Andreas Bertsch vom Wohnmobilhafen Bad Dürrheim, hat quasi den roten Teppich für die kommenden Gäste schon ausgerollt. Ab nächster Woche dürfen die Beherbergungsbetriebe wieder öffnen. Man rechnet aber allgemein mit einem verhaltenen Start.

Andreas Bertsch, Betreiber des Reisemobilhafens, schaut zuversichtlich in die Zukunft.
Andreas Bertsch, Betreiber des Reisemobilhafens, schaut zuversichtlich in die Zukunft. | Bild: Hans-Juergen Goetz

„Wenn man sieht, wie schnell der Inzidenzwert jetzt gefallen ist, wäre das ja echt gut, wenn so weitergeht“, findet Bertsch. Er wird am Dienstag, 1. Juni, öffnen. „Wir haben mit den Vorbereitungen immer noch abgewartet, weil wir nicht wussten, ob der Inzidenzwert nicht doch wieder über 100 springt.“ Aber bei den jetzigen Zahlen rechne er damit, dass der Wert nicht mehr steigt.

Der Reisemobilhafen in Bad Dürrheim, hier ein Luftbild vom Mai 2020, ist demnächst hoffentlich wieder voller Gäste, die dann auch die Stadt beleben.
Der Reisemobilhafen in Bad Dürrheim, hier ein Luftbild vom Mai 2020, ist demnächst hoffentlich wieder voller Gäste, die dann auch die Stadt beleben. | Bild: Archivbilder: Hans-Juergen Goetz

Er habe sofort, nachdem er im Internet die Öffnung bekanntgegeben hatte, schon fünf oder sechs Reservierungen reinbekommen. Fronleichnam und das verlängerte Wochenende werden sich erfreulich auswirken. Zunächst habe er ein bisschen Bammel gehabt, nachdem er gelesen hatte, was die Gäste alles machen müssen, weil die Leute keine Lust hätten, sich alle drei Tage testen zu lassen. Er wisse, dass das am Bodensee viele Stornierungen verursacht habe. Wer nicht geimpft oder genesen ist, müsse nämlich alle drei Tage einen negativen Test vorlegen. Das sei für die Betroffenen schon ein Aufwand. Das sei aber momentan die einzige Chance, überhaupt was zu machen. Er selbst sei geimpft, und das sei für ihn schon eine Beruhigung. Wenn die Zahlen weiter so runtergingen, werde vermutlich auch irgendwann die Testpflicht wegfallen, meint er.

„Die Resonanz ist durchweg positiv. Die Leute freuen sich, dass sie wieder wegfahren können. Es sind viele, die darauf warten, dass sie nach Bad Dürrheim kommen können“, berichtet Bertsch. Momentan sei es den Gästen eher noch egal, ob das Solemar offen ist oder nicht. „Einfach nur mal weg ist die Devise.“ Alle seien froh, nach sieben Monaten endlich mal wieder wegfahren zu können. „Der absolute Mega-Run wie bei einer normalen Öffnung ohne Einschränkungen wird es jedoch nicht werden“, schätzt er. Wobei viele ältere Gäste schon vollständig geimpft seien oder bald zum zweiten Mal geimpft werden. Aus der Schweiz werden wohl viele kommen, hofft er, die vollständig geimpft sind. Schwierig sei jetzt erstmal, alle Voraussetzungen technisch umzusetzen, weil er gewährleisten müsse, dass die Leute die Voraussetzungen erfüllen. Aber dafür, dass er öffnen kann, nehme er gerne ein paar Unbequemlichkeiten in Kauf.

