Lange Wartezeiten vor dem Singener Wertstoffhof können per Online-Klick vermieden werden: Über die Internetseite der Stadtwerke kann die Länge der Warteschlange eingesehen werden. Sensoren auf der Einfahrt zum Wertstoffhof messen, wie viele Autos schon warten und zeigen die aktuelle Staulänge in Metern sowie die Uhrzeit an. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Singen haben die Thüga-Energiedienste mit der Übertragungstechnik LoRaWAN im Mai 2018 im Wertstoffhof ein Pilotprojekt gestartet, das neue digitale Anwendungen zum Nutzen der Bürger in unterschiedlichen Bereichen ermöglicht – und schon jetzt beeindruckende Ergebnisse liefert.

"Mit der neuen Technik kann der Kunde selbst entscheiden und Warteschlangen bequem umgehen", sieht Oberbürgermeister Bernd Häusler in neuen Techniken konkrete Mehrwerte für die Bürger. Neben der Reduzierung der Warteschlangen hoffe man, bald auch Daten für eine verbesserte Koordination der Öffnungszeiten zu erhalten. Der neue Wertstoffhof wurde im April 2017 eröffnet, die Zahl der Anlieferer im Jahr 2018 habe sich um 30 Prozent auf 69.000 gesteigert, berichtet Heidi Urbatsch von den Stadtwerken. Zu Spitzenzeiten an Samstagen würden durchschnittlich 100 Anlieferer stündlich verzeichnet.

Keine Datensammlung

Mit dem Pilotprojekt macht sich Singen auf den Weg zur Smart City. Die Zukunftsvision: Moderne Technologien sollen automatisierte Lösungen ermöglichen. "Die Technik arbeitet mit verschiedenen Sensoren, die zum Beispiel auf Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, Gewicht und vieles andere reagiert", erläutert Markus Kittl von den Thüga-Energiediensten. Das System biete eine kostengünstige und energiesparende intelligente Vernetzung. Die Sendeleistung sei gering und könne jahrelang mit einer Batterie betrieben werden. "Unser Ziel ist es nicht, Daten zu sammeln, sondern wir übertragen einfache Funktionsmeldungen wie zum Beispiel an/aus oder voll/leer", betont Kittl.

Im Falle des Wertstoffhofs lösen die Sensoren im Boden unter dem Fahrzeug Signale aus, die über einen Sendemasten bei der Thüga verschlüsselt an ein Rechenzentrum übertragen und weiterverarbeitet werden. Das Ergebnis ist die Warteschlange in Metern und wird auf der Homepage der Stadtwerke angezeigt. Singen gehöre mit dieser Technologie zu den Vorreitern: Es gebe viele ähnliche Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsphasen, weiß Thüga-Techniker Dietmar Ehinger. Aber so effizient genutzt wie in Singen werde die Technik nur selten.

Vom Müllbecken bis ins Wassernetz

"Solche Techniken schaffen Verbesserungen für die Bürger und sind ökologisch sinnvoll, da unnötige Emissionen vermieden werde", sieht OB Häusler Anwendungen in unterschiedlichen Lebensbereichen. So könne die Stadt in der Versorgungstechnik den Füllstand von Abfallcontainern abrufen oder klären, ob nach einem Unwetter ein Überlaufbecken geöffnet werden müsse. Möglich würden auch Verkehrszählungen oder Parkraummanagement. "Der Service ist kundenorientiert", sagt Markus Schwarz, Betriebsleiter der Stadtwerke. So könnte auch die Überwachung der Straßenbeleuchtung zum Teil von der neuen Sensortechnik übernommen werden. Bei der Überwachung der Wassernetze könne der Fehler im Falle einer Störung schneller geortet und behoben werden.