Wer täglich mit dem Fahrrad zum Bahnhof fährt, um dann mit dem Zug zur Arbeit zu pendeln, der umgeht in der Regel Parkplatzprobleme. Das sollte man zumindest meinen. In Singen gestaltet sich die Suche nach einem Abstellplatz für ein Fahrrad aber derzeit problematisch. Denn die bisherige Radabstellanlage wurde im Zuge des Abrisses der öffentlichen Toilettenanlage abgebaut. Eine Alternative hierzu wurde nicht ausgewiesen.

An dem Geländer entlang der Gleise an der Bahnhofstraße bietet sich nun ein etwa 80 Meter langes Bild: Beidseitig sind etliche Fahrräder an dem Geländer festgekettet. Auch in der Nähe der Gleise oder direkt am Bauzaun, werden die Fahrräder abgestellt. Die Radler müssen dabei nicht selten Scherben auf dem Boden in Kauf nehmen.

Ein Problem für viele Pendler

Was denken Pendler und Passanten vor Ort über den Zustand? „So ist das eben, wenn etwas umgebaut und verschönert wird“, sagt etwa Timo Dahlenberg aus Konstanz. Marcus Grätsch aus Rielasingen-Worblingen fährt jeden Morgen mit dem Fahrrad von Rielasingen an den Singener Bahnhof, um dann mit dem Zug weiter zur Arbeit zu fahren. Er fühlt sich als Radfahrer von der Stadt Singen und von der Deutschen Bahn im Stich gelassen.

Marcus Grätsch aus Rielasingen-Worblingen fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zum Bahnhof, um dann mit dem Zug weiter zur Arbeit zu fahren. In Singen aber muss er erst einmal einen Parkplatz fürs Rad finden.
Marcus Grätsch aus Rielasingen-Worblingen fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zum Bahnhof, um dann mit dem Zug weiter zur Arbeit zu fahren. In Singen aber muss er erst einmal einen Parkplatz fürs Rad finden. | Bild: Sandra Bossenmaier

Er hätte sich gewünscht, dass bereits vor dem Abbau der Fahrradständer Alternativflächen ausgewiesen worden wären, sagt Grätsch. Diese sieht er in der näheren Umgebung des Bahnhofsgebäudes. Offiziell ausgeschilderte und vor allem zulässige Flächen brauche es dringend, erklärt er. Und zeigt dabei auf eine kleine Hinweistafel auf dem Bahnhofsgelände mit der Aufschrift „Fahrräder abstellen verboten“.

Abgeschlossene Flächen sind ausgebucht

Eine mögliche Alternative zum Abstellen der Fahrräder gibt es nahe des Bahnhofsgebäudes in östlicher Richtung – theoretisch jedenfalls. Dort nämlich gibt es für Bahnkunden eine Möglichkeit des Unterstellens von Fahrrädern. Es gibt sogar einen abgeschlossenen Bereich. Dafür benötigt man allerdings einen Schlüssel. Laut Auskunft des Servicemitarbeiters vor Ort sind jedoch alle Plätze und somit auch alle Schlüssel vergeben.

Bauarbeiten verzögern sich

Für einen anderen Passanten ist es sehr viel ärgerlicher, dass es keine öffentlich zugänglichen Toiletten mehr vor Ort gibt. Und genau um eine solche Toilettenanlage geht es eigentlich. Die Deutsche Bahn wollte bereits im Sommer am bisherigen Standort eine neue gebaut haben. Dach dabei kam es zu Verzögerungen.

Mit Unterstützung der Stadt Singen wird nun eine größere, komfortablere Toilettenanlage gebaut. „Solange die Toilettenanlage gebaut wird, müssen wir mit der jetzigen Situation klarkommen“, erklärt Uwe Kopf, Leiter des Singener Straßenbauamtes. Eine komplett neue Anlage zum Abstellen der Fahrräder soll im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und des Cano-Neubaus Ende 2020 gebaut werden. Die Deutsche Bahn reagierte auf Anfragen bislang nicht.