Über Verkehrsprobleme unterschiedlicher Art klagen auf der Insel Reichenau schon lange viele Gemeinderäte und Bürger. Die Gemeindeverwaltung will nun einige Themen anpacken, die als besonders dringlich gesehen werden, und hat Vorschläge erarbeitet.

Im Fokus steht vor allem der ruhende Verkehr. „Besonders in diesem durch die Corona-Pandemie turbulenten Jahr zeigten sich die Probleme im Bereich der Verkehrslenkung und der Parkraumbewirtschaftung deutlicher denn je“, so Hauptamtsleiter Mario Streib.

Eine Folge des gestiegenen Inlandstourismus seien auf der Reichenau „kreuz und quer parkende Besucherfahrzeuge und an beliebten Plätzen stehende Wohnmobile“ gewesen. Er und Bürgermeister Wolfgang Zoll schlagen nun als weitreichendste Maßnahme die Einführung einer Parkverbotszone für die ganze Insel vor. Wenn der Gemeinderat dies beschließen sollte, müsse die Verwaltung das aber erst noch bei der Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt beantragen.

Parkverbotszone Insel

Als im Sommer viele Besucher (und vermutlich auch Einheimische) in manchen Bereichen wie dem Strandbad und dem Yachthafen ihre Autos parkten, wo sie wollten, reagierten die Verwaltung und der Gemeinderat kurzfristig mit der Einführung von Parkgebühren an den betreffenden Straßen.

Streib meint: „Um eine dauerhafte und klare Lösung zu finden, ohne hierbei einen Schilderwald zu kreieren, wäre die Einführung einer Parkverbotszone Insel Reichenau am sinnvollsten.“ Dies hatten in den vergangenen Jahren schon einige Gemeinderäte angesprochen. Autofahrer dürften dann – außer auf den bestehenden Parkplätzen – an Straßen nur noch dort parken, wo entsprechende Parkbuchten oder –taschen ausgewiesen sind.

Diese Lösung gibt es schon seit einigen Jahren an der Stedigasse, wo es zur Schiffsanlegestelle geht. Klar sei, dass eine solche umfassende Parkverbotszone dann auch für Inselbewohner gelten würde, so Streib. Da müsste wohl mancher seine liebgewordenen Gewohnheiten ändern. Die Frage dabei wäre zudem, wo zusätzliche Parkbuchten hin sollen.

Die Verwaltung schlägt zu diesem Themenkomplex eine Bürgerbeteiligung vor. Wie diese genau ablaufen solle, müsse noch besprochen werden, so der Bürgermeister. Denkbar wäre eine schriftlich und digitale Form wie beim Neubaugebiet Lindenbühl-West. Für den Bereich Rathaus/Münster hat die Verwaltung zudem einen kurzfristigen Vorschlag. Denn seitdem das Parken vor dem Rathaus verboten sei, nehme der Parkdruck beim Münster zu, so Streib. Er meint, man sollte deshalb an der Burgstraße beim Rathaus Kurzzeitparkplätze auf dem Vorplatz einführen.

Anwohnerparken

Im Zusammenhang mit der möglichen Parkverbotszone sollte auch über ein Anwohnerparken nachgedacht werden, meint die Verwaltung. Ähnlich wie im Konstanzer Paradies stünden dann manche öffentlichen Parkflächen abends und nachts nur noch Anwohnern zur Verfügung. Auch dieses Thema sollte man in der Bürgerbeteiligung abfragen, meinen Streib und Zoll.

Bessere Verkehrslenkung

Die zu Stoßzeiten vor allem in der Saison nicht ausreichenden Parkflächen führen zunehmend zu Parksuchverkehr. Die Gemeinde und der Verkehrsverein weisen daher mit ihren neuen Internetauftritten bereits auf Parkmöglichkeiten hin.

Doch: „Wichtiger ist die Verkehrslenkung vor Ort, um Besucher gezielt zu den Parkmöglichkeiten zu lenken und bei Überfüllung Alternativparkmöglichkeiten anzubieten“, meint Streib. Daher schlägt die Verwaltung vor, ein digitales Verkehrsleitsystem aufzubauen. Ziel sei dabei eine stärkere Nutzung der Parkflächen auf dem Festland und des Nahverkehrs, erklärt der Hauptamtsleiter.

