Wenn Eltern bislang ihr Kind für eine Singener Kita angemeldet haben, haben sie erst nach Wochen eine Rückmeldung erhalten und konnten diese dann teilweise nicht nachvollziehen. So beschreibt Leonie Braun als Abteilungsleiterin für Kindertagesbetreuung der Stadt die bisherige Situation. „Eigentlich sollten wir gar nicht auswählen müssen“, erklärt sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Aber: „Wir haben hier eine Mangelverwaltung und immer einen Ticken zu wenig Plätze.“ Bislang habe das dazu geführt, dass gerade Kinder, die älter als drei Jahre sind, bis zu zwei Jahre warten mussten, wenn ihre Eltern nicht oder in Teilzeit arbeiten. Denn es waren immer jüngere Kinder mit Vollzeit-beschäftigten Eltern auf der Warteliste, erklärt Braun. Das ist einer der Punkte, der sich mit einer Umstellung des gesamten Systems ändern soll. Die Stadt erhofft sich nichts weniger als mehr Gerechtigkeit.

Vergabe soll künftig zentraler sein

Die Kita-Plätze für das nächste Betreuungsjahr ab September sollen zentraler vergeben werden. Nachdem die Kitas im Januar gemeldet haben, wie viele Plätze zum September frei werden, wird die Stadtverwaltung im Februar eine Liste mit den Kindern erstellen, welche diese Plätze erhalten sollen. So sieht es das neue Konzept vor, das Leonie Braun im Ausschuss für Familien, Soziales und Ordnung vorgestellt hat. Zwischenzeitlich hat dem auch der Gemeinderat mit zwei Gegenstimmen zugestimmt.

Das bedeutet für Eltern vor allem eine große Änderung: es gilt nun eine Frist, bis zu der Kinder über das Portal Little Bird angemeldet sein müssen: Bis 31. Januar müssen Anmeldungen fürs Kitajahr ab September vorliegen. Bis zu fünf Vormerkungen sind möglich. Zwei bis drei Werktage nach der Anmeldung sollen die Eltern eine Rückmeldung erhalten, dass sie auf der Vergabeliste stehen. Wenige Wochen später soll dann klar sein, welche Kita das Kind besuchen kann. Die Kita-Leitungen nehmen Kontakt zu Eltern auf und besprechen etwa die Eingewöhnung. Auch die rechtsverbindliche Reservierungszusage soll von der Kita ausgehen.

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Weniger Arbeit für die Kitas, mehr für die Stadt: 50-Prozent-Stelle nötig

Damit soll Einiges besser werden, was laut Leonie Braun in der Vergangenheit nicht gut gelaufen sei: Es gebe zwar trägerübergreifende Kriterien zur Platzvergabe, doch für Eltern sei das nicht transparent und für die Stadtverwaltung wenig zu beeinflussen gewesen. Leitungen hätten sich zudem schwer getan, allen Wünschen gerecht zu werden. Damit das in Zukunft besser gelingt, hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten ein neues Konzept erarbeitet. Damit sollen Plätze außerdem schneller wieder belegt werden, wenn ein Kind weggezogen ist.

Das neue Konzept entlastet Kita-Leitungen, bringe dafür aber mehr Aufwand für die Stadtverwaltung mit sich. Deshalb wird ab Januar eine 50-Prozent-Stelle eingerichtet, was jährliche Personalkosten von 26.100 Euro bedeutet.

Bei älteren Kindern ist das Alter entscheidend, nicht Berufstätigkeit

Was sich Eltern und ihre Kinder ändert, ist auch die Vergabepraxis: „Es ist nicht mehr die Berufstätigkeit maßgeblich für eine Platzvergabe“, erklärt Leonie Braun. Denn sie hätten leider Kinder, die zwei Jahre auf einen Kita-Platz warten – das sei zu lang und soll künftig nicht mehr so sein. Für Regelplätze und verlängerte Öffnungszeiten wird das Alter des Kindes zum Haupt-Kriterium. Anders sei es bei einer Betreuung unter drei Jahren sowie Ganztagesbetreuung, wo die Berufstätigkeit der Eltern ausschlaggebend sei.

Der Kita-Verantwortlichen ist aber wichtig, dass Singen auch künftig kein starres System haben will: „Da sollen keine Zahlen entscheiden, sondern der Bedarf der Familie.“ Deshalb werde man sich individuell die jeweilige Situation anschauen.

Es fehlen Personal und Plätze

Aktuell haben in Singen 27 Kinder unter drei Jahren keinen Kitaplatz, dazu kommen 60 über drei Jahren. Allerdings werden einige der älteren Kinder bald im Paulus-Kindergarten oder dem Kinderheim Peter und Paul betreut. Damit reduziert sich die Zahl der unversorgten Kinder über drei ab Frühjahr auf 16, wie Braun erklärt.

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Rechtlich dürfen Kinder nicht länger als sechs Monate auf einen Kita-Platz warten müssen. „Das schaffen wir momentan nicht immer“, räumt Leonie Braun ein. Die Stadt arbeite daran, ausreichend Plätze zur Verfügung zu stellen. Doch auch Personal ist ein Problem, momentan seien acht Stellen offen. „Es ist wirklich sehr schwer, diese Stellen nachzubesetzen“, erklärte Leonie Braun im Ausschuss.

Ab Januar geht es los

Nachdem vergangene Woche der Gemeinderat der neuen Vergabepraxis zugestimmt hat, geht es nun in die Umsetzung. Davor habe das Team Respekt, wie Leonie Braun berichtet: „Jetzt beginnt eine Pilotphase, in der wir alle üben müssen.“ Laut der Kita-Verantwortlichen sind die Träger bisher ebenso angetan wie die Eltern und Kita-Leitungen. Auch im Ausschuss äußerten sich viele Gemeinderäte positiv: Laut Regina Brütsch (SPD) sei das die einzig wirklich gerechte Vergabepraxis. Falls Eltern klagen, sei die Stadt der Ansprechpartner und müsse daher auch eingreifen können. Im Sommer werde man dann schauen, wie sich das neue Konzept bewährt hat.

Ausnahmen gebe es übrigens für besondere Konzepte: „Montessori und Waldorf brauchen Familien, die diesen Verein unterstützen wollen“, erklärt Braun. Beim Waldkindergarten bräuchte man außerdem Familien, die hinter dem Konzept stehen.

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