Königsfeld Neue Bürgerinitiative in Erdmannsweiler fordert Transparenz beim Mobilfunk-Ausbau

150 Teilnehmer unterstreichen ihre Forderungen, während Beteiligte des Runden Tisches der Gemeinde zum Stillschweigen verpflichtet sind.

Große Sorgen mit Blick auf das Vorhaben der Deutschen Telekom, in den Königsfelder Ortsteilen Neuhausen und Erdmannsweiler Sendemasten für einen besseren Mobilfunkempfang zu installieren, machen sich insbesondere Bürger aus Erdmannsweiler.

Vor diesem Hintergrund hat sich dort nun eine Bürgerinitiative gebildet, die vor allem eines möchte: mehr Transparenz und Öffentlichkeit im laufenden Suchverfahren für einen oder mehrere Standorte.

Zwar wurde von Bürgermeister Fritz Link wie versprochen ein Runder Tisch gebildet, doch die Teilnehmer dieser Runde wurden gleich bei der ersten Zusammenkunft zu absolutem Stillschweigen verpflichtet, so Claus Ding von der Ortsgruppe des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND) und Stephanie Richter von der Organisation Diagnose Funk.

Beide sitzen mit am Runden Tisch, werden deshalb aus den Reihen der besorgten Bürgerschaft mit Fragen überhäuft, dürfen aber nichts sagen, obwohl sich sowohl der BUND als auch Diagnose Funk als Verbraucherschutzorganisation sehen.

Die aktuelle Situation sei für sie „unerträglich geworden“, so Ding und Richter im Einklang. Die Gerüchteküche „brodle“ angesichts der vorhandenen Intransparenz, mit welcher von der Gemeinde und der Telekom die ganze Sache betrieben werde.

Am Karsamstag protestieren rund 150 Personen in Erdmannsweiler gegen die geplanten Mobilfunk-Masten.
Am Karsamstag protestieren rund 150 Personen in Erdmannsweiler gegen die geplanten Mobilfunk-Masten.

Dass sich bei dieser Gemengelage nun unabhängig vom BUND und der Diagnose Funk in Erdmannsweiler eine aktive Bürgerinitiative gebildet hat, bestätigt Jörg Schermann. Er ist einer von mehreren Initiatoren der nun gebildeten Bürgerinitiative. „Stuttgart 21 hat gezeigt, wie durch Mauscheln, fehlende Informationen und Transparenz, die Bevölkerung gespalten wird. Wir wollen Informationen zum Verfahren und zu den geplanten Standorten, und zwar nicht erst, wenn Fakten geschaffen wurden“, so Schermann.

Wie groß der Wunsch nach umfassender Information und Transparenz ist, zeigen zum einen Protestplakate, die aktuell in Erdmannsweiler zu sehen sind. Zum anderen war es eine große Teilnehmerschar, trotz urlaubsbedingter Abwesenheit einiger aktiver Mitstreiter der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI), die sich am Samstagnachmittag in der Ortinstraße zeigte.

Die rund 150 Bürger, die der Einladung der BI gefolgt waren, erfuhren bei dem Termin jedoch nichts Neues. Claus Ding und Stephanie Richter wiederholten ihre bereits in unzähligen Gesprächen und Anrufen getätigte Aussage, dass sie nichts sagen dürften.

Und Jörg Schermann hofft nun einfach, dass die Gemeinde und die Telekom einlenken und endlich umfassend informieren. Schließlich gehe es angesichts der Strahlenproblematik auch um die Gesundheit der Menschen im Ort, die auch den gewählten Volksvertretern am Herzen liegen sollte. Und wenn es um die eigene Gesundheit gehe, sei in der Medizin längst auch eine „Zweitmeinung“ durchaus üblich.

Jörg Schermann ist einer von mehreren Initiatoren der nun gebildeten Bürgerinitiative.
Jörg Schermann ist einer von mehreren Initiatoren der nun gebildeten Bürgerinitiative.

Deshalb seien auch alle eingeladen, am Montag, 9. April, um 19.30 Uhr ins Dorfgemeinschaftshaus nach Erdmannsweiler zu kommen. Dort werde ein 30-minütiger Kurzfilm zur Gesamtproblematik in Form eines Interviews mit einem Umweltmediziner aus Stuttgart gezeigt. Anschließend könnten die Teilnehmer Fragen stellen.

Ein Blick auf bestehende Grenzwerte in vielen anderen Ländern, die teils weit unter denen in Deutschland lägen – ein Beispiel sei Frankreich – zeige, dass in anderen Staaten die Anwendung des Vorsorgeprinzips mit Blick auf die gesundheitlichen Risiken zu hoher Strahlenbelastung weitaus ausgeprägter sei.

Niemand wolle, dass die Menschen ihr Handy abgeben oder nicht nutzen sollten, doch bei der Auswahl von Standorten für Mobilfunkmasten seien Transparenz und äußerste Vorsicht geboten. Und es müsse der Öffentlichkeit im Vorfeld – und nicht erst, wenn Fakten geschaffen wurden – klar und deutlich kommuniziert werden, welche Gründe und Überlegungen in die Entscheidungsfindung eingeflossen seien.

Vorgeschichte

Strahlenbelastung durch Mobilfunkmasten ist gerade in Erdmannsweiler ein Thema, weil ein Mobilfunkbetreiber vor rund zehn Jahren ohne Wissen der Kommune einen Vertrag zur Aufstellung eines Sendemastes auf dem Gebäude einer Privatperson mitten im Ort abgeschlossen hatte. Erst nach langem Ringen gelang es, dass die betreffende Familie wieder aus dem Vertrag aussteigen konnte. Das Projekt wurde nicht weiter verfolgt, aber im Ort gibt es seither eine besondere Sensibilität, wenn etwas hinter verschlossenen Türen entschieden werden soll. (aba)

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