An der Kirchentüre hängt ein Zettel mit der Aufschrift: „Rosenkranzgebet – bitte zu Hause beten“, darunter eine Erklärung zur Corona-Krise und den anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen. Die Kirchen sind gezwungen, Gottesdienste und gemeinsame Treffen bis auf Weiteres abzusagen, um eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. „Auch wenn das liturgische Leben ausgesetzt ist, sind die Kirchen geöffnet, um im Gebet die Sorgen und Nöte, die Ängste und Hoffnungen vor Gott tragen zu können“, erklärte Diakon Carmelo Vallelonga in einem Schreiben an die Christen in der Seelsorgeeinheit Aachtal. Ähnlich formuliert es Pfarrer Thorsten Gompper aus Hilzingen: „Unsere Kirchen bleiben weiterhin geöffnet – als Orte der Begegnung mit Gott und für das persönliche Gebet„, erklärt er per E-Mail. Doch gerade das gemeinsame Gebet und das Feiern des Gottesdienstes in der Kirche ist für Gläubige ein zentrales Element des Glaubenslebens. Im Matthäus-Evangelium heißt es: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

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„Wir glauben, dass das Gebet nicht an einen Raum und eine Zeit gebunden ist, sondern dass es alle Grenzen überwindet“, mit diesen Worten lädt Diakon Vallelonga die Familien der Erstkommunikanten zu einem täglichen Gebet am Abend ein. Denn gerade die diesjährigen Erstkommunionkinder in der Seelsorgeeinheit sind enttäuscht über die Verschiebung der Heiligen Erstkommunionfeiern. Gemeinsam solle man am Abend zu einer festen Uhrzeit eine Kerze anzünden, ein Vaterunser beten und ein bekanntes Lied aus der Kommunionvorbereitung singen. „Wir glauben an die Kraft des Gebetes und wir wissen, dass Jesus Christus bei uns ist und bleibt“, so der Diakon.

Zum persönlichen Gebet darf man die Kirchen besuchen, das Feiern von Gottesdiensten ist wegen der Corona-Krise untersagt.
Zum persönlichen Gebet darf man die Kirchen besuchen, das Feiern von Gottesdiensten ist wegen der Corona-Krise untersagt. | Bild: Sandra Bossenmaier

Drastischer reagiert die evangelische Kirchengemeinde Steisslingen-Langenstein. „Wir sehen unsere Verantwortung auf zweierlei Weise“, schreibt Pfarrerin Martina Stockburger: Um die Krankheitswelle zu verlangsamen, sind bis auf Weiteres sämtliche Gottesdienste und Veranstaltung abgesagt. Auch für nichtkirchliche Gruppen bleibt das Gemeindehaus geschlossen. Zum Abendläuten um 19 Uhr sind die Gläubigen aufgerufen, zuhause für Erkrankte, Helfende und zur Überwindung der Krise zu beten.

„Wir gehen kreativ mit der Herausforderung um“, antwortet Pfarrer Joachim von Mitzlaff von der Johannesgemeinde Rielasingen auf die Frage, wie man mit den Gläubigen in Kontakt bleiben möchte. Im Internet will er jeden Samstag einen kleinen Gottesdienst mit Predigt einstellen und für Kidstreff-Kinder Geschichten, Bastel- und Spielideen für die lange Zeit zuhause geben. Für Gespräche und Seelsorge könne man sich jederzeit an den Pfarrer wenden. Landesbischof Cornelius-Bundschuh drückt in einem Brief an alle Kirchengemeinden seine Zuversicht aus, dass Kirche einen Weg finden würde. Gerade in der Not sei es wichtig, dass man einander trösten und sich im Glauben und im Lieben stärken würde, so der Bischof.

Solche Bilder sind derzeit ausgeschlossen: Gottesdienste sind für die nächsten Wochen abgesagt. Erst vor Ostern wollen die Kirchenverantwortlichen prüfen, ob Zusammenkünfte im Namnen des Herrn wieder unbedenklich sind.
Solche Bilder sind derzeit ausgeschlossen: Gottesdienste sind für die nächsten Wochen abgesagt. Erst vor Ostern wollen die Kirchenverantwortlichen prüfen, ob Zusammenkünfte im Namnen des Herrn wieder unbedenklich sind. | Bild: MARTIN WERNER

Auch die Kirchen in Engen haben beschlossen, Gottesdienste bis Ende März auszusetzen. „Vor der Osterzeit, konkret vor Palmsonntag am 5. April, werden sich die Kirchen noch einmal mit der Stadt und den Gesundheitsbehörden abstimmen, ob in der Osterzeit Gottesdienste stattfinden können“, kündigt Pfarrer Michael Wurster an.

Dass es keine Gottesdienste gibt, schmerzt auch Dekan Matthias Zimmermann, doch ein Grund zu trauern sei dies nicht, sagt er. In einer Zeit, die man sich nicht hatte vorstellen können, seien Gläubige und Seelsorger besonders gefragt. Die Seelsorgeeinheit Oberer Hegau richtete eigens für seelsorgliche Anliegen eine Rufbereitschaft ein, die ständig besetzt ist. Über die Aushänge und Schaukästen der Seelsorgeeinheit wird die Telefonnummer bekannt gegeben. Auch möchte man baldmöglichst eine Online-Kirche einrichten. Per E-Mail oder auf das Smartphone soll es dann täglich geistliche Impulse geben. „Wir werden unseren Glauben leben und feiern. Der Glaube trägt uns und macht uns stark in dieser Krise„, so seine mutmachende Aussage. Zwar sei das Leid da, aber mit dem Glauben an Gott hätte man die Kraft, damit umzugehen.

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„Aus dem Gebet kann man Kraft schöpfen und Trost finden“, sagt Franz Duffner, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in der Seelsorgeeinheit Aachtal. Die Entscheidung, Gottesdienste abzusagen, müsse man zum Schutz der Gesundheit mittragen. Eine Alternative für den Gottesdienstbesuch könne ein familiärer Gebetskreis sein.

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