums wurden auch die Ortsdurchfahrt inklusive der Leitungen saniert.

Das sagen die Bürger zur Eingemeindung:

Kurt Erhart: „Ich wollte nirgends anders leben“

Kurt Erhart (78) war lange Landwirt, 19 Jahre im Ortschaftsrat, über 40 Jahre im Musikverein Hondingen und Vorsitzender der Raiffeisen Genossenschaft.

Bild: Bernhard Lutz

„Ich war für die Eingemeindung nach Blumberg. Das Jahr 1972 habe ich besonders gut in Erinnerung, weil meine Frau Eva und ich geheiratet haben. Unser ehemaliger Bürgermeister Karl Gilly hat uns noch im Rathaus als Standesbeamter getraut, es war seine letzte Amtshandlung als Standesbeamter, dann kam das Standesamt nach Blumberg. 1976 wurde ich in den Ortschaftsrat gewählt, da gab es einen Ortsvorsteher-Wechsel: Hubert Münzer folgte Karl Gilly. Unter Hubert Münzer hat Hondingen sich gut entwickelt. Da die Wirtschaften bis auf den „Hirschen“ fast alle schon geschlossen hatten, entstand die Idee, ein Gemeinschaftshaus zu bauen. Die Baukosten mussten wir von 2,5 Millionen D-Mark auf 1,8 Millionen Mark reduzieren, weil das Bürgermeister Werner Gerber viel zu teuer war.“ Ganz wichtig für die Dorfentwicklung war die Erschließung der Baugebiete „Kirchberg“ und „Im Dorstel“. (blu)

Ortsvorsteher Rolf Schwenk betont die Gemeinschaft mit der Stadt Blumberg

Rolf Schwenk (52) ist seit Sommer 2019 Ortsvorsteher von Hondingen. Er ist der erste Ortsvorsteher in der Raumschaft Blumberg, der Mitglied der Grünen ist.

Hondingens Ortsvorsteher Rolf Schwenk
Hondingens Ortsvorsteher Rolf Schwenk | Bild: Rolf Schwenk

Einerseits liegt Hondingen in einem ruhigen Seitental, andererseits ging es Hondingen infrastrukturell mit dem Anschluss an die „große weite Welt“ noch nie so gut wie jetzt: Die Ortsdurchfahrt wurde 2017 saniert, seit Dezember 2019 gibt es das neue Busangebot mit vielen Verbindungen. Der beschlossene Hausanschluss an das schnelle Breitbandnetz und die Erschließung des Neubaugebietes sind in Vorbereitung. Das ist nur in der Gemeinschaft einer Stadt mit starken Stadtteilen möglich.

Die 1200-Jahr-Feier im Jahr 2017 und der alle zwei Jahre stattfindende Hondinger Herbst überzeugen viele Besucher von Nah und Fern, wie aktiv die vielen Hondinger Vereine sich engagieren, wie viel Interessantes ein kleines Dorf auf der Südbaar zu bieten hat, und wie sehr die Einwohnerschaft unsere Heimat schätzt. Das schwierige Jahr mit der Corona-Pandemie zeigt uns allen, dass das Dorfleben unschätzbare Vorteile hat: Die Natur liegt vor unserer Haustüre.

Manfred Bäurer: „Hondingen ist meine Heimat“

Manfred Bäurer (52) war aktiver Fußballer, Trainer und ehemaliger Vorsitzender des Sportvereins Hondingen.

Manfred Bäurer, Geschäftsführer der Firma Wieländer + Schill in Tuningen
Manfred Bäurer, Geschäftsführer der Firma Wieländer + Schill in Tuningen | Bild: Wieländer + Schill

„Hondingen ist meine Heimat, hier ist mein Leben meine Familie. Ich könnte mir kein schöneres zu Hause wünschen. Von der Jugend an war ich herzlich aufgenommen in verschiedenen Vereinen, Landjugend, Musikverein und Sportverein. Mein Herz hat sich dann aber für den Sportverein entschieden und ist dem auch bis heute treu gebelieben. Durch das tolle Vereinsleben in Hondingen ist die Bevölkerung sehr stark zusammen gewachsen, man hilft sich gegenseitig, es ist einfach nur toll, das zeigt sich auch, wenn die Veranstaltung, Hondinger Herbst, stattfindet.

