Das Nellenburg-Gymnasium zeichnet sich auch dadurch aus, dass neben dem regulären Unterricht viele unterschiedliche Arbeitsgemeinschaften (AGs) angeboten werden. Die jüngste AG ist die Informatik-AG. Sie wurde zu Beginn dieses Schuljahres von Lehrer Jens Damaske ins Leben gerufen und lebt von der Kooperation der Schule mit der ortsansässigen Firma Nissen & Velten. Deren Mitarbeiter Andreas Gebert und sechs Schüler der Klassen 10a und 10c sind aktuell dabei.

Einmal im Monat treffen sie sich nachmittags im Technikraum und bauen Roboter mit Fischer Technik. „Dazu schreiben wir Programme. Dabei helfen uns auch Grundkenntnisse aus Mathe und Physik, zum Beispiel über Funktionen“, erklärt Jonas Wegis. Zu ihrer Motivation sagen die Jugendlichen, sie wollten wissen, was Informatik überhaupt ist. Inzwischen wird das Fach in der achten Klassenstufe unterrichtet.

Der studierte Informatiker Jens Damaske ist seit einem Jahr an der Schule und erarbeitet mit den Jungen die nötigen Formeln. Gerade beschäftigt sie das Thema Regelungstechnik. „Es geht um einen Temperaturregler, eine Heizung mit Klimaanlage. Erst haben wir die Hardware gebaut, dann den Temperaturbereich definiert, der gehalten werden soll. Jetzt programmieren wir, wann die Anlage heizen oder kühlen soll“, beschreibt Raphael Rothmund.

Das Ganze wird vereinfacht umgesetzt, eine Programmiersprache zu erlernen sei zu zeitintensiv, so Damaske. Jeder Schüler versucht es erst allein, dann zusammen, bevor der Lehrer hilft.

Jedes Mal behandeln Jens Damaske und Andreas Gebert ein anderes Thema. Dabei werden grundlegende Konzepte vermittelt. Bei der Kooperation kommt die fachliche Seite von beiden, die didaktische lernt Gebert mit. „Diese Arbeit hier ist auch mein Hobby. Ich habe den gleichen Baukasten zuhause“, gesteht er lachend. Sie halten sich an die Vorlage von Fischer Technik, die 14 verschiedene Module enthält.

Ein Roboter soll mittels Kamera Hindernisse erkennen

„Als letztes konstruieren wir einen Fußballroboter, der mit einer eingebauten Kamera einen Ball erkennt, auf diesen zufährt und mit dem Schussmechanismus versucht, ihn ins Tor zu schießen“, verrät Andreas Gebert. Die Grundlage bilden Räder und Motoren mit einem Element, das herumfahren kann. In mehreren Schritten wird es so programmiert, dass es Hindernisse umfahren und anhand der Kamera Linien folgen kann. Danach wird es zum Fußballroboter.

Jens Damaske möchte bei den Schülern die Freude an der Informatik wecken und fördern. Leider gebe es so gut wie keine Informatik-Lehrkräfte auf dem Markt, merkt er an. „Und die, die es geben könnte, gehen in die freie Wirtschaft, weil sie da mehr verdienen.“

Was verspricht sich das Software-Unternehmen von der Kooperation mit dem Gymnasium? Rainer Hill, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sagt: „Wir wollen die Informatik am Nellenburg-Gymnasium stärken. Wir wollen die, die begeistert sind, fördern und die ohne Berührungspunkte zur Informatik hinzuführen.“

Der Arbeitsmarkt sei derzeit katastrophal. Große Unternehmen holten viele Informatiker direkt von den Universitäten. Dass sich aufgrund dieser AG Schüler für ein Informatik-Studium entscheiden und womöglich irgendwann zu ihrer Firma stoßen könnten, sei natürlich eine tolle Idee, aber vielleicht noch zu weit in die Zukunft gedacht, so Hill. Aber sie wollten durch ihre Mitarbeit auf jeden Fall den Stellenwert des Fachs stärken.

 

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