Frau Ettwein, beim Beruf der Schornsteinfegerin denkt man nicht auf Aufhieb an einen Traumberuf – und er steht bei Frauen gewiss nicht an erster Stelle. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Eine Bekannte, die auch in unserem Ort wohnt, ist Schornsteinfegermeisterin. Ich habe sie gefragt, ob ich bei ihr einmal ein Praktikum machen kann. In dem Betrieb, in dem sie arbeitet, habe ich dann zwei Mal ein Praktikum gemacht. Und da ich es interessant finde und es mir Spaß macht, habe ich meine Ausbildung dort im September angefangen.

Werden Sie oft von Leuten auf Ihre Berufswahl angesprochen?

Speziell von Fremden nicht, aber manche Kunden fragen mich schon gelegentlich, ob mir das denn Spaß machen würde.

Denken Sie, dass mehr junge Menschen etwas untypischere Berufe ausprobieren sollten?

Na klar, das fände ich persönlich super. Man muss sich ja auch nicht gleich für eine Ausbildung entscheiden. Ein Praktikum reicht oftmals schon, wie man bei mir sieht. Und natürlich wäre es toll, wenn mehr junge Menschen sich beispielsweise für das Handwerk entscheiden würden. Aber das Wichtigste ist, dass man Spaß hat bei dem, was man macht.

War das schon immer Ihr Plan? Wenn nicht, was wollten Sie sonst machen?

Nein. Ich wollte, bevor ich mich für Schornsteinfegerin entschieden habe, zum Zoll. Dort habe ich mich davor beworben, wurde aber nicht angenommen.

Was genau müssen Sie bei der Ausbildung machen? Und wie sieht ein Arbeitstag von Ihnen aus?

Also, im Sommer sind wir meistens mit Messarbeiten beschäftigt. Das heißt wir messen Zentralheizungen, Öl und Gas, fegen Ölkamine. Und im Winter beziehungsweise wenn es kälter ist, fegen wir Holzkamine, die mit Holz, Pellets und Hakschnitzel beheizt werden und putzen Kunsten – das ist eine über dem Kachelofen beheizte Sitzbank.

Können Sie sich vorstellen, diesen Beruf lange auszuüben?

Ja klar. Der Kontakt mit den Kunden ist schön und der Beruf ist sehr interessant, vielfältig und nicht alltäglich.

Wie ist denn die Resonanz außerhalb der Kundschaft? Was sagen Ihre Freunde und die Familie zu Ihrer Berufswahl?

Meine Familie findet es super. Und meine Freunde eigentlich auch. Manche können es nur nicht ganz verstehen, was ich daran finde. Es gibt auch Personen, die sagen „den Besen mal kurz da hoch und wieder runter schieben kann ja jeder“. Ich lache darüber und versuche ihnen zu erklären, was wir noch so machen, außer den „Besen hoch und runter schieben“. Aber im Großen und Ganzen finden es eigentlich alle sehr gut.

Und kennen Sie viele Jugendliche, die etwas Ähnliches machen?

Die meisten, die ich kenne und in meinem Alter sind, sind nach der Schule auf eine weiterführende Schule gegangen. Und viele der Gleichaltiregn wissen noch nicht einmal so richtig, was sie danach machen wollen. Ich kenne sehr wenige, die eine ähnliche Ausbildung machen. Und wenn, dann sind dies eher Jungs.

Fragen: Nora Hermanrud