Während auf der Cano-Großbaustelle aktuell alle Arbeiten ruhen, herrscht rundherum rege Betriebsamkeit an Singens Bahnhofvorplatz, wo nicht nur der neue Busbahnhof entsteht, sondern auch der Ausbau am Eckhaus von August-Ruf- und Bahnhofstraße läuft. Überdies wurde jetzt die Kunst für die Kreisel fertiggestellt.

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Dass es dabei zu interessanten Arbeitsschritten kommen musste, war Christoph Bauer als zuständiger Leiter des städtischen Kunstmuseums, schon im Vorfeld klar: Der erste Teil des Skulpturen-Duos Turm VI und Turm VII des Mosbacher Künstlers Werner Pokorny musste vom bisherigen Standort vor der Hauptpost zum vorgesehenen Standplatz inmitten des weiter östlich gelegenen Cano-Kreisels umziehen. „Wir mussten den ersten Teil dort zwischenlagern, bis der zweite Kreisverkehr fertiggestellt war“, erklärt Bauer auf Nachfrage des SÜDKURIER.

Museumsleiter Chrisoph Bauer und Künstler Werner Pokorny (v.l.) überwachten die Arbeiten an der Bahnhofstraße.
Museumsleiter Chrisoph Bauer und Künstler Werner Pokorny (v.l.) überwachten die Arbeiten an der Bahnhofstraße. | Bild: Tesche, Sabine

Jetzt aber steht das richtige Kunstwerk auf dem richtigen Kreisel, nachdem die Kunstwerke ausgetauscht wurden. Mitarbeiter von Singens technischen Betrieben sorgten unter der aufmerksamen Aufsicht des Künstlers Werner Pokorny zunächst für den Umzug der Skulptur vor der Post Richtung Cano-Vorplatz, bevor mit einer zwei Zentimeter dicken Bodenplatte aus Stahl das Fundament für das zweite Kunstwerk geschaffen wurde. „Zuletzt soll das zweiteilige Kunstwerk auch noch angeleuchtet werden“, kündigt Michael Spreitzer von den Technischen Betrieben der Stadt an. Überdies werde eine Blumenwiese rund um die Cortenstahl-Skulpturen angelegt.

Die beiden Teile des Kunstwerks bestehen aus jeweils vier Einzelstücken, von denen jedes rund anderthalb Tonnen wiegt – insgesamt wurden also mit beiden Türmen rund sechs Tonnen Material bewegt. „Dass nun auch noch die Blumenwiese dazu kommt, freut mich“, betonte Pokorny am Rande der Arbeiten, die von einer großen Anzahl an Zuschauern vor Ort verfolgt wurden.

Zwei Türme auf einen Blick: Das abgebaute Kunstwerk wartet auf den Transport zum östlichen Kreisel.
Zwei Türme auf einen Blick: Das abgebaute Kunstwerk wartet auf den Transport zum östlichen Kreisel. | Bild: Tesche, Sabine

„Ein weiterer Meilenstein in der Neugestaltung dieses wichtigen Innenstadtplatzes kann damit Realität werden“, sagt Bauer im blick auf die zwei Türme als Signal für die Entwicklung der als Arbeiterstadt groß gewordenen Siedlung zum kulturellen Mittelpunkt des Hegaus: Mit dem Cano-Neubau und der Errichtung des neuen Busbahnhofs profiliere sich die Stadt Singen nicht nur als zentrale Handels- und Einkaufsstadt, sondern mit der Aufstellung der beiden aufeinander bezogenen Turm-Plastiken darüber hinaus als moderne Kunst- und Kulturstadt. „Bei den beiden sechs Meter hohen Plastiken aus Cortenstahl hat der Bildhauer mehrere stilisierte Hausformen spielerisch zu aufragenden Türmen übereinander gestapelt“, erklärt der Kunsthistoriker Bauer.

Sowohl in der Gesamt-, als auch in den Einzelformen beziehe sich Pokorny bewusst auf den urbanen Standort. Schon als vor rund einem Jahr der erste Turm aufgestellt wurde, begann schnell die Diskussion um Sinn und Wert von Kunst im öffentlichen Raum im allgemeinen und der Pokorny-Skulptur im besonderen. Die neun Meter hoch aufgestapelten Cortenstahl-Bauklötze gefallen nicht jedem, sollen aber künftig Anfang und Ende des neuen Bahnhofsvorplatzes deutlich machen. 200 000 Euro hat die Stadt investiert, um das doppelte Werk des Bildhauers zu erwerben, nachdem Pokorny den Sieg im dazu veranstalteten Wettbewerb gewonnen hatte. „Sein Spiel mit den Formen hat die Jury aus Ratsmitgliedern, Stadtverwaltung, Bau- und Kunstsachverständigen überzeugt“, erinnert sich Singens Kunstexperte und Museumsleiter Christoph Bauer. Der modulare Aufbau nehme die kreisförmige Bewegung des Verkehrs auf und schaffe so den Bezug zum Kreisel – erläutert er.

Zwei Türme für Singens neuen Busbahnhof: Pokorny-Skulpturen auf den Kreiseln aufgestellt.
Zwei Türme für Singens neuen Busbahnhof: Pokorny-Skulpturen auf den Kreiseln aufgestellt. | Bild: Tesche, Sabine

Dass die kleinen Stahlhäuschen zum Beitrag gegen die Wohnungsnot in der Stadt werden, darf getrost bezweifelt werden. Als Symbol müssen sie sich erst noch bewähren, aber am Ende könnte es den neuen Kunstwerken gehen, wie dem Hauserbrunnen: Einst heftig diskutiert – und heute kann sich kaum noch einer die Singener Fußgängerzone ohne die Edelstahlstele vorstellen. Längst ist sie zum Treffpunkt in der Stadtmitte geworden. Eine gute Nachricht gibt es auch für Autofahrer: Der neue Busbahnhof soll voraussichtlich Mitte November fertiggestellt werden, wie Pressesprecher Achim Eickhoff ankündigt. Dann wird die Bahnhofstraße nach langer Bauzeit wieder in beiden Richtungen befahrbar sein und die Einbahnregelung wird aufgehoben.

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