Diese Nachricht wird alle gefreut haben, die mit Auto, Bus oder Lastwagen durch den Stockacher Ortsteil Zizenhausen fahren: Die Bundesstraße 313 ist sei Freitagabend wieder offen, die Baustelle kurz vor Weihnachten beinahe beendet. Für Radfahrer ist der Weg von Stockach nach Norden nun deutlich sicherer geworden. Am regelmäßig kritisierten südlichen Ortseingang von Zizenhausen haben sie nun einen breiten Radweg zur Verfügung. Und beim Überqueren der stark befahrenen Straße, auf der viele schwere Lastwagen unterwegs sind, hilft nun eine Mittelinsel.

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Seit Juni war die südliche Ortseinfahrt von Zizenhausen gesperrt, weil das 200 Meter lange Stück Radweg und noch einiges mehr gebaut wurde (siehe Text unten). Und schon zuvor wurde die Straße zwischen Zizenhausen und Kreisgrenze abschnittsweise saniert, die Umleitungen führten jeweils weiträumig um den Ort herum. Für die Gewerbetreibenden im Ort wurde es da höchste Zeit, dass der Durchgangsverkehr wieder durch den Ortskern fließen kann. Das berichten Metzger Günther Matt und Uschi Sernatinger von der Bäckerei Sernatinger übereinstimmend.

Weiter ortseinwärts hilft nun eine Verkehrsinsel beim Überqueren der Straße.
Weiter ortseinwärts hilft nun eine Verkehrsinsel beim Überqueren der Straße. | Bild: Freißmann, Stephan

Für Metzger und Bäcker sind die Fahrer entscheidende Umsatzbringer. Beide, Matt wie Sernatinger, sind daher froh, dass die Straße nun wieder offen ist. Doch sie lassen auch durchblicken, dass sie mit der langen Sperrung nicht glücklich waren. Für die Länge der Sperrung habe sie kein Verständnis, sagt Uschi Sernatinger. Und: „Das erste Auto am Freitagabend war Musik für meine Ohren.“ Nun sind die Geschäfte in Zizenhausen wieder direkt erreichbar.

Mehrere Wochen Verzögerung wegen Teerfunden im Untergrund

Dabei war geplant, die Baustelle am Ortseingang bis spätestens in der ersten Novemberhälfte beendet zu haben – so stand es auf den Umleitungsschildern. Vor allem der Fund von Teer habe zu der Verzögerung von mehreren Wochen geführt, wie die Neubauleitung Singen beim Regierungspräsidium Freiburg, die für die Baustelle zuständig ist, Ende Oktober bekannt gab. Teer gilt als krebserregend und muss als Altlast entsorgt werden, im Straßenbau kommt er lange nicht mehr zum Einsatz. „In solchen Verzögerungen steckt man nicht drin“, sagt Ortsvorsteher Michael Junginger: „Man weiß nicht, was zum Vorschein kommt, wenn man aufmacht.“

Der auskragende Gehweg auf der Fluss-Seite der Bundesstraße. Zur Zizenhausener Aach hin musste die Straße aufwendig abgestützt werden. Auch das machte die Bauarbeiten kompliziert.
Der auskragende Gehweg auf der Fluss-Seite der Bundesstraße. Zur Zizenhausener Aach hin musste die Straße aufwendig abgestützt werden. Auch das machte die Bauarbeiten kompliziert. | Bild: Freißmann, Stephan

Die Altlasten haben aber nicht nur zu einer Verzögerung geführt, sondern auch zu einer Kostensteigerung – und offenbar zu Diskussionen zwischen den Behörden. Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz beziffert die Mehrkosten für die Entsorgung der Altlasten auf Nachfrage mit 200.000 Euro, 50.000 Euro seien angefallen, um das entsorgte Material beim Bau zu ersetzen. Laut Matthias Henrich, stellvertretender Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg (RP), ist eine Steigerung von etwa zehn Prozent auf 2,1 Millionen Euro im normalen Rahmen. Diese werde zwischen Stadt und RP aufgeteilt. Stolz schreibt, es sei noch offen, wie viel die Stadt tragen müsse: nach Meinung von Bund und Land alles, nach seiner eigenen Meinung nichts.

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Trotzdem äußern sich RP und Ortsvorsteher Junginger zufrieden mit dem Ergebnis. Und Junginger gibt zu bedenken, dass eine deutlich längere Verzögerung gedroht hätte, wenn die Baustelle jetzt nicht fertig geworden wäre. Denn die Asphaltmischwerke würden im Winter wegen der Kälte in der Regel für längere Zeit nicht arbeiten.