Es war ein Schock für Jürgen Rinker, als er das Schreiben las. Bis zum 31. Dezember muss der Dauercamper seinen Platz auf dem Campingplatz Papiermühle in Stockach räumen. Der Grund hierfür sind Umstrukturierungen der Auer-Gruppe, der das Areal gehört. „Der Campingplatz Papiermühle wird aber nicht geschlossen“, macht Geschäftsführer Karl-Heinz Auer im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich. Dennoch stehen für die angrenzende Firma Caramobil, die seit April 2018 zur Auer-Gruppe gehört, unverzichtbare Erweiterungsarbeiten ins Hause. „Wir werden für die kommende Saison zwei neue Anbieter in unser Portfolio aufnehmen und benötigen deswegen dringend den Platz um unsere Ausstellung zu vergrößern“, so Auer weiter. Dies bedeute, dass die derzeitigen Stellplätze im Reisemobilhafen für Wohnmobile auf den Campingplatz verlegt werden, wofür Umbaumaßnahmen im vorderen Bereich des Platzes anstehen.

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Laut Karl-Heinz Auer verfüge der Campingplatz aktuell über rund 80 Plätze. Etwa die Hälfte davon befinden sich auf dem Areal von Caramobil. Dies solle sich im kommenden Jahr ändern. Die jetzigen Stellplätze werden in den Campingplatz integriert. „Plätze für Dauercamper wird es deshalb nicht mehr geben“, so Auer weiter. Auch das Pachtverhältnis mit der Pächterfamilie Bolz wurde laut dem Eigentümer in einer einvernehmlichen Mietauflösung zum Ende des Jahres beendet. Zur Situation wollte sich die Pächterfamilie trotz Nachfrage des SÜDKURIER nicht äußern.

Rund 30 Dauercamper betroffen

Dass es fortan keinen Platz mehr in der Papiermühle für Dauercamper geben werde, bestätigt auch Jürgen Rinker: „Alle müssen von hier weg, ebenso ihre Bauten, Wohnwagen und Zelte“, sagt er. Im Gespräch zeigt sich der Dauercamper, der seit vier Jahren Gast in Stockach ist, enttäuscht über die Art und Weise der Kündigung: „Wir wissen noch nicht einmal den Grund. Viele von uns haben erst kürzlich viel Geld in ihre Parzellen investiert und nun müssen wir alles abbauen.“ Von jetzt auf nachher haben die Dauercamper die Nachricht vom Platzwart übermittelt bekommen. „Wer nicht anwesend war, hat Post erhalten“, so Rinker weiter.

Direkt an den Campingplatz Papiermühle grenzt die Firma Caramobil, die seit 2018 zur Auer-Gruppe zählt, an. Sie braucht ab der kommenden Saison mehr Ausstellungsfläche.
Direkt an den Campingplatz Papiermühle grenzt die Firma Caramobil, die seit 2018 zur Auer-Gruppe zählt, an. Sie braucht ab der kommenden Saison mehr Ausstellungsfläche. | Bild: Matthias Güntert

Er hege wenig Hoffnung, auch in Zukunft am Bodensee Dauergast zu sein, da es kaum mehr freie Plätze in der Region für Dauercamper gebe. Ihm tue diese Entwicklung leid, denn er war gerne Gast in Stockach und der Umgebung. Viele Dauercamper, die die Leidenschaft Rinkers für den Bodensee und die Region teilen, seien seit der Eröffnung der Papiermühle da. Er schätze ihre Anzahl auf knapp 30 Menschen samt ihren Familien.

Dauercampen machen mobil

Die Dauercamper machen nun gegen die Schließung des Platzes und die ausgesprochene Kündigung mobil, wie Rinker sagt: So sei eine Unterschriftenaktion zum Erhalt des Campingangebotes in der Papiermühle bereits ins Leben gerufen worden. Zudem fordern die Dauercamper den Besitzer des Areals zu einem klärenden Gespräch auf. „Im Moment wissen wir gar nichts, außer, dass es Bußgelder geben könnte, sollten wir unsere Plätze nicht bis zum 31. Dezember geräumt haben“, so Jürgen Rinker weiter.

Der Reisemobilhafen liegt 150 Meter vom eigentlichen Campingplatz Papiermühle entfernt und steht auf dem hinteren Areal der Firma Caramobil. Dieser Bereich wird ab 2020 benötigt.
Der Reisemobilhafen liegt 150 Meter vom eigentlichen Campingplatz Papiermühle entfernt und steht auf dem hinteren Areal der Firma Caramobil. Dieser Bereich wird ab 2020 benötigt. | Bild: Matthias Güntert

Wie Karl-Heinz Auer zugibt, habe er sich mit dieser weitreichenden Entscheidung schwer getan. Natürlich verstehe er die Enttäuschung der Dauercamper, aber er müsse in dieser Sache als Geschäftsführer wirtschaftlich denken. „Wir brauchen den Platz auch für Kunden, die hier übernachten müssen, während ihre Wohnmobile repariert werden“, sagt er. Zudem müsse die Ausstellung jedes Jahr neu belebt werden. Marcel Auer von der Auer-Gruppe ergänzt: „Unsere Kunden kommen aus ganz Deutschland, wir haben einen riesigen Einzugsbereich, deswegen brauchen wir die Möglichkeiten zum Übernachten, wenn die Arbeiten länger dauern.“

Platz soll automatisiert werden

Ohnehin steht die Papiermühle vor Veränderungen – auch in baulicher Hinsicht: Laut Karl-Heinz Auer sehen die Planungen einen automatisierten Platz vor. Er könne sich vorstellen, dass die Zufahrt erweitert und vergrößert werde, da die Fahrzeuge immer größer werden. Zutaten für ein Frühstück könnten die Übernachtungsgäste künftig im angrenzenden Caramobil-Shop erstehen. Tagesstellplätze solle es weiterhin geben – nicht nur für Kunden von Caramobil, betont Auer. Die Anzahl an Plätzen solle mit 70 Stück in etwa gleich bleiben – 30 Wohnmobilstellplätze und 30 Plätze für Wohnwagen.