Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Doch wer hätte gedacht, dass man Ende August einen Wintermantel und Regenschirm braucht, um die Bürgergespräche des CDU-Bundestagskandidaten Andreas Jung im märchenhaften Garten von Manfred Siegwarth zu überstehen? Es hätte so eine lauschige Wahlkampfveranstaltung werden sollen. Die Nischen und Pavillons für persönliche Kandidatengespräche waren bereitet, die Grillwürste brutzelten auf den Mongolengrills, die Biere standen kalt.

„Ich will in jeder Gemeinde gewesen sein“

Der Wahlkampf ging am Sonntag, genau vier Wochen vor der Bundestagswahl, in die heiße Phase. Eigentlich wäre das auch das Sichelhenkenwochenende gewesen. Doch die fiel ja bekanntlich der Corona-Pandemie zum Opfer. Wahlkampf ist in diesem Sommer ein schweres Geschäft. Härter als in gewöhnlichen Jahren. Hallenveranstaltungen sind praktisch tabu. Deshalb setzt Andreas Jung mit seinen Geh-Sprächen auf Freiluft-Veranstaltungen. „Die werden gut angenommen“, sagt der Kandidat und erklärt noch einmal seinen Anspruch: „Ich will in jeder Gemeinde gewesen sein. Das bezieht sich auch auf die Teilorte.“

Dieser verregnete Sommer macht es ihm aber nicht leicht. Er beklagt sich nicht, schickt aber einen sorgenvoll Blick zu den düsteren Wolken. Denn gerade jetzt sollte es eigentlich nicht regnen, wenn Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nach Bohlingen kommt.

Eine Gruppe junger Deutsch-Studenten aus den USA zaubert Michael Kretschmer (ganz rechts) und dem CDU-Bundestagskandidaten Andreas Jung ein Lächeln ins Gesicht.
Eine Gruppe junger Deutsch-Studenten aus den USA zaubert Michael Kretschmer (ganz rechts) und dem CDU-Bundestagskandidaten Andreas Jung ein Lächeln ins Gesicht. | Bild: Trautmann, Gudrun

Geduldig warten die Besucher unter Schirmen und Zeltdächern auf den prominenten Gast. Der Himmel hält sich nicht an Jungs Stoßgebete. Als reiche das Stimmungstief der CDU in den jüngsten Umfragen nicht aus, beginnt es schon wieder zu regnen. Die ersten Tropfen fallen, als Michael Kretschmer aus dem Auto steigt.

1990 ging es von Bohlingen nach Görlitz: Basis für eine dauerhafte Freundschaft

Der Empfang ist herzlich. Ganz vorne steht Anton Auer. Der ehemalige CDU-Kreisvorsitzende war 1990 als Aufbauhelfer in Görlitz. Kretschmer war damals gerade mal 14 Jahre alt und in der Jungen Union. Ein Vierteljahr in dem neuen Bundesland hat als Basis für eine dauerhafte Freundschaft zwischen Auer und Kretschmer gereicht. Gemeinsam waren sie an den Vorbereitungen der Volkskammerwahl beteiligt. Das waren noch Zeiten, als die CDU in Sachsen über 40 Prozent der Stimmen holte. Davon können die Vertreter der Volkspartei heute nur noch träumen.

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Doch zum Träumen ist in diesen Tagen keine Zeit. Willi Streit geht mit seiner eigenen Partei nicht zimperlich um. Bei der Begrüßung der Gäste fordert der CDU-Kreisvorsitzende von Kanzlerkandidat Armin Laschet ein energischeres Auftreten. Kretschmer und Jung sieht er als politische Zwillinge, beide nur fünf Tage auseinander im Sternzeichen des Stiers als Kämpfer geboren, die sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für Umwelt- und Klimaschutz einsetzten.

Lob für Vereine. Und Werbung für den amtierenden Bundestags-Abgeordneten

Andreas Jung greift den Ball auf, indem er das Engagement der Vereine hervorhebt. Während der Pandemie hätten sie die Kräfte mobilisiert. „Es braucht Politiker, die für Zusammenhalt stehen. Das ist der Schlüssel dafür, dass wir durch schwierige Zeiten kommen“, sagte Jung. „Ich will etwas für unsere Region bewegen und mache das mit vollem Herzen und ganzer Kraft.“

Glücklich, wer am Sonntagabend einen Regenschirm dabei hatte.
Glücklich, wer am Sonntagabend einen Regenschirm dabei hatte. | Bild: Trautmann, Gudrun

Michael Kretschmer kommt schließlich sofort zur Sache. Er ruft die Anwesenden auf, alles für ein starkes Wahlergebnis von Andreas Jung zu tun. Er erinnert an seine Niederlage, als der AfD-Mann Tino Chrupalla ihn als Direktkandidat im Wahlkreis Görlitz schlug. Kretschmer lobte Jungs Kompetenz als Experte in Umwelt- und Klimafragen. Jung selber versprach, sich für Nachhaltigkeit, die Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum und die Förderung von Innovation im Mittelstand einzusetzen.

Dann geht es zum Rundgang durch den Garten. Michael Kretschmer lässt sich von Manfred Siegwarth die üppige Anlage erklären und gibt sich, umringt von amerikanischen Deutschstudenten ganz volksnah. Vielleicht ist doch was dran am Bild von den Zwillingen.

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