Der Interviewtermin steht schon eine Woche lang fest. Nachdem Pächter der Gartenanlage Knöpfleswies sich gegen eine Bebauung des Geländes ausgesprochen haben und Vertreter der CDU- und SPD-Fraktionen sich im Gemeinderat ebenfalls geäußert haben, möchte Achim Achatz seine Sicht schildern. Mit den Partnern Michael Kolb und Daniel Achatz hat der Architekt die Pläne für das geplante 34 000 Quadratmeter große Stadtquartier in der Nordstadt erstellt. Kurz vor dem Gespräch mit dem SÜDKURIER dann die Überraschung: In einer Pressemitteilung lässt die Stadtverwaltung verlauten, dass sie dem Gemeinderat von einer Bebauung der Knöpfleswies abrät.

Daniel Achatz, Michael Kolb und Achim Achatz (von links) beschäftigen sich schon mehrere Jahre mit der Planung eines ressourcen- und platzsparenden Quartiers in Kernstadt-Nähe.
Daniel Achatz, Michael Kolb und Achim Achatz (von links) beschäftigen sich schon mehrere Jahre mit der Planung eines ressourcen- und platzsparenden Quartiers in Kernstadt-Nähe. | Bild: Sabine Tesche

Ob das von Achim Achatz mitinitiierte Projekt Lebenswert sein Quartier auf dem Schrebergarten-Gelände errichten kann oder nicht, liegt nach wie vor in den Händen des Gemeinderats. In einer der nächsten beiden Sitzungen soll eine Abstimmung stattfinden. Aus Sicht des Architekten hat sich die Chance, dass das Gremium für den Bau des Quartiers in der Nordstadt stimmen wird, nun aber deutlich verschlechtert. Achatz und seine Mitstreiter wirken frustriert: "Unter verschiedenen Optionen, die seitens der Stadtverwaltung zur Auswahl standen, hatten wir uns gemeinsam auf dieses Grundstück verständigt", erklärt der Visionär hinter dem Projekt. "Ansonsten hätten wir diese aufwendige Planung in der Form nicht forciert." Wie kam es zum Sinneswandel im Rathaus?

Die Klimaanalyse bereitet Sorgen

In ihrer Pressemitteilung führt die Verwaltung die Ergebnisse der Klimaanalyse aus dem Herbst 2018 an. Als Grünfläche leiste die Knöpfleswies unter dem Gesichtspunkt des innerstädtischen Klimaschutzes einen wichtigen Beitrag für die Nordstadt. "Als Kaltluft-Austauschfläche hat sie eine hohe Bedeutung für die nächtliche Durchlüftung des bestehenden Quartiers", heißt es in der Mitteilung weiter. Umgekehrt sei bei einer intensiven Nachverdichtung mit einer Verschlechterung der Klimasituation zu rechnen.

Oberbürgermeister Bernd Häusler berichtet, dass die Klimaanalyse mittlerweile auch den Gemeinderat zum Nachdenken gebracht habe. Vertreter von CDU und SPD hätten im Kontext von Haushaltsplanberatungen und Haushaltsrede deutlich signalisiert, dass man von einer Bebauung der Knöpfleswies Abstand nehmen wolle. "Diese Grünfläche wirkt für Teile der Nordstadt wie ein Kühlmotor", erklärt er die Beweggründe. Klar sei aber auch: "Wir als Stadt finden das Projekt Lebenswert gut." Man könne die Idee eines Wohnquartiers, in dem jung und alt gemeinschaftlich wohnen und arbeiten, weiterverfolgen. Die Verwaltung schlage dem Gemeinderat deshalb vor, alternative Flächen für das Projekt zu suchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Einfach dürfte sich diese Suche nicht gestalten. Die Ideengeber des von einer Bürgerwerkstatt geplanten Gemeinschaftsprojekts beharren auf einer engen Anbindung zur Kernstadt – auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Dass ihnen nun ausgerechnet wegen des Klimaschutzes der Standort Knöpfleswies verwehrt bleiben soll, sorgt bei Achatz und seinen Partnern für Unverständnis. Man habe sich bemüht, das Quartier klimaschonend zu konzipieren, betont der Architekt. Als Beispiel nennt er die Anordnung der Gebäude, die für eine geeignete Durchlüftung des geplanten Quartiers sorgen soll.

Diese Animation veranschaulicht, wie die Architekten von Lebenswert den Quartiersplatz in der Nordstadt gerne umsetzen würden.
Diese Animation veranschaulicht, wie die Architekten von Lebenswert den Quartiersplatz in der Nordstadt gerne umsetzen würden. | Bild: Lebenswert

Aufatmen in der Nordstadt

Während Achatz enttäuscht auf die Verwaltungsmitteilung reagiert, ist die Freude bei so manchem Anwohner groß. "Wir hatten einige tausend Flyer vorbereitet, die schon zum Druck bereit standen", berichtet Josef Fuchs. Er wohnt mit seiner Familie schräg gegenüber der Gartenanlage. Wichtig ist ihm, die Knöpfleswies als Grünfläche zu erhalten. "Uns geht es um das Klima in der Nordstadt, speziell um die Kaltluftzufuhr", erklärt er. Mit Gleichgesinnten hatte Josef Fuchs die Gründung einer Bürgerinitiative vor. Am 21. Februar hätte ein erstes Treffen stattfinden sollen. Nach der Verlautbarung der Verwaltung sei diese Zusammenkunft allerdings nicht mehr nötig, so seine Einschätzung.

Endgültige Gewissheit, wie es mit der Knöpfleswies weitergeht, wird es aber erst mit dem Gemeinderatsbeschluss geben. Und zumindest darin dürften sich die Pächter der Gartenanlage, die Lebenswert-Architekten und die Verwaltung einig sein: Je schneller das Gremium für Klarheit sorgt desto besser.