Frau Mateur, Ihr neues Programm heißt „Kaoshüter“, kein Rechtschreibfehler, sondern ein Wortspiel. Sind Sie chaotisch?

Ja, ein Teil von mir definitiv. In meiner Jugend war ich viel chaotischer. Das liegt am Temperament, am Elternhaus, am Linkshändersein, am Vielkindersein und am Bäumeklettern. Ich bin mittlerweile meiner Sehnsucht die Welt zu „erklärbären“ erlegen. Wenn man nach Chaos fragt, kann man die Ordnung nicht außen vorlassen. Man kann Chaos nicht ohne Ordnung beschreiben und umgekehrt. Keines ist wichtiger als das Andere. Beides ist im Anderen enthalten. Keines ist positiv oder negativ. Chaos bedeutet für die Meisten Krieg oder unaufgeräumte Zimmer. Aber Chaos ist mehr als das. Chaos ist Spontanität, Improvisation, Bewegung und Veränderung. All das was kommt, womit man aber nicht rechnen kann, worauf man nicht vorbereitet ist. Also Abenteuer, Verliebtsein und Kunst, Poesie. Chaos bewegt den Körper, den Geist, die Emotionen. Man wird überwältigt, provoziert, verzaubert, überrascht. Chaos sprengt den Rahmen, ist das Fremde, das Neue, das zu Erforschende. Der Übergang zu einer anderen Ordnung. All das ist Chaos.

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Wie ist es zu dem Programmnamen gekommen?

Weil man es gewohnt ist sich an der Ordnung zu orientieren und das Chaos in seiner Relevanz für das Miteinander unterschätzt, ist das mein Aufruf das Chaos zu behüten. Warum ein K? Ich bin ein K-Mensch. Ich hatte Lust es so zu schreiben. Pointenlosigkeit, Dada, auch Chaos. (lacht)

Sie sagen, Sie hätten lieber Grafik oder Schauspiel statt Musik studiert. Warum?

Weil ich dazu viel mehr Fragen hatte und mehr wissen wollte. Mit Musik bin ich aufgewachsen. Das betreibe ich gern, aber ich hing doch sehr am Visuellen. Ich wollte mal etwas dazulernen. Das klingt zunächst arrogant, aber Musik hat mich schließlich von Kindesbeinen an umgeben. Das Zeichnen auch. Ich habe aber immer mehr Noten und Instrumente geschenkt bekommen und interessierte mich doch mehr für die Maler, Zeichner und Richtungen. Bildende Kunst ist visuelle Philosophie. Musik ist auditive Philosophie. Schauspiel ist so schön mit dem Körper und den Emotionen verbunden. Das hat mich gereizt.

Sie schreiben Ihre Bühnenprogramme alle selbst. Woher nehmen Sie die Ideen dafür?

Eine oft gestellte Frage. Also routinierte Antwort aus einem Woody Allen Film: „Badewanne.“

Neben Ihrem Job engagieren Sie sich stark im sozialen Bereich, unter anderem bei der Bahnhofsmission. Sind Sie so ein „Kümmerer“?

Mir haben sehr oft Menschen geholfen und das gebe ich einfach weiter. Das macht die Welt besser.

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Welche Erfahrungen machen Sie bei der aktuellen Lage mit ukrainischen Flüchtlingen?

Sie sind privilegierter als die Syrer und Afghanen, die im Jahr 2015 kamen. Aber was soll man machen?! Es kommen vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen. Viele mit Haustieren. Wir haben mittlerweile die alten Netzwerke der Syrienhilfe wieder aktiviert und es geht viel. unbürokratischer zu als damals.

Sicherlich sehen Sie bei dieser Arbeit viele Missstände. Was würden Sie sich dabei wünschen?

Ich sehe nur, dass es einfach unendlich viele Menschen sind, denen in möglichst kurzer Zeit geholfen werden muss. Man kann jammern, dass so viel Leid passiert oder man versucht in seinem direkten Umfeld einfach mit anzupacken. Das hilft allen. Und es macht zudem auch Spaß. Es ist doch schöner, als sich gemeinsam zum Hassen zu treffen.