Fridays-for-Future-Demonstrationen, bundesweit erfolgreiche Grüne: Die Themen Klima und Umweltschutz bestimmen unsere Gesellschaft sowie die Politik. Auch die Freie Waldorfschule in Wahlwies möchte etwas tun. In einer privaten Initiative fanden sich deshalb Eltern, Schüler, Lehrer und der Hausmeister zu einem neu gegründeten Klimarat zusammen. „Wir verfolgen das langfristige Ziel, eine klimaneutrale Schule zu haben“, sagt der Elternbeiratsvorsitzende Peter Steidle. Gemeinsam entwickelt der Klimarat Ideen – wie jüngst zum Beispiel die Aktion der autofreien Schultage in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien.

Bus und Bahn als Alternative

An drei Tagen sollte an der Waldorfschule für den Schulweg auf das Auto verzichtet werden. „Mit der Aktion wollen wir Alternativen aufzeigen und Argumente sammeln, wo öffentliche Verkehrsmittel nicht gut funktionieren“, erklärt Steidle. Vertretern des Verkehrsverbunds Hegau-Bodensee und der Seehäsle-Betreiberin SWEG habe man diese vorgestellt. „Das Seehäsle ist eine gute Anbindung, sollte aber durchgehend halbstündig fahren“, meint Steidle. Damit Schüler langfristig auf Bus oder Bahn umsteigen, müsse der ÖPNV attraktiver und flexibler werden.

„Fast alle machen bei den autofreien Schultagen mit. Wenn aber jemand mit Bus oder Bahn drei Stunden bräuchte, ist das verständlicherweise schwierig“, sagt der 16-jährige Schüler Mario-Noah Fischer. Er selbst kommt aus Wahlwies und hat deshalb nur einen kurzen Schulweg.
„Fast alle machen bei den autofreien Schultagen mit. Wenn aber jemand mit Bus oder Bahn drei Stunden bräuchte, ist das verständlicherweise schwierig“, sagt der 16-jährige Schüler Mario-Noah Fischer. Er selbst kommt aus Wahlwies und hat deshalb nur einen kurzen Schulweg. | Bild: Singler, Julian

Pflicht sei die Teilnahme an den autofreien Schultagen nicht gewesen, so Peter Steidle. Jeder aber hätte sich ihm zufolge daran beteiligen können – egal, ob Schüler oder Lehrer. Auch Thorsten Heier, Geschäftsführer der Wahlwieser Waldorfschule, machte mit. Von seinem Wohnort in der Nähe von Pfullendorf aus fuhr er zwar zunächst bis Kalkofen mit dem Auto, von dort ging es aber mit dem Bus und ab Stockach mit dem Seehäsle weiter. „Die Aktion kommt bis auf ein paar Ausnahmen bei allen gut an. Für drei Tage geht das gut, aber im Winter beispielsweise ist es eine größere Herausforderung“, sagt Thorsten Heier.

Info-Programm zum Thema Umweltschutz

Am Mittwoch gab es auf dem Schulgelände und in Klassenzimmern ein Info-Programm rund um das Thema Umweltschutz. Nicht nur verschiedene Workshops und Vorträge wurden angeboten. Bei einer Fahrradwerkstatt oder Diskussionsrunden beteiligten sich die Schüler auch direkt an Aktionen. So wie Jule, Anton und Julia. Sie alle kommen aus Wahlwies und gehen in die Waldorfschule – während der drei autofreien Schultage, aber auch sonst, mit dem Fahrrad. „Wir bereiten eine Gemüsesuppe aus Foodsharing-Produkten zu und schneiden gerade die Karotten dafür klein“, berichtet Julia. Am Abend werde mit allen gemeinsam gegessen. Einen Salat gebe es dann auch noch. Peter Steidle von der Elterninitiative berichtet, dass diejenigen, die nach dem Essen nicht mehr nach Hause kämen, bei der Schule auf einer Wiese zelten könnten – „ein schöner Abschluss eines langen Tages“, ist er sicher.

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Alle Lebensmittel für das gemeinsame Essen kamen von der Initiative Foodsharing. Ingrid Oesterle brachte sie mit. An einem Stand verteilte die Botschafterin außerdem kostenlos Backwaren und Gemüse. „Wir versuchen, Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten. Foodsharing ist aus dem Containern heraus entstanden und von Studenten ins Leben gerufen worden“, berichtet sie. Das Konzept habe in weiten Teilen der Gesellschaft einen schlechten Ruf. Nach Meinung von Ingrid Oesterle zu Unrecht: „Beim Foodsharing gibt es strenge Regelungen. Die Lebensmittel werden immer wieder von Kontrolleuren überwacht.“ Hygiene sei der Initiative wichtig.

Viele Lebensmittel landen im Müll

Oesterle ist als Betriebsverantwortliche dafür zuständig, Unternehmen zu einer Kooperation zu bewegen. Manche Lebensmittel stammen von kleineren und größeren Betrieben. „Von zehn machen allerhöchstens fünf mit. Die meisten haben Angst um ihren Ruf. Vieles landet dann einfach im Müll“, sagt sie. Privatpersonen könnten ebenfalls helfen. In sogenannte Fair-Teiler, öffentlich zugängliche Schränke oder Regale, können Osterle zufolge bestimmte Lebensmittel eingelegt und entnommen werden. In Radolfzell und Singen gebe es jeweils zwei davon, in Wahlwies einen. Stockach dagegen habe keinen.

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Zum Programm auf dem Schulgelände trugen auch Fridays-for-Future-Demonstranten aus Konstanz und Radolfzell bei. „Wir sind die letzte Generation, die der Klimakrise entgegenwirken kann. Dafür wollen wir kämpfen und einstehen“, sagt Marcel-Raphael Fischer, einer der Sprecher und Organisatoren. Zusammen mit drei Mitstreitern kam er am Mittwoch nach Wahlwies.