Maren Isak-Jentzen, Inhaberin des Bistro Matisse in Bad Dürrheim, hier im Januar 2021, rechnet am Anfang mit einer verhaltenen Reaktion der Gäste.
Maren Isak-Jentzen, Inhaberin des Bistro Matisse in Bad Dürrheim, hier im Januar 2021, rechnet am Anfang mit einer verhaltenen Reaktion der Gäste. | Bild: Archivbild: Naiemi, Sabine

„Ich stecke in den Vorbereitungen, entspannt der Dinge harrend, die da auf uns zukommen“, erklärt Gastwirtin Maren Isak-Jentzen. Sie will am Montag öffnen. Es sei erstaunlich, wie die Zahlen runtergegangen sind. Wobei sie nicht glaube, dass da gleich viele Gäste kommen. Viele seien noch nicht zum zweiten Mal geimpft, viele wollen sich nicht unbedingt testen. „Das wird noch vier Wochen dauern, bis alles richtig läuft“, schätzt sie. Für die Menschen hoffe sie, dass diese nicht gleich wieder ins Hamsterrad steigen, sondern die erlernte Entschleunigung der letzten Monate in die Zukunft mitnehmen können.

Ab Mitte Juni soll das Solemar, wie hier im Februar 2021, nicht mehr leer, sondern voller Gäste sein.
Ab Mitte Juni soll das Solemar, wie hier im Februar 2021, nicht mehr leer, sondern voller Gäste sein. | Bild: Archivbild: Kur- und Bäder GmbH

Solemar soll Mitte Juni öffnen

„Wir müssen für das Kurhaus zwar noch die öffentliche Bekanntmachung des Landratsamtes abwarten, aber das Kurhaus ab Montag wieder öffnen“, erklärt Kurgeschäftsführer Markus Spettel. „Wenn man die Öffnungsschritte hochrechnet und die Inzidenz weiter so fällt, rechnen wir damit, Mitte Juni das Solemar öffnen zu können – natürlich vorbehaltlich der Abstimmung mit den Ämtern. Wir können dann auch sofort öffnen, alles ist vorbereitet.“

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Auch das Haus des Gastes und die Tourist-Info plane die Kur- und Bäder GmbH im Laufe der nächsten Woche zu öffnen. „Alle sind motiviert“, so Spettel. „Es war eine lange Durststrecke. Es war ein trauriges Gefühl, immer ins leere Solemar zu kommen. Das gilt aber auch für ganz Bad Dürrheim.“ Jeder sei heiß darauf, wieder etwas tun zu dürfen.

Arno Winkler, hier auf einem Archivbild aus dem Dezember 2019, betrachtet die künftige Entwicklung noch mit Skepsis.
Arno Winkler, hier auf einem Archivbild aus dem Dezember 2019, betrachtet die künftige Entwicklung noch mit Skepsis. | Bild: Naiemi, Sabine

Arno Winkler erklärt: „Wir hatten Glück, dass unser Online-Shop seit etlichen Jahren etabliert ist, so hatten wir immer etwas zu tun. Außerdem ist das Geschäft unser Eigentum, und ich muss keine Angestellten bezahlen. Nachdem alle großen Feste abgesagt sind, fallen für viele Geschäfte trotz Öffnung weiter Einnahmen weg.“ Es sei gut, dass die Gastronomie endlich öffnen dürfe, das locke Leute an. Und: Dann könnten die Leute hier wenigstens wieder auf eine Toilette gehen. „Man glaubt gar nicht, was solche Kleinigkeiten ausmachen.“ Es werde sich seiner Ansicht nach im Handel noch einiges verändern. Wer weiß, welche Geschäfte eventuell doch schließen müssen, und ohne Kurgäste geht sowieso gar nichts.

Unser Luftbild zeigt den Campingplatz am Sunthauser See im Mai 2020. Auch das Seestüble erlitt durch die Lockdowns hohe Verluste.
Unser Luftbild zeigt den Campingplatz am Sunthauser See im Mai 2020. Auch das Seestüble erlitt durch die Lockdowns hohe Verluste. | Bild: Archivbilder: Hans-Juergen Goetz

„Wir betrachten das Ganze erstmal mit großer Vorsicht, erstmal abwarten, was passiert. Es gibt ja keine Planungssicherheit, man weiß nicht, ob die Werte wieder steigen. Wir sind froh, wieder anfangen zu können, aber es ist ein verhaltener Anfang“, erklärt Marc Tietböhl, Inhaber des Campingplatzes am Sunthauser See. Auch ihm macht der Gastronomieausfall noch zu schaffen.

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