Tage und Wochen des Abschieds lagen schon hinter Rektorin Susanne Eich-Zimmermann, bevor ihr am letzten Schultag in feierlichem Rahmen ihre offizielle Verabschiedung in den Ruhestand von Schulamtsdirektor Victor Schellinger überreicht wurde. Trotzdem ahnte sie selbst und alle ihre Wegbegleiter, dass nach vierzig Jahren Schuldienst auch ein emotionaler Abschied folgen würde. So lagen Taschentücher bereit und manches Mal stockte die Veranstaltung, weil Tränen flossen.

„Leben muss man das Leben vorwärts, verstehen allerdings kann man das Leben nur rückwärts“, befand der Dichter Søren Kierkegaard und lieferte damit das Motto der Verabschiedung. Die Sätze: „Sie hinterlässt große Spuren“, „Sie hat die Schule Steißlingen geprägt“ und „Sie wird uns fehlen“ hörte man an diesem Abend immer wieder. Am liebsten wäre es Susanne Eich-Zimmermann wohl gewesen, wenn nach den gemeinsamen Dankesworten mit ihrem Nachfolger Alexander Bitter nur kurze Grußworte gefolgt wären. Doch die Menschen ließen es sich nicht nehmen, ihrerseits Danke zu sagen. 

Und es gab viel zu sagen. Das machte Victor Schellinger eindrücklich klar, indem er gleich zwei Akten hochhielt und betonte: „Normalerweise gibt es nur eine dünne Personalakte.“ Er zitierte aus den Akten und hob wie seine Nachredner hervor, dass es der Rektorin stets gelungen sei, nicht nur rein sachliche Themen zu erörtern, sondern dass sie immer auch die Menschen wahrgenommen habe. Das Thema ihres Staatsexamens sei ebenfalls richtungsweisend, darin geht es um die Wirkung von schulischen Festvorhaben.

Feste feierte Susanne Eich-Zimmermann viele. Als Lehrerin führte sie Regie bei unzähligen Theateraufführungen. Als Rektorin kamen auch Spatenstiche, Richtfeste und Einweihungen dazu. Ein großer Meilenstein ihres beruflichen Wirkens war die Eröffnung der Gemeinschaftsschule in Steißlingen. Schon zuvor war die Zusammenarbeit mit dem Schulträger eng, doch sei durch diese Planungen und deren Verwirklichung die Schule zu „unserer Schule geworden“, erinnerte sich Bürgermeister Artur Ostermaier. Aus der engen Zusammenarbeit mit Verwaltung und Gemeinderat habe sich auch manche Freundschaft ergeben, freute sich Susanne Eich-Zimmermann. Zugleich dankte sie auch für die gute Zusammenarbeit mit Vereinen und anderen am Schulleben beteiligten Partnern.

Die Schüler standen stets im Mittelpunkt des Handelns der Rektorin, wie Alexander Bitter erzählte. Jede Klasse hatte ihren ganz privaten Moment mit ihr. Da war ein Frühstück am See ebenso dabei wie Brot backen im Museum oder Präsentationen bei einem Ausflug in den Wildpark. „Ich habe das beste Kollegium“, betonte Eich-Zimmermann immer wieder. Dieses beste Kollegium hat mit den Schülern eine CD voller Musik und ein Album voller Erinnerungen zusammengestellt und sang von Herzen „Weine nicht, wenn der Vorhang fällt“ , denn „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Freundschaft nicht“.

Vor allem dankte Susanne Eich-Zimmermann beim Abschied ihrer Familie. Ihre beiden Söhne, ihr Mann und ihr Enkel stärkten ihr auch an diesem Abend den Rücken und brachten sie zum Lächeln. Geschenke gab es viele und manche für ihre geheime „Wellnessoase“. Hier kann sie entspannen und sich von den geplanten Reisen erholen. Denn selbst für den Ruhestand hat sie viele Pläne und klare Strukturen. Ihr Geschenk für die Anwesenden war die Party danach. Bis in die Morgenstunden wurde mit der Band „sixty6“ und einem tollen Buffet gefeiert. Da gab es noch manchen persönlichen emotionalen Abschied und viele fröhliche Erinnerungen.

Zur Person

Susanne Eich-Zimmermann war fast zwanzig Jahre in Steißlingen Rektorin. Davor sammelte sie bereits sechs Jahre Erfahrung als Schulleiterin in Überlingen am Ried. Die Steißlinger Schule war unter ihrer Leitung eine der ersten verlässlichen Grundschulen des Landkreises. Sie stellte die Weichen für Inklusion, die Steißlinger Schule arbeitet seit über zehn Jahren mit der Sprachheilschule Sonnenlandschule zusammen. 2012 wagte Steißlingen als Starterschule den Schritt zur Gemeinschaftsschule. Dank Susanne Eich-Zimmermann hatte die Schule ein solch überzeugendes Konzept, dass das Kultusministerium vieles davon übernahm. Ihr gelang es, das Kollegium und viele Partner ebenso einzubinden wie den Schulträger. Dabei gab es keine harten Reformbrüche, sondern eine stete Weiterentwicklung zum Wohl der Schüler. (sch)