Der Umgang mit Smartphones ist eine erzieherische Mammutaufgabe. Margit Hartmann, Mutter eines heranwachsenden Sohnes, erhofft sich Tipps, wie sie ihr Kind konfliktfrei vor den Schattenseiten der Handynutzung schützen kann. Gerade weil die junge Generation mit Smartphones aufgewachsen ist, möchten Eltern wissen, wie sie mit diesem, für sie verhältnismäßig neuen Medium umgehen sollen.

Thomas Feibel, Experte in Sachen Kinder und Computer in Deutschland, sowie Vater von vier Kindern, weiß, welche Erziehungsaufgabe den Eltern der Handygeneration zuteilwird. Er hat es sich zur Mission gemacht, Eltern über handyfreie Zonen, Abofallen, Mobbing und vieles mehr aufzuklären.

Das ideale Alter für ein eigenes Handy

Dabei ging es auch um Grundsätzliches wie die Frage, ab wann ein Kind ein Handy besitzen sollte. Der Experte wollte dafür keine feste Altersangabe machen: Eltern sollten die Reife ihres Kindes abschätzen und selbst entscheiden. „Wenn Eltern ihren Kindern dann doch den Wunsch vom eigenen Smartphone erfüllen, sollten sie über den richtigen Umgang Bescheid wissen und Vorbild sein“, bemerkte Feibel in seinem Vortrag unter dem Titel „Jetzt pack doch mal das Handy weg“ in der Gems in Singen.

Thomas Feibel spricht in der Gems Singen über den richtigen Umgang mit Smartphones. Der Autor mit Dorothee Jacobs-Krahnen von der Volkshochschule Konstanz.
Thomas Feibel spricht in der Gems Singen über den richtigen Umgang mit Smartphones. Der Autor mit Dorothee Jacobs-Krahnen von der Volkshochschule Konstanz. | Bild: Elisa Gorontzy

Handyfreie Zone: Hier ist das Handy ein absolutes No-Go

Wenn es um handyfreie Zonen gehe, müssten Eltern sich zuerst an die eigene Nase fassen. Heutzutage ist man immer erreichbar, auch für seine Arbeitskollegen. Dadurch vermischt sich Beruf mit Privatleben. „Wenn sie gerade dabei sind, Ihrem Kind bei den Hausaufgaben zu helfen, Sie von Ihrer Arbeitsstelle angerufen werden und den Raum kurz verlassen, um zu telefonieren, signalisieren Sie Ihrem Kind, dass die Hausaufgarben gerade nicht so wichtig sind“, sagte Feibel. Autsch, das hat gesessen. Damit die Kinder die handyfreie Zone am Schreibtisch akzeptieren, müssen sich auch Eltern daran halten. Genauso sollte es am Esstisch zugehen, denn schließlich könne man mit seinem Handy sowieso kein Schnitzel schneiden.

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Das Smartphone: Fluch oder Segen?

Das Misstrauen gegenüber Smartphones sei so groß, weil die ältere Generation zu wenig darüber Bescheid wisse. Dann neigen Eltern zu der Einstellung, dass dieses Teufelszeug einfach überall verboten werden solle. Mit dieser Einstellung stoßen sie auf Konflikte mit ihren Kindern, denn das Smartphone gehört immer mehr zu ihrem Alltag dazu. Gerade in der Schule oder bei den Hausaufgaben kann es ein wichtiges Werkzeug zum Recherchieren und Nachschlagen sein. Mobbing hingegen, sei darauf zurückzuführen, dass vielen Schülern nicht bewusst ist, was sie mit den Smartphones anrichten können. „Sie machen es nicht unbedingt aus Boshaftigkeit, bereuen ihre Taten auch am Ende, werden zu Co-Opfern“, so Feibel. Deshalb müssen sie rechtzeitig aufgeklärt werden und das nicht nur von der Schule.

Feibels Tipp dazu: „Hier können Eltern einschreiten. Wenn sie die Regel zuhause einführen, Chats regelmäßig zu kontrollieren, würden ihre Kinder vielleicht aufpassen, was sie schreiben.“ Wichtig sei nur, dass Eltern diese Maßnahme niemals heimlich ergreifen sollten. Instanzen wie die Schule und Eltern müssen zusammen arbeiten. Nur so wird der richtige Umgang mit dem Medium gestärkt.

Apps haben immer Zeit für Kinder

Fakt ist, Kinder verbringen zu viel Zeit mit ihren Smartphones. Millionen von Apps ziehen sie in ihren Bann und bergen kostspielige Fallen. Das Onlinespiel „Clash of Clans“ verdient zum Beispiel durch In-App-Käufe fünf Millionen Dollar am Tag. Laut Feibel sind viele Eltern der Meinung, dass in Schulen mehr über Risiken gesprochen werden solle. Anstatt sich selbst damit zu beschäftigen, wälzen sie die Erziehungsaufgabe auf Lehrer ab. Das sei nicht unbedingt zielführend, denn zuhause könne man viel mehr gegen einen exzessiven Handykonsum durch Spiele-Apps und die dort auftretenden Kostenfallen tun.

Anstelle der Apps, die jederzeit abrufbar sind, sollten Eltern sich die Zeit für ihre Kinder nehmen und mit ihnen beispielsweise Brettspiele spielen. Mehr Familienzeit und Aktivitäten ohne Smartphone sind Lösungen, bei denen Kinder freiwillig ihr Handy beiseitelegen. Es müsse nicht zu Diskussionen und Streit kommen. Regeln können für ein harmonisches Miteinander am besten gemeinsam erarbeitet werden. „Es nützt nichts, wenn sie wie Moses von Berg kommen und sagen: Hier sind die zwei Steintafeln, daran sollt ihr euch halten“, bemerkte Feibel.

Mutter Sabine Malcher fand den Vortrag unterhaltsam und informativ.
Mutter Sabine Malcher fand den Vortrag unterhaltsam und informativ. | Bild: Elisa Gorontzy

Viele Tipps konnten Eltern mit nach Hause nehmen

Circa 60 Eltern haben dem Vortrag von Thomas Feibel mit großer Interesse zugehört. Die stellvertretende Vorsitzende der Volkshochschule Konstanz Dorothee Jacobs-Krahnen bemerkte dazu: „Mich hat gefreut, dass so viele Eltern zusammen mit ihren Kindern erschienen sind. Jetzt sind sie schließlich auf dem selben Wissensstand und können gemeinsam über das Thema sprechen. Schön, dass Eltern mit gutem Beispiel vorausgehen möchten und nicht nur den Zeigefinger auf ihre Kinder richten.“ Auch Sabine Malcher, Mutter, sah den Vortrag als unterhaltsam und informativ an: „Das hat mich angeregt, einen neuen Blick auf den Umgang mit Apps zu richten.“

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