Regelmäßig sind in den Wintermonaten russische Ballett-Ensembles auf europäischen Bühnen unterwegs und stellen dort ihr außergewöhnliches Können unter Beweis. So präsentierte nun das Russische Nationalballett auf seiner Tournee den 600 Zuschauern in der Singener Stadthalle den Inbegriff der klassischen Ballettkunst schlechthin: „Schwanensee“.

Choreographie aus dem Jahr 1895

Seit mehr als 120 Jahren begeistert das Stück Ballettfans auf der ganzen Welt. Woher die Begeisterung rührt, ist leicht erklärt. Neben der mitreißenden Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky und der anspruchsvollen Choreographie ist es die märchenhafte Liebesgeschichte zwischen Prinz Siegfried und der verzauberten Schwanenprinzessin Odette, die das Publikum besonders fasziniert.

Dabei darf natürlich der böse Zauberer nicht fehlen, der dem Prinzen seine Tochter Odile als Prinzessin zuspielen will. Das Russische Nationalballett hielt sich bei seiner Aufführung ganz an die klassische Choreographie von Marius Petipa und Lew Iwanow aus dem Jahre 1895. Es beeindruckte durch technisch perfekte und zugleich anmutige Ballettkunst.

Pirouetten und akrobatische Sprünge

So fiel es nicht auf, dass mit Viktoriia Sevoian nur die Zweitbesetzung die anspruchsvolle Doppelrolle der Odette/Odile als weißer und schwarzer Schwan übernommen hatte. Einer der Höhepunkte des Abends und eine besondere Herausforderung waren ihre 32 aufeinanderfolgenden, akkurat ausgeführten Fouettés (Spindelpirouetten) in ihrem Part als schwarzer Schwan im zweiten Akt.

Der Tanz der Schwanenprinzessin (Viktoriia Sevoian) und des Prinzen Siegfried (Aleksei Riumin) wird von Zauberer Rotbart (Karim Mubarakshin) genau beobachtet.
Der Tanz der Schwanenprinzessin (Viktoriia Sevoian) und des Prinzen Siegfried (Aleksei Riumin) wird von Zauberer Rotbart (Karim Mubarakshin) genau beobachtet. | Bild: Sandra Baindl

Souverän absolvierte Aleksei Riumin seine Rolle als Prinz Siegfried, während Karim Mubarakshin in seinem Tanz und Spiel die Diabolik des bösen Zauberers Rotbart eindrücklich hervorbrachte. Und auch Dmitrii Poliakov überzeugte in seiner Rolle als Hofnarr. Spontanen Applaus erntete er, als er mit meterhohen akrobatischen Sprüngen die Bühne einnahm. Auch die weiteren Mitglieder des Ensembles begeisterten das Publikum, sei es beim Tanz der vier kleinen Schwäne oder den Nationaltänzen.

Musik kam vom Band

Als Tourneeproduktion ist das Russische Nationalballett gezwungen, gewisse Eingeständnisse zu machen. So fiel die Bühnendekoration etwas schlichter aus, und so mancher Zuschauer hätte sich anstelle von Musik vom Band ein Live-Orchester gewünscht. Dadurch rückte die überzeugende Leistung der 25 Tänzerinnen und Tänzer in ihren aufwendigen Kostümen umso mehr in den Vordergrund.

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Warum jedoch jedem Auftritt des Zauberers Rotbart besondere Dramatik in Form einer lautstarken Nebelmaschine verliehen werden musste, wodurch die Sicht des Publikums auf die Akteure eingeschränkt wurde, erschließt sich dem Zuschauer nicht.

Ballett begeistert alle Generationen

Bei der Aufführung in der Stadthalle wurde deutlich, dass Ballett alle Generationen begeistert. Sämtliche Altersklassen waren vertreten. Eine der jüngsten Besucherinnen war die achtjährigen Maja Czech aus Randegg, die selbst Ballett tanzt und vergangenes Jahr bereits den „Nussknacker“ gesehen hatte. „Schwanensee“ gefiel ihr diesmal genauso gut.