Die Bürger-Energie-Genossenschaft Schwarzwald-Baar hat eine neue Photovoltaik-Freiflächenanlage bei Sunthausen in Betrieb genommen. Die 750 Kilowatt große Anlage erzeugt Strom, der mehrere Hundert Haushalte ein Jahr lang versorgen kann. Praktisch wird der Strom in das Netz des regionalen Stromnetzbetreibers eingespeist und im Rahmen der EEG-Förderung von einem Direktvermarkter vermarktet. „Deshalb haben wir auch nicht mehr als 750 Kilowatt an Leistung installiert“, klärt Finanzvorstand Dietmar Wursthorn auf. Bei größeren Anlagen muss der Betreiber die Förderung im Rahmen einer Ausschreibung gewinnen, was in der Regel mehr Aufwand und weniger Ertrag zur Folge hat.

Hier sieht man die Erzeugung des Stroms durch das Sonnenlicht.
Hier sieht man die Erzeugung des Stroms durch das Sonnenlicht. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Die Anlage am Mittelberg ist die dritte Freiflächenanlage, die die Bürger-Energie-Genossenschaft gebaut hat. Am Stierberg stehen bereits zwei Anlagen mit in Summe 1000 Kilowatt Leistung, die bereits seit über fünf Jahren Strom erzeugen. „Als Elektrotechniker liegt mir die Energiewende sehr am Herzen“, betont Technikvorstand Hubert Saur, der ins Schwärmen kommt, wenn er von den Anlagen spricht. Viel Eigenleistung steckt nämlich auch dahinter, solch eine Anlage optimal am Laufen zu halten. So putzen die Mitglieder der Genossenschaft regelmäßig ihre Anlagen und sind fürs reibungslose Funktionieren mit verantwortlich. „Damit kann jeder, der sich an unserem Vorhaben beteiligt hat, auch aktiv etwas zur Energiewende beitragen“, erzählt Saur.

Das Biotop am Stierberg war Auflage des Umweltamtes und bereichert nun die Artenvielfalt um ein Vielfaches.
Das Biotop am Stierberg war Auflage des Umweltamtes und bereichert nun die Artenvielfalt um ein Vielfaches. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Der Bau der neuen Anlage hat vom Zeitpunkt der Antragstellung bis zur Fertigstellung rund ein Jahr in Anspruch genommen. Und im Rahmen solch eines Prozesses kommen immer wieder auch umweltpolitische Aspekte zum Tragen, die erfüllt sein müssen. So war es eine Auflage für die Anlage am Stierberg 2, dass als Ausgleichsfläche ein Biotop entstehen musste. Dies wurde entsprechend den Vorgaben umgesetzt und nun entstand ein neues Zuhause für eine ungeheure Artenvielfalt. „Die meisten gehen davon aus, dass durch den Bau einer solchen Anlage eine Abwertung der Artenvielfalt einhergeht. Bei uns ist es genau andersherum“, berichtet Dietmar Wursthorn stolz. Unzählige Bodenbrüter nutzen den Schutz der Solarmodule, um in Sicherheit vor den Greifvögeln ihre Gelege auszubrüten. Kleinstnager fühlen sich unheimlich wohl, wenn das Gras rund um die Panels noch einige Wochen nach dem Abmähen liegen bleibt. Und selbst das Abmähen erfolgt erst dann, wenn der Samen in den Blüten gereift und ausgefallen ist. So entsteht eine Blühwiese, die natürlich eingesät wurde, nun aber sich selbst weiterverbreitet.

Sogar ein Imker hat zwei seiner Bienenstöcke an der Solaranlage angesiedelt, um seinen Bienen den Nektar der Blühwiesen anzubieten.
Sogar ein Imker hat zwei seiner Bienenstöcke an der Solaranlage angesiedelt, um seinen Bienen den Nektar der Blühwiesen anzubieten. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Die Bürger-Energie-Genossenschaft würde dieses positive Beispiel der Energiewende gerne auch noch an vielen anderen Stellen fortsetzen. Dafür sind sie immer auf der Suche nach Freiflächen in der Größe von einem Hektar entlang der Autobahn oder von Bahnstrecken. Diese werden in der Regel für 25 Jahre gepachtet. Und sobald sie wieder eine solche Fläche gefunden haben, können sich interessierte Bürger an der Genossenschaft und dem Bau von weiteren Anlagen beteiligen.