Die Energiewende kann nur dezentral gelingen. So lautet der Standpunkt von Bodo Moray, Geschäftsführer der Netze BW. In den kommenden Jahren sollen immer mehr zentrale Kraftwerke vom Netz gehen, während die Erzeugung von Strom durch erneuerbare Energien an vielen unterschiedlichen Orten geschieht. Sei es mit der Photovoltaikanlage auf dem Hausdach oder im regionalen Windpark.

Um diesen Entwicklungen in Zukunft noch besser gerecht werden zu können, wolle die Netze BW in der Breite präsent sein, erklärte Moray bei der Eröffnung des neuen Unternehmensstandorts interkommunalen Gewerbegebiet Blumhof (IKG).

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24 Mitarbeiter sind am neuen Standort für den Bereich Netzentwicklung für Strom- und Gasnetze und Zählerwesen zuständig. Von hier aus werden in Zukunft der Netzausbau sowie Umbaumaßnahmen im regionalen Strom- und Gasnetz für die Region geplant und organisiert. Das sei eine wichtige Aufgabe, denn „die Netze müssen fit sein und fit gehalten werden“, betont Denis Merkle, Bereichsleiter Netzentwicklung.

Wie beim Eröffnungstermin des neuen Standorts zu erfahren war, betreuen die Mitarbeiter im IKG Blumhof gemeinsam mit ihren Kollegen im Regionalzentrum Tuttlingen und weiteren Standorten in Markdorf und Meßkirch das Netzgebiet der NetzeBW in der Region Hegau, Bodensee und Linzgau. Der Standort Stockach sei dabei vor allem für die Region zwischen Liptingen, Aach-Linz, Reichenau und Orsingen-Nenzingen zuständig.

Neuer Standort schafft auch Ausbildungsplätze

Am neuen Standort werde auch ausgebildet. Allerdings sei hier so eine gute Region mit sehr niedriger Arbeitslosenquote, bemerkte Merkle, dass man um gute Köpfe kämpfen müsse.

Früher seien die Teams auf unterschiedliche Standorte aufgeteilt gewesen. Die Projektierung war in Tuttlingen angesiedelt, die Baukoordinierung in der ganzen Region verteilt. Mit dem neuen Standort sollen Synergien genutzt und ein engerer Kontakt zwischen den einzelnen Teams ermöglicht werden. Besonders gelobt wurde dabei die besondere Lage des neuen Standorts im IKG Blumhof. „Wir können hier arbeiten, wo andere Urlaub machen“, so Moray.

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Spezielle Räume für Silke

Neben dem Netzausbau ist das Zählerwesen ein Arbeitsschwerpunkt am neuen Standort. Denn die Mitarbeiter von Netze BW stehen vor einer echten Mammutaufgabe. Bis 2032 müssen nämlich alle Haushalte mit digitalen Stromzählern ausgestattet werden. So will es das Messstellenbetriebsgesetz. Da die Zähler geeicht sein müssen, muss vom Hersteller bis zum Kunden eine sichere Lieferkette oder kurz Silke bestehen.

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Deshalb gibt es eigens für diesen Zweck besonders gesicherte Lagerräume. Rund ein halbes Jahr habe der Umbau des Multifunktionsgebäudes aus den 1990er Jahren in Anspruch genommen, berichtet Denis Merkle im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Nun sind die Arbeiten aber abgeschlossen und das Gebäude ist genau auf den Bedarf der Netze BW ausgerichtet. Auf rund 640 Quadratmetern finden sich Büroräume sowie Lager- und Werkstattbereiche.

Ein Jahr von der Idee bis zum Einzug

Früher war in dem Gebäude am Ende der Bodenseeallee ein Kosmetikhersteller untergebracht. Insgesamt habe die Planung für den Umzug ins interkommunale Gewerbegebiet Blumhof von der ersten Idee bis zum Einzug etwa ein Jahr in Anspruch genommen.

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Für Matthias Weckbach, den Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen, passt das Unternehmen perfekt zum Standort, schließlich habe man vor vielen Jahren bei der Erschließung dieses Gebiets bereits gut zusammengearbeitet, betonte er. Mit vielen Leuten aus dem Team, das nun hier arbeiten wird, bestehe seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit. Die neue Niederlassung sieht er als Stärkung für die Region, schließlich gelte es die dünnen Stromnetze für die Energiewende auszubauen. „Die Herausforderungen sind groß. Da werden wir uns ganz schön ins Zeug legen müssen“, so Weckbach.

Auch der Ukrainekrieg treibt Netzbetreiber um

Mit Sorge blickt man bei der Netze BW derzeit auch auf das Geschehen in der Ukraine. „Sollten die russischen Gaslieferungen komplett stoppen, wird dem Strom als Energiequelle eine noch größere Bedeutung zukommen, denn irgendwie muss die fehlende Energie ja ausgeglichen werden“, erklärt Bodo Moray. Das würde ihm zufolge eine gewaltige Belastung für die Stromnetze bedeuten, auf die es sich ebenfalls entsprechend vorzubereiten gelte.