Jens Schwarz und Stephan Einsiedler von der Netze BW kennen sich mit dem Hohenfelser Stromnetz aus, und sie wissen, was sich ändern muss, damit die Energiewende gelingt. Über die aktuelle Situation im Stromnetz der Gemeinde berichteten die beiden in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

Jens Schwarz ist der Regionalmanager Verteilernetze (Netzgebiet Heuberg-Bodensee), sein Kollege Stephan Einsiedler ist Kommunalberater. Die beiden waren von Tuttlingen in die Hohenfelshalle in Liggersdorf gekommen, um den anwesenden Räten und Mitgliedern der Gemeindeverwaltung Rede und Antwort zu stehen.

Und auch, um über die Herausforderungen der Zukunft zu referieren – im Fachjargon der Netze BW heißt dies Netzdialog.

Zusammenarbeit wird künftig noch wichtiger

Als Stromnetzbetreiber ist die Netze BW mit der Gemeinde Hohenfels sehr stark verbunden. Die Gemeindeverwaltung wies darauf hin, dass eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Stromanbietern und den Kommunen vor allem darum wichtig sei, damit man die Energiewende vorantreiben könne und auch, um eine zukunftsfähige Infrastruktur zu gewährleisten.

Unter Anderem ging es in dem Vortrag der Herren Schwarz und Einsiedler um betriebliche Themen, wie Versorgungssicherheit, aber auch um die bereits getätigten und geplanten Investitionen im Stromnetz in und um Hohenfels.

Anbieter reagiert auf Zunahme von Starkwetterereignissen

Jens Schwarz betonte, dass es der Anspruch der Netze BW sei, regionaler Partner zu sein, damit man im Störungsfall direkt eingreifen könne. Im Umkreis von Hohenfels wohnen, so Schwarz, rund 30 Mitarbeiter mit ihren Familien, um schnell reagieren zu können.

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Es sei ja in den vergangenen Jahren immer öfter zu Starkwetterereignissen gekommen. Hier müsse man reagieren. Darum gehe der Trend hin zum Erdkabel, das nicht so störungsanfällig ist wie Freileitungen. Störungen können vorkommen durch Blitzeinschläge, Hochwasser, Marderbiss im Trafohaus oder umgestürzte Bäume.

Bei Erdkabel-Ausbau müssen Haushalte mitspielen

In der Zukunft sei es wichtig, Synergie-Effekte zu nutzen, um den Erdstrom-Kabelausbau weiter voranzutreiben. Hierbei müssten natürlich die einzelnen Haushalte mitspielen.

Da man gemäß den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes auch in der Gemeinde Hohenfels Klimaneutralität bis 2040 erreichen will, wäre es wichtig, den Strom in der Zukunft aus dem eigenen Land beziehen zu können. Dies bedeutet, dass künftig mehr Photovoltaik-Anlagen (PV) in den Kommunen gebaut werden sollten.

Windenergie ist für Unternehmen keine Option

Jens Schwarz warnte hier aber deutlich vor den Angeboten für Solarparks von überregionalen Anbietern. Manchmal sei es so, dass die Kommune selbst an solchen Verträgen nichts verdiene. Bei anderen Angeboten (sogenannten Bürgersolaranlagen) sei es hingegen sogar so, dass die Einwohner Anteile an der Anlage haben könnten.

Hinsichtlich der Wind-Energie habe die Netze BW momentan kein Interesse daran, in unserer Region einen Windkraftpark zu bauen. Die Wirtschaftlichkeit solcher Parks sei nicht so, wie die Netze BW es sich vorstelle.

Gemeinderäte beschäftigt künftige Entwicklung

Die Gemeinderäte stellten den Vertretern der Netze BW viele Fragen, besonders bezüglich der zukünftigen Entwicklungen und der Energiewende. Günter Leute (BLH) wollte wissen: „Wie stellen Sie sich die Energiewende vor? Wo müssen wir hin? Was muss jeder einzelne tun?“

Woraufhin Jens Schwarz wieder auf die PV-Anlagen verwies und darauf, dass die Elektromobilität zunehmen müsse und wird. Er sagte: „Die Energiewende ist für uns, die Netze BW, extrem viel Aufwand. Aber wir müssen das auf uns nehmen.“

Sind die Möglichkeiten bald ausgeschöpft?

Rätin Daniela Jage (BLH) sagte hingegen: „Sie reden immer von Sonnenenergie. Aber wir in der Gemeinde Hohenfels generieren bereits sehr viel Strom über PV-Anlagen. Nun ist auch manchmal Winter und die Sonne scheint nicht immer. Windenergie wollen Sie nicht. Was haben wir denn dann überhaupt noch für Möglichkeiten?“

Hier verwies Stephan Einsiedler auf den Wasserstoff als Treibstoff. Wichtig sei es, große Speicher zu entwickeln für die Sonnenenergie oder diese in Wasserstoff umzuwandeln. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut liefen hier bereits Pilotprojekte.