Keine öffentlichen Fastnacht-Partys, keine geladenen Guggenmusiker, keine Hästräger und damit auch kein Kostüm-Spektakel auf den Singener Straßen – Corona-bedingt könnten 2021 viele Fasnachtsveranstaltungen ausfallen.

Beim ersten Treffen des Narrenvereins Neu-Böhringen nach sieben Monaten Zwangspause wird es emotional. Getränke und Speisen sind serviert, als die Jahresversammlung in der Gaststätte Zum Elfer in Singen beginnt. „Beinahe vollzählig“, spricht Vorsitzende Ulrike Wiese ins Mikrofon.

Das Vereinsleben hat ihnen gefehlt: Nach sieben Monaten Zwangspause finden sich die Neu-Böhringer zu ihrer Jahreshauptversammlung ein.
Das Vereinsleben hat ihnen gefehlt: Nach sieben Monaten Zwangspause finden sich die Neu-Böhringer zu ihrer Jahreshauptversammlung ein. | Bild: Elisa Gorontzy

Das Vereinsleben hat vielen gefehlt. Aber bevor es an die Tagesordnung geht, macht Ulrike Wiese auf Corona-Richtlinien in den Räumlichkeiten aufmerksam, zum Schutz vor dem Virus im Miteinander. Schutzmaßnahmen, deren Einhaltung bei manchen Veranstaltungen nicht garantiert werden konnten, weshalb die Veranstaltungen abgesagt wurden.

Etwa der Jugendflohmarkt und der Bildersuchpfad. Letzteren halten Vereinsmitglieder für das schönste und wichtigste Event, denn es bringt nicht nur Spaß, sondern auch Geld in die gemeinsame Kasse.

„Das Häs der Narren ist nicht billig“, sagt die Vorsitzende. Die Kostüme werden jährlich neu genäht oder aufgearbeitet. Erst dann bestehen sie den Häs-TÜV im Oktober. Der Zunftrat setzt auch in diesem Jahr wieder auf eine solche Qualitätskontrolle, unter Einhaltung der Corona-Richtlinien.

Es fließen Tränen

Es fließen Tränen, als Ulrike Wiese ihr Amt als erste Vorsitzende ablegt. Singens OB Bernd Häusler übernimmt am Mikrofon: „Danke für die gute Zusammenarbeit in den letzten 16 Jahren mit dir an der Spitze.“

Unter stolzem Beifall ihrer Vereinsfreunde wird der Ehrenratsstern an Jörg Hanser weitergereicht. Auch er will mit Unterstützung der Mitglieder sein Bestes für eine großartige Fastnacht geben.

Eine Ära geht zu Ende: 16 Jahre lang führte Ulrike Wiese den Narrenverein. Unter stolzem Beifall reicht sie den Bürgermeister-Stern nun an Jörg Hanser weiter.
Eine Ära geht zu Ende: 16 Jahre lang führte Ulrike Wiese den Narrenverein. Unter stolzem Beifall reicht sie den Bürgermeister-Stern nun an Jörg Hanser weiter. | Bild: Elisa Gorontzy

Doch in Zeiten der Pandemie muss auf einiges verzichtet werden. Ein enttäuschtes Raunen, als Jörg Hanser die Narrentage für gestrichen erklärt. Das Zusammentreffen mit anderen Zünften sei unter den verschärften Corona-Auflagen unmöglich.

Mit der Absage rücken auch die Fragezeichen um die Hauptsaison in fühlbare Nähe. Derzeit weiß niemand, inwieweit Fasnacht 2021 gefeiert werden kann. Zunächst bleibe abzuwarten, wie Infektionszahlen sich entwickeln, sagt der neue Vorsitzende.

„Mir wird jetzt erst klar, wie groß das ganze war“: Ulrike Wiese blickt zurück auf 16 Jahre Vorstandsarbeit.
„Mir wird jetzt erst klar, wie groß das ganze war“: Ulrike Wiese blickt zurück auf 16 Jahre Vorstandsarbeit. | Bild: Elisa Gorontzy

Bei der Fasnacht treiben die Neu-Böhringer gern ihren Schabernack mit dem Publikum am Straßenrand. So war es die letzten Jahrzehnte, vor Corona. „2021 muss ich als Hansele wohl darauf verzichten müssen“, sagt Mitglied Benjamin Braun. Doch die Vorfreude ist ihm damit noch nicht genommen.

Er ist zuversichtlich, dass er zusammen mit seinem Verein etwas auf die Beine stellen kann, und sei es auch nur intern und unter Einhaltung von Hygienevorschriften.

Eine generelle Absage der Fasnacht halten die Narren für unwahrscheinlich

Doch Neu-Böhringer bleiben optimistisch. „Die Pflege der Fasnet als wichtiges Kulturgut hat einen hohen Stellenwert“, sagt Bruno Leibach. Mit Herzblut ist er seit 40 Jahren Mitglied im Narrenverein. Eine generelle Absage der Fasnacht 2021 – wie beim Golfkrieg 1991 – hält er für unwahrscheinlich.

Der Vorstand bestätigt: „Ein Plan B unter Einbehaltung von Hygienevorschriften ist umsetzbar, wenn nur intern, unter uns.“ Denn in dieser schwierigen Zeit stünden der Zusammenhalt im Verein und eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung an erster Stelle.

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