Schon seit Jahren fordert die Kläranlage in Unterbaldingen hohen Investitionsbedarf wegen erforderlicher Sanierungen.

Im November 2016 kündigte Ingenieur Jochen Molitor vom Büro SAG-Ingenieure aus Schramberg einen Investitionsbedarf von 4,6 bis 5 Millionen Euro für die kommenden zehn Jahre an, also bis 2026.

Bei seiner Verbandsversammlung im Juli 2018 beschloss der Zweckverband Abwasserreinigung Kötachtal den Bau einer Überschussschlammeindickung sowie die Erneuerung der technischen Ausstattung des in den 80er-Jahren eingebauten Sandfangs. Hierfür wurden 1,1 Millionen Euro veranschlagt, diese und andere Maßnahmen (Austausch der Rechenanlage) erfolgten 2019.

Der Finanzbericht bei der Verbandsversammlung Ende Juli ergab nun, dass die Kostenrechnung in Höhe von 895 546 Euro wegen nicht vorsehbaren, aber notwendigen Sanierungen nicht eingehalten werden konnte. Die Abrechnung beläuft sich nun auf 955 192 Euro, zwei Schlussrechnungen sind noch offen.

Bei der Versammlung im Juli 2020 berichtete Ingenieur Jochen Molitor nun über Ablauf und Stand der Arbeiten:

  • Sanierung Sand- und Fettfang: Hier werden organische Bestandteile vom Sand getrennt, der Sand kann danach auf einer Deponie entsorgt werden. Anlass für die Sanierung war die veraltete, nicht mehr wirtschaftliche Maschinentechnik mit dadurch einhergehender als gesundheitsbedenklich eingestufter Aerosolbildung. Geplante und bislang umgesetzte Maßnahmen waren die Erneuerung des Räumers mit Saugpumpe und aufgeständerter Ablaufrinne, Sandwäscher für Außenaufstellung, Umgehungsleitung Sandfang, Erneuerung der Sandfanggebläse, Erneuerung des Absenkschiebers im Fettschacht.
  • Überschussschlammeindickung: Der Anlass für den Neubau der maschinellen Überschussschlammeindickung (MÜSE) war der unzureichende Abzug von Überschussschlamm. Bisher war keine maschinelle ÜSS-Eindickung vorhanden. Im Zuge der Tiefbauarbeiten wurde eine unbekannte Schlammleitung entdeckt, die erneuert wurde. Der Anbau an das Betriebsgebäude ist erfolgt. Weitere Teile der umfangreichen Maßnahmen war die Errichtung einer Tankfläche für Fällmittellieferungen (Fällmittel werden zur Verbesserung der Schlammstruktur benötigt), Anschluss und Verbindung von Leitungen und Pumpen, die Unterbringung der Maschinentechnik im neuen Anbau.
  • Weitere Maßnahmen: Jetzt steht die Sanierung der Nachklärbecken und der Einbau eines Filtratspeichers an. Das wurde in der Studie aus 2016 als kurzfristige Maßnahme eingestuft. Die Maschinentechnik sei so veraltet, dass ein Ausfall zu befürchten sei. Die Gründe für den Einbau eines Filtratspeichers sind: die gleichmäßige Zugabe des hoch belasteten Filtrats, die Stabilisierung und Verbesserung des Kläranlagenbetriebs und der Ablaufwerte. Der Filtratspeicher ist eine Forderung der Aufsichtsbehörde. Die Rechenanlage ist aufgrund ihrer Betriebszeit verschlissen und muss ebenfalls ausgetauscht werden. Die Kosten dieser Maßnahmen sind mit rund 550 000 Euro veranschlagt. Der Anfang des Jahres bestellte, neue Schaltschrank wird voraussichtlich im Oktober installiert. Dieser meldet dann Störungen unmittelbar an Leitwarte und Handy.

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