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Es ist auch erstaunlich, dass sich in der heutigen Zeit, doch immer wieder junge Leute für ein Ehrenamt zur Verfügung stellen, das ist nicht selbstverständlich. Das ist die Basis, dass die jungen Menschen sich in Hondingen wohl fühlen und somit auch in Hondingen bleiben. Wir hatten immer einen sehr guten Ortsvorsteher und einen sehr guten Ortschaftsrat, die mit der Stadt Blumberg und dem Gemeinderat für Hondingen viel bewegen konnte, wie zum Beispiel den Bau des Gemeinschaftshauses, die neue sehr schöne Ortsdurchfahrt und natürlich auch die Unterstützung beim Bau unseres tollen Vereinsheims. Bin einfach nur stolz ein Teil der Gemeinschaft sein zu dürfen.“

Agnes Süß: „Mit dem Puls der Zeit gehen“

Agnes Süß (57) stammt aus Hondingen, ist dort verheiratet und hat sich schon vielfach für ihren Heimatort engagiert.

Agnes Süß setzt sich gerne für ihren Heimatort Hondingen ein.
Agnes Süß setzt sich gerne für ihren Heimatort Hondingen ein. | Bild: Agnes Süß

„Hondingen bedeutet für mich Wurzeln der Geborgenheit mit meiner Familie und den Bürgern des Dorfes. Ich bin hier aufgewachsen und habe gemeinsam mit vielen Mitbürgern den Wandel durch die Eingemeindung nach Blumberg hautnah miterlebt. Zuerst herrschte Skepsis und etwas Ablehnung, was sich jedoch im Laufe der Zeit durchaus positiv zu einem gemeinsamen Zusammengehörigkeitsgefühl zur Stadt Blumberg entwickelt hat.

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Gemeinsam haben wir uns in den vergangenen Jahrzehnten stetig weiterentwickelt.

Gerade in so einem kleinen Dorf ist das Miteinander von Alt und Jung prägend und für die Vereinsarbeit und das soziale Umfeld besonders wichtig. Was mir deshalb Sorge bereitet ist, dass seit fast sieben Jahren keine Bauplätze im Neubaugebiet mehr zur Verfügung stehen. Somit verringert sich die Chance, dass Hondingen eine gesunde Altersstruktur behält und damit jung und spritzig bleibt.“

Susanna Fetscher: „Der Zusammenhalt im Ort ist für mich besonders“

Susanna Fetscher (16) ist Mitglied im Musikverein Hondingen und ihrem Heimatort sehr verbunden.

Susanna Fetscher

„Ich bin hier geboren und habe den Kindergarten vor Ort besucht. Mit vielen meiner Kindergartenfreunde bin ich immer noch befreundet. Der Zusammenhalt untereinander ist für mich etwas ganz Besonderes. Das Mitwirken im Musikverein Hondingen ist eine schöne Gelegenheit, mit anderen Generationen zusammen zu kommen und Spaß miteinander zu haben. Verantwortung zu übernehmen und bei Festen mitzuhelfen gehört dazu. Auch die Kindertrachtengruppe und die Landjugend gehören zu Hondingen. Ich finde es schön, dass es in Hondingen noch einige Vereine gibt und man die Möglichkeit hat sich vor Ort einzubringen. Jeder kennt jeden und ein „Schwätzle“ mit der Nachbarin ist immer gut, um zu erfahren, wie es ihr geht.

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Durch die Eingemeindung nach Blumberg gehe ich dort zur Schule und kenne dadurch viele Menschen aus Blumberg und den anderen Ortschaften. Ich persönlich habe jedoch keine engere Verbindung zu Blumberg und muss jedes Mal feststellen, dass es in Hondingen einfach am schönsten ist.“