„Heller. Wärmer. Gemeinsamer.“ – so umschreibt das Gemeindeteam knapp die Ziele der Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche. Die Kirche war zuletzt 1996 saniert worden. Handlungsbedarf gab es an verschiedenen Stellen. Nach anderthalb Jahren Bauzeit wird am 4. Dezember die Altarweihe mit Erzbischof Stephan Burger gefeiert.

Bild 1: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Für das Gemeindeteam sei wichtig gewesen, das liturgische Leben baulich in die Mitte zu bringen, indem sich die Menschen mehr um den Altar versammeln können, betonte Stephan Kessler. Als Architekt Gerhard Lallinger dazu kam, seien viele Ideen schon recht konkret gewesen. Beschlossen war, dass die sehr dominante Kreuzigungsgruppe entfernt werden würde. Für die künstlerische Gestaltung hatte es einen Wettbewerb gegeben. Susanna und Bernhard Lutzenberger aus Bad Wörishofen kamen mit dem Modell des Lichtkreuzes und ihr Konzept überzeugte die Jury sofort.

Bild 2: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Die obere Chorebene, die über der Unterkirche liegt und dadurch nicht verändert werden kann, ist jetzt durch die durchgängige Erweiterung der Stufenanlage mit der neuen unteren Zelebrationsebene fließend verbunden. Auf der achtstufigen Treppenanlage sind der Priestersitz und die Sedilien für bis zu 20 Ministranten angeordnet. Alternativ kann sie bei Konzerten als Aufstellungsfläche für die Konzertanten oder Chormitglieder genutzt werden.

Bild 3: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Aufgrund dieser Umgestaltung mussten auch Altar und Ambo („Lesepult“) neugestaltet werden. Sie wurden aus deutschem Naturstein gefertigt.

Der Heilige Oswald steht links auf der oberen Chorraumebene. Er schlägt den Bogen aus der Vergangenheit zum Außenraum und dem Turm der barocken Vorgängerkirche. Die Marienstatue ist wieder dort, wo sie früher einmal stand. Neu ist eine kleine Kapelle für die stille Andacht. Sie befindet sich am Ende des linken Ganges. An der Rückwand des Raumes sieht man ein modernes Marienbild.

Bild 4: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Die Bänke der ersten sechs Reihen wurden aufgefächert und nehmen so die Rundung der Altarebene auf. Es sind die alten Bänke aus wunderschönem Mahagoni-Holz. Alle Bänke wurden geschliffen und behandelt. Die Sitzauflagen aus Schaumstoff enthalten Heizelemente. „So lange der Schaumstoff nicht komprimiert wird, isoliert er, sobald man sich draufsetzt, wärmt er“, erklärte Gerhard Lallinger.

Bild 5: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung waren bisher problematisch. Die Folge waren die starke Vergrauung und Verschmutzung der Wände. Aufgrund des Stahlbetongerippes der Wand gab es an der Oberfläche Zonen unterschiedlicher Temperatur und Feuchte, an denen Staub und Kerzenruß unterschiedlich anhafteten. Eigentlich hätte man innen isolieren müssen, das wäre aber vom Denkmalamt nicht genehmigt worden, so Kessler. Nun versuche man, die Luftfeuchtigkeit konstant zu halten. „Die Fenster gehen bei Bedarf automatisch auf, die Grundtemperatur bleibt bei acht Grad.“ Dass es kaum noch Temperaturschwankungen gibt, tut auch der Orgel und den Kunstgegenständen gut.

Bild 6: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Auch die Akustik in der parabelförmigen Kirche stellte ein Problem dar: Worte waren zum Teil schwer verständlich und moderne Musik mit Schlagzeug oder Perkussion hätte nicht funktioniert. Mit der neuen Anlage wird sowohl Sprache klar übertragen als auch Musik. Schallschluckende Elemente an der Decke optimieren die Nachhallzeit. Die Beleuchtungstechnik musste ebenfalls ausgetauscht werden, da sie nicht mehr den aktuellen Bestimmungen entsprach. Jetzt eröffnet LED-Technik neue gestalterische Möglichkeiten. Außerdem wurden zwei Beamer fest installiert.

Bild 7: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Da Begegnungen auch im Umfeld des Gottesdienstes immer wichtiger würden, habe man nun die Oswaldkapelle in einen Gemeinschaftsraum umgewidmet. Er wird beheizt und mit entsprechendem Mobiliar ausgestattet, erläuterte Stephan Kessler.

In einer der rechten Arkaden war schon vor Jahren eine hölzerne Stützkonstruktion eingebaut worden, nachdem sich im Fensterbereich darüber große Risse gebildet hatten. Sämtliche Risse wurden berechnet und die Wand von außen stabilisiert. Schließlich wurden Putzschäden beseitigt und die gesamte Kirche mit Unterkirche, Treppenhaus und Fluren im Farbkonzept der 1990er Jahre gestrichen. Außerdem wurde die Toilettenanlage erneuert.

Bild 8: Renovierung und Neugestaltung der St. Oswald Kirche Stockach: St. Oswald erstrahlt in neuem Glanz

Am Ende der Renovation wird die Schutzhülle der Orgel entfernt und die komplette Orgel einer Kontrolle auf Schimmel- oder Holzwurmbefall sowie einer Reinigung unterzogen. Sämtliche Pfeifen werden ausgebaut und gereinigt, defekte Pfeifen instandgesetzt, eingebaut, nachintoniert und gestimmt. Die Mechanik wird wieder eingestellt. Hinzu kommt eine elektronische Setzeranlage, die Register computergesteuert zieht. Etwa zwölf Wochen werden diese Arbeiten dauern, schätzten Lallinger und Kessler. Zur Altarweihe wird sie also noch nicht im Einsatz sein.

Dann soll aber der Vorplatz fertig sein. Hier werden drei Bäume, gestiftet von der Bürgerstiftung Stockach, gepflanzt und eine neue Sitzgelegenheit geschaffen. Dafür werden die Steinbänke, auf denen bisher die Ministranten im oberen Chorraum der Kirche saßen, genutzt.

Die Stützmauer vom Vorplatz und die große Treppe sowie der barrierefreie Zugang zur Unterkirche werden im Frühjahr realisiert.

Imposante Zahlen

Baustart war am 7. Juni 2021. Etwa 20 Firmen aus der näheren Umgebung arbeiteten zusammen. Der Umgang und die Zusammenarbeit seien sehr gut gewesen, lobt Architekt Gerhard Lallinger, der 2019 in die Planung einstieg. Die Kosten betragen 2,7 Millionen für den Innenausbau, 400.000 Euro für den Außenbereich, der noch nicht fertiggestellt ist. Damit sei man im Innenbereich im Kostenrahmen geblieben. Finanziert wird die Sanierung aus Eigenmitteln, Krediten, Steuergeldern, Zuschüssen sowie Spenden.

Allein an den Kircheninnenwänden ohne Flure, Gänge und Kapelle wurden 1430 Quadratmeter Fläche gestrichen. Die hohe Decke umfasst 1090 Quadratmeter, der Seitengang 220 Quadratmeter. In Unterkirche, Treppenhaus und den übrigen Bereichen kommen 1800 Quadratmeter gestrichene Wandfläche zusammen. (wig)