Ausweitung des Vollzugsdienstes

Unabhängig davon, was es an Änderungen beim ruhenden Verkehr geben wird, sollte dieser mehr kontrolliert werden, meinen Streib und Zoll. Sie schlagen deshalb vor, die bisherige 70-Prozent-Stelle auf einen Stellenanteil von 150 Prozent zu erhöhen. Zumal der Gemeindevollzugsdienst auch noch andere Aufgaben habe – wie etwa die Kontrolle der Einhaltung der Corona-Verordnungen oder der Einhaltung des Umweltschutzes.

Die Aufgaben sollten zudem auf mehrere Schultern verteilt werden, meint Streib. Zum einen, weil der Vollzugsdienst auch an Wochenenden im Einsatz sei, zum anderen, um auf Krankheits- oder Kündigungsfälle reagieren zu können. Letzteres gab es in diesem Jahr, weshalb eine zeitlang gar nicht kontrolliert wurde. Bei ihrem Vorschlag verweisen Zoll und Streib auf die Gemeinden Allensbach und Bodman-Ludwigshafen, die schon einen deutlich höheren Stellenanteil haben.

Busanbindung von Niederzell

Zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs könnte auch eine bessere Anbindung des Inselteils Niederzell beitragen, meint Streib. Es gebe bereits Überlegungen, den Regionalbus bis zum Parkplatz Niederzell fahren zu lassen.

„In diesem Zusammenhang muss geprüft werden, ob ein Rundkurs die hierfür nötigen Zeitkapazitäten hervorbringt“, so Streib. Dies ist vor allem Aufgabe des Landkreises. Zudem schlägt die Verwaltung eine Fahrgastbefragung vor.

Überall Tempo 50

Verwaltung und etliche Gemeinderäte wünschen schon länger, dass auf der Insel generell Tempo 50 gilt. An einigen Stellen ist bisher noch 70 erlaubt. Im Rahmen der jüngsten Verkehrsschau sei es der Verwaltung immerhin schon gelungen, dass das Tempo im Bereich Sandseele auf 50 reduziert werde, so Streib.

Um dies auch für die übrigen drei Bereich zu bekommen, brauche es aber noch weitere Gespräche mit dem Regierungspräsidium, so Streib. „Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Geschwindigkeit in der Mittelzeller Straße von 50 auf 30 km/h zu reduzieren.“ Dies könnte mehr Sicherheit für Radfahrer und Kinder bringen.

Zusätzliche Radwege

Letzteres hängt zusammen mit dem Verwaltungsvorschlag, für Radfahrer nebst dem Inselrundkurs eine Querverbindung von der Schiffslände zum Münster auszuschildern. Dies wäre sinnvoll für Radfahrer, die mit dem Schiff kommen oder den Rundkurs abkürzen möchten, meint Streib.

Die Verbindung könnte über die Mittelzeller Straße führen. Für einen Radfahrschutzstreifen sei diese aber wohl nicht breit genug, daher plädiert die Verwaltung für Tempo 30. Alternativ könnte die Querverbindung über den Wirtschaftsweg vorbei am St. Gotthard und die Häfelishofstraße beschildert werden.

In der Mittelzeller Straße auf der Reichenau, zwischen Sparkasse und Schloss Königsegg, schlägt die Verwaltung eine Temporeduzierung von 50 auf 30 vor. Dies soll mehr Sicherheit bringen für Radfahrer und Kinder.
In der Mittelzeller Straße auf der Reichenau, zwischen Sparkasse und Schloss Königsegg, schlägt die Verwaltung eine Temporeduzierung von 50 auf 30 vor. Dies soll mehr Sicherheit bringen für Radfahrer und Kinder. | Bild: Thomas Zoch

Auf dem Rundkurs hätten sich zudem Vertreter des Gemeinderats, Verkehrsvereins, Bürger und die Radwegbeauftragte des Landkreises einige als kritisch bewertete Stellen angeschaut und Verbesserungsvorschläge gemacht.

In den Berechen Landgasse, Moosweg oder Vögelisberg soll eine bessere Beschilderung Abhilfe schaffen. Beim schmalen Uferweg im Bereich Bradlen, beim Schloss Königsegg oder dem Bereich Oberzeller Straße/Moosweg könnten die Radfahrer über eine geänderte Wegführung sicherer fahren.

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