Gold ist das Ziel und Singen könnte die erste Stadt im gesamten Landkreis sein, die es erreichen wird. Wie Oberbürgermeister Bernd Häusler im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt mitteilte, könnte die Hohentwiel-Stadt im kommenden Jahr den Goldstatus beim European Energy Award (EEA) erreichen. „Das ist für uns ein Leuchtturmprojekt“, sagte er gegenüber den Ausschussmitgliedern.

Singen geht bei Klimaschutz voran

Galt Radolfzell lange Zeit als heimliche Umwelthauptstadt im Lande, könnte Singen ihr diesen Status 2022 streitig machen. Während die großen Klimaschutzziele der Stadt noch einige Anstrengungen abverlangen werden, rückt ein Etappenziel in Singen in greifbare Nähe: die Auszeichnung mit dem EEA in Gold. In der Bewertungsmatrix liegt Singen aktuell bei 72,6 Prozent und 75 würden reichen, um den Gold-Audit zu bestehen, schilderte Tina Götsch von der Energieagentur Kreis Konstanz.

Dort läuft‚s, da hakt‘s noch

Seit 2010 nehme die Stadt Singen laut Klimaschutzmanagerin Johanna Volz am European Energy Award teil und habe sich seitdem in den sechs Handlungsfeldern stetig verbessert. Das sind: Entwicklungsplanung (Singen steht aktuell bei 67,7 Prozent), Kommunale Gebäude (60,8 Prozent), Versorgung und Entsorgung (64,8 Prozent), Mobilität (79,9 Prozent), interne Organisation (95 Prozent) sowie Kommunikation und Kooperation (73,4 Prozent). Laut ihrer Einschätzung mache das Ergebnis von 72,6 Prozent deutlich, dass vor allem die Bereiche Mobilität, interne Organisation und Kommunikation sowie Kooperation gut aufgestellt seien.

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Aber es gebe laut Volz auch Defizite: So bestehe etwa beim Verbrauch der städtischen Gebäude und Anlagen Optimierungsbedarf. Auch der Bezug von erneuerbaren Energien in den Bereichen Wärme und Strom sei im gesamten Stadtgebiet eher gering. „Die Potenziale der Kraft-Wärme-Kopplung werden nicht ausgeschöpft, was sich negativ auf die CO²-Bilanz auswirkt“, ergänzte Tina Götsch. Auch bei der Zusammenarbeit mit Gewerbe und Industrie sowie mit Schulen, Kindergärten und privaten Investoren bestehe Verbesserungsbedarf.

Das sagen die Stadträte

Grundsätzlich kam die Nachricht, dass Singen sich auf dem Weg zum Goldstatus beim European Energy Award befindet, bei den Ausschussmitgliedern bestens an. Aber es gab auch kritische Stimmen, gerade mit Blick auf das ausgegebene Ziel der Klimaneutralität der Stadt zum Jahr 2035. Klaus Niederberger (CDU) lobte das Engagement der Singener Bürger. „Der Goldstatus wäre ein tolle Leistung von ganz Singen“, sagte er. Er würde sich allerdings wünschen, dass bald alle Bereiche im geforderten Bereich von 75 Prozent liegen.

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Eberhard Röhm (Grüne) erinnerte daran, dass Klimaschutzziele wichtig seien: „Wir müssen nur bereit sein, weiter in den Klima- und Umweltschutz zu investieren. Das hört nicht mit dem Erreichen des Goldstatus auf.“ Auch Walafried Schrott (SPD) merkte an, dass noch einige Dinge zu tun seien, bevor Gold erreicht ist. „Gold soll uns ermutigen weiterzumachen. Es darf uns aber nicht dazu verleiten, uns zurückzulehnen“, sagte er. OB Bernd Häusler betonte, dass noch Luft nach oben bestehe, „mit oder ohne einen Klimanotstand auszurufen“.

Diese Aufgaben gilt es zu erfüllen

2022 steht das nächste Audit an, dann soll Gold her. Aber das Arbeitspapier der Stadt soll dann, wie Johanna Volz betonte, nicht enden. „Wir verfolgen weiterhin Projekte mit unterschiedlichen Zielgruppen“, sagte sie im Ausschuss. Ein paar von ihnen stellte sie vor. So solle die neue Scheffelhalle, sollte der Gemeinderat für einen Wiederaufbau stimmen, als besonders energieeffizienter und nachhaltiger Holzbau neu errichtet werden. Ein guter Ansatz, wie Walafried Schrott befand: „Wir haben als Stadt eine Vorbildfunktion beim Neubau unserer städtischen Gebäude.“

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Aber auch eine Optimierung und Neuausrichtung des Stadtbusverkehrs sowie die Verkehrsberuhigung in der Ekkehard- und Freiheitsstraße von vier auf zwei Fahrbahnen spielen dabei eine wichtige Rolle. Beim Stadtbusverkehr kündigte OB Häusler an, dass man in Singen mit der neuen Betriebsperiode für den Stadtbusverkehr im Jahr 2026 einen neuen Anlauf wagen wolle hin zum elektronischen Bus. Das Thema habe die Stadtverwaltung schon länger auf dem Schirm. „Aber man muss auch sagen, dass die E-Busse bei der vorangegangenen Ausschreibung noch nicht so weit waren. Aber wir stellen schon die Weichen. So soll es am neuen Parkhaus in der Bahnhofstraße mehrere Ladestationen für unsere Stadtbusse geben“, erklärte Häusler.

Ein Qualitätssystem für den Klimaschutz

  • Die Auszeichnung: Der European Energy Award (EEA) ist ein europäisches Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, das eine vorbildliche Energie- und Klimaschutzpolitik in Städten, Gemeinden und Landkreisen zum Ziel hat. Dabei werden Klimaschutzaktivitäten der Kommunen systematisch erfasst und bewertet. Anschließend werden Maßnahmen passend für die jeweilige Kommune geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft. So sollen Potenziale nachhaltigen Klimaschutzes identifiziert und genutzt werden. In Baden-Württemberg engagieren sich 135 Städte und Gemeinden, 25 Landkreise sowie ein Gemeindeverwaltungsverband beim EEA. Deutschlandweit sind es aktuell 335 teilnehmende Kommunen. Das Umweltministerium bezuschusst die Teilnahme am European Energy Award mit 10.000 Euro.
  • Die neusten Preisträger: Aus Baden-Württemberg dürfen sich seit kurzem über die Auszeichnung mit dem EEA in Gold die Landkreise Biberach (2021), Böblingen (2021), Bodenseekreis (2021), Ravensburg (2020), Reutlingen (2021) und Sigmaringen (2021) freuen. Die prämierten Kommunen sind die Städte Bad Schussenried (2020), Friedrichshafen (2020), Lörrach (2020), Mengen (2021), Ravensburg (2020), Sigmaringen (2020), Ulm (2021) und Wangen im Allgäu (2020) sowie die Gemeinde Ilsfeld (2020).