„Summer of Pioneers“ (Sommer der Pioniere), so der Name des Projekts, klingt wildromantisch, verbunden mit einem Hauch von Abenteuer. Ebensolche Charaktere, die sich dadurch angesprochen fühlen, werden derzeit bundesweit gesucht. Auf der dazu eingerichteten Homepage www.tengen-pioneers.de ist nachzulesen, dass Tengen gemeinschaftlich nutzbare Büro- und Arbeitsflächen (Coworking Space) im Schloss Blumenfeld einrichtet und dazu 20 Kreative zum Arbeiten und Wohnen einlädt. Wer das Auswahlverfahren übersteht, soll dann gegen einen monatlichen Obolus von 150 Euro seine Ideen im Anwesen aus dem 16. Jahrhundert zu Projekten weiterentwickeln dürfen.

Wohnen und schnelles Internet

Der symbolische Preis beinhaltet zudem das Wohnen in Einzelzimmern im Schlossanbau – Nebenkosten inklusive. Auch schnelles Internet auf Basis von LTE-Mobilfunktechnologie, stehe dann im Schloss zur Verfügung, so Bürgermeister Marian Schreier. Vom 18. Juni an haben Kreative und „Digitalarbeiter“, wie sie auf der Internetseite genannt werden, sechs Monate Zeit, um für sich zu prüfen, ob das Leben auf dem Land auch ihre Zukunft ist.

Die Zukunft für Tengen sollen die Pioniere dabei schon im Gepäck haben. Zur Bewerbung gehöre auch eine konkrete Projektidee, welche die Bewerber in Tengen verwirklichen möchten, wie Marian Schreier erläutert. Wenn Ideen für die zukünftige Nutzung des Schlosses dabei sind oder Konzepte dazu während des Summer of Pioneers entwickelt werden, ist genau dies beabsichtigt.

Projekt wird staatlich gefördert

Idealerweise sollen daraus konkrete, langfristig tragfähige Projekte gemeinsam mit den Einheimischen entstehen, die durchaus in das ein oder andere Start-Up münden dürfen. Der Sommer der Pioniere wird unter anderem aus Mitteln der Städtebauförderung und der Regionalen Open Government-Labore des Bundesinnenministeriums gefördert.

Eine ähnliches Konzept – damals zur Zwischennutzung für das Schloss – gab es schon im Jahr 2019, als unter dem Motto „Frischer Wind in alten Mauern“ die Stadt Tengen Kultur, Kunst, Start-Ups und Gastronomie unter dem altehrwürdigen Dach zu vereinigen suchte, doch leider kam zwischen den Interessenten, die es durchaus gab, und den Verantwortlichen der Stadt nichts Konkretes zustande.

Frederik Fischer, die treibende Kraft hinter dem Sommer of Pioneers, ist zum Pressetermin online zugeschaltet und präsentiert gemeinsam mit Bürgermeister Marian Schreier das Projekt.
Frederik Fischer, die treibende Kraft hinter dem Sommer of Pioneers, ist zum Pressetermin online zugeschaltet und präsentiert gemeinsam mit Bürgermeister Marian Schreier das Projekt. | Bild: Elmar Veeser

Vor etwa einem Jahr schrieb dann die Stadt Tengen als Eigentümerin einen Wettbewerb zur Nachnutzung von Schloss Blumenfeld aus, der sich an Bewerbergemeinschaften aus Investoren und Architekten richtete. Doch leider seien keine prüffähigen Unterlagen eingereicht worden, wie Bürgermeister Marian Schreier konstatierte.

Chance für den ländlichen Raum

Auch das nun initiierte Projekt kann keinen nachhaltigen Erfolg garantieren, doch zeigt sich Marian Schreier sehr optimistisch: „Wir haben es in der Hand, ob auch der ländliche Raum von den Chancen der Digitalisierung profitiert“, sagt er. „Dafür braucht es neue Angebote, die Wohnen und Arbeit miteinander verbinden. Genau das wollen wir mit dem Summer of Pioneers auf Schloss Blumenfeld ausprobieren.“

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In Zeiten steigender Mieten in Städten bei gleichzeitiger Digitalisierung und Aufkommen des Homeoffice können ländliche Gemeinden attraktiver werden – insofern gibt es durchaus gute Voraussetzungen für das Pioniere-Projekt.

Auszeichnung vom Ministerium

Dass es sich bei Schreiers Optimismus nicht nur um Zweckoptimismus handelt, bewies das Projekt schon im Vorfeld. Ein erster Summer of Pioneers fand 2019 und 2020 im brandenburgischen Wittenberge statt und sorgte für große Aufmerksamkeit in Medien und Politik. Das Projekt wurde vom Bundesinnenministerium im Rahmen des Wettbewerbs „Menschen und Erfolge“ sowie von der Bundesregierung im Rahmen des Wettbewerbs „Kultur- und Kreativpiloten“ ausgezeichnet.

Die treibende Kraft hinter diesem erfolgreichen Projekt heißt Frederik Fischer. Der gelernte Journalist und bundesweit vernetzte Fachmann für Medien-Start-Ups zeigt sich davon überzeugt, dass auch in Tengen der Summer of Pionneers eine Erfolgsgeschichte schreiben wird.

Auch andere Städte setzen Idee um

  • Die Vorlage für das Projekt im Schloss Blumenfeld lieferte 2019 und 2020 das brandenburgische Städtchen Wittenberge. Von den 27 Pionieren blieben dort 15 fest vor Ort: Sie gründeten Unternehmen, arbeiten als Selbstständige oder betreiben den selbst gegründeten Kultur- und Begegnungsort „Safari“. Die ehemaligen Pioniere setzen ihr Engagement unter dem Namen „elblandwerker“ fort, betreiben zusammen mit den Menschen vor Ort Stadtentwicklung und laden Auswärtige zum Probewohnen ein.
  • Folgeprojekte: Vier Förderprogramme bauen auf diesem Erfolg auf. Brandenburg und Sachsen-Anhalt sehen Potenzial und wollen solche Ansätze nun verstärkt fördern.
  • Weitere Städte: Neben dem Summer of Pionneers in Tengen finden das Projekt dieses Jahr an zwei weiteren Standorten statt: im hessischen Homberg (Efze) und im nordrhein-westfälischen Altena.