Was aber hat es mit dem Brauch des Schitzens von Rübengeistern auf sich? Das Rübengeistern hat nichts mit Halloween zu tun. Es ist ein Herbstbrauch von Kindern in verschiedenen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Dabei wird eine Futterrübe ausgehöhlt und bekommt ein möglichst gruseliges Gesicht – eine mühselige Arbeit, da die Dinger extrem hart sind. In die ausgehöhlte Rübe wird dann ein Kerzenlicht gestellt. Ist die Rübe fertig, ziehen die Kinder durch ihren Ort und sagen ein paar Sprüchlein auf. Danach werden die Rüben ins Fenster oder an die Haustür gestellt.

Das Rübenschnitzen mit den Kindern zum Auftakt der Urviecher-Kilbig hat sich gut eingeführt. Das Bild stammt aus dem Jahr 2017.
Das Rübenschnitzen mit den Kindern zum Auftakt der Urviecher-Kilbig hat sich gut eingeführt. Das Bild stammt aus dem Jahr 2017. | Bild: Naiemi, Sabine

Hochgehalten wird der Brauch etwa in Rottweil-Göllsdorf. So gibt es dort seit 1956 anlässlich der im Rottweiler Stadtteil Göllsdorf gefeierten „Saukirbe“ einen „Riabagoaschterumzug“, wie er auch zum Beispiel in Bad Buchau, Ulm-Söflingen und weiteren Orten stattfindet.

Die Riabagoaschter werden dabei auf Stangen befestigt und im Rahmen eines Umzugs durch die Straßen von Göllsdorf getragen. Der Mundartdichter Egon Rieble verfasste extra ein eigenes „Riabagoaschterlied“. In Schramberg und Umgebung ziehen die Kinder am vorletzten Samstag im Oktober mit Laternen und Rübengeistern durch die Straßen und erhoffen sich, durch ihr Kilbesingen ein paar Süßigkeiten, also traditionell Äpfeln, Birnen, Walnüsse und „Guzle“ zu verdienen. In Furtwangen dagegen geht das Kilbesingen und Rübengeister schnitzen seit den 1980er-Jahren stetig zurück.

Schon im November 2019 wurde beim Turnerbund Bad Dürrheim geschnitzt.
Schon im November 2019 wurde beim Turnerbund Bad Dürrheim geschnitzt. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Es ist auch schwierig, überhaupt an Futterrüben heranzukommen. Die Urviecherzunft aus Bad Dürrheim hatte zum Beispiel das Glück, dass ein Landwirt bereit war, in einer Ecke eines Feldes, Rüben extra anzubauen.

Auch in Sunthausen lebt die Tradition wieder auf. Dort kümmern sich vor allem die Landfrauen ums Schnitzen der Rübengoasachter. „Es hängt damit zusammen, dass ein paar von uns diese Tradition noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen“, erläutert Yvonne Simon den Grund für die Aktion. Und sagt weiter: „Wir haben das als etwas ganz Positives in Erinnerung und bieten deshalb an, diese Tradition wieder aufleben zu lassen.“ Es seien schon ganz viele Anmeldungen eingegangen und man hoffe auf einen schönen Samstag. Abends laufen die Kinder dann von der Fischerhütte am See auf den Dorfplatz und werden dort die Rübengeister hinstellen.