Herr Fürst, drei Jahre waren Sie stellvertretender und nun sind Sie frisch gewählter Landesjugendleiter der Feuerwehren in Baden-Württemberg. Mit den bereits gemachten Erfahrungen in der Feuerwehr haben Sie sicher klare Vorstellungen davon, welche Herausforderungen jetzt auf Sie warten?

In Baden-Württemberg gibt es über 32 500 Kinder und Jugendliche, die sich in 1014 Jugendfeuerwehren engagieren. Auf diese Zahlen kann man wirklich stolz sein. Politische und gesellschaftliche Veränderungen rechtzeitig erkennen und richtig darauf zu reagieren, um weiterhin als „Global Player“ am Puls der Zeit agieren zu können, empfinde ich als große Herausforderung.

Welche Hoffnungen und Befürchtungen haben Sie, wenn Sie an die Zukunft der Jugend in den Freiwilligen Feuerwehren denken?

Der demografische Wandel, die Individualisierung des Menschen in der Bevölkerung und der Wertewandel in der Gesellschaft sind Entwicklungen, die auch die Feuerwehren vor große Herausforderungen stellen.

Die Digitalisierung bietet zwar sicher Chancen für unsere Jugend, aber vieleicht auch Risiken, die wir noch nicht abschätzen können.

In meinen Augen ist die Jugendfeuerwehr das schönste Hobby für unsere Kinder. Dafür möchte ich die Jugend begeistern. In vielen Städten und Gemeinden ist es möglich, bereits mit sechs Jahren in die Jugendfeuerwehr einzutreten und damit schon früh die Feuerwehr erleben zu können.

Nicht nur, wenn‘s brennt: Auch bei Unfällen, wie hier auf der B34, hilft die Rielasinger Feuerwehr, der Andreas Fürst angehört.
Nicht nur, wenn‘s brennt: Auch bei Unfällen, wie hier auf der B34, hilft die Rielasinger Feuerwehr, der Andreas Fürst angehört. | Bild: FFW

Welche konkreten Aufgaben hat man als Landesjugendleiter?

Als Landesjugendleiter leite ich den Jugendverband, bin Mitglied im Vorstand des Landesfeuerwehrverbandes und sitze in Gremien der Jugendverbandsarbeit. Außerdem habe ich einen Sitz im Deutschen Jugendfeuerwehrauschuss. Wir machen uns Gedanken darüber, wo die Jugend in der Feuerwehr steht und wie es weiter geht.

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In vielen Vereinen ist es ein Problem, Nachwuchs zu finden und zu halten. Wie ist das bei den Feuerwehren? Wie schafft man es, den Nachwuchs nicht wieder zu verlieren?

Um die Kinder und Jugendlichen im Lauf der Jahre nicht zu verlieren, müssen wir unsere Stärken in der Feuerwehr klar darlegen. Wir versuchen, die Werte der Feuerwehr zu vermitteln: Kameradschaft, Respekt, Verantwortung und Toleranz.

Was können die Feuerwehren jungen Menschen mit auf den Weg ins Leben geben?

In der Jugendfeuerwehr lässt sich vieles erlernen und Bildungschancen können genutzt werden. Bei uns kann man Technik anfassen, sich sportlich betätigen und so ziemlich alle Facetten der Jugendbildung erleben. Mit speziellen Projekten werden Talente in den Jugendfeuerwehren gezielt gefördert. Beispielsweise mit dem Projekt Taff – Tatkräftig aktiv fördern fordern. Dieses richtet sich an engagierte, neugierige und zuverlässige Jugendliche ab 15. Es geht hier besonders um Jugendliche, in denen Potenzial schlummert, die aber noch keine Funktion in der Jugendfeuerwehr haben. Diese jungen Menschen erhalten Einblicke in ihnen bisher unbekannte Bereiche und in das gesellschaftliche Leben. Wir möchten damit unsere Werte und Kompetenzen vermitteln, in die auch der europäische Grundgedanke einfließt.

Kurz zusammengefasst: Was ist wichtig im Umgang mit unserem Nachwuchs?

Nicht über Kinder und Jugendliche reden, sondern mit ihnen. Das finde ich wichtig. Ihnen zuhören und ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen.

Was sagt eigentlich Ihre Familie zur „Beförderung“? Dieses herausfordernde Ehrenamt nimmt doch sicherlich noch mehr Zeit in Anspruch als Ihre bisherige Position des stellvertretenden Landesjugendleiters?

Ich habe großes Glück und bin meiner Frau Andrea und den beiden gemeinsamen Kindern dankbar dafür, dass sie schon immer hinter meiner Leidenschaft zur Feuerwehr stehen. Ohne den Rückhalt meiner Familie wäre so ein Ehrenamt sicher nicht möglich. Die Stunden mit der Familie bedeuten für mich Freude und Erholung zugleich.

Fragen: Sandra Bossenmaier