Er steht direkt an der Reichenauer Schiffslände: der Kiosk von Boris Petersen und Karla Fiehring. Das Paar hat mit seiner Bude einen beliebten Treffpunkt für viele Einheimische geschaffen. Ob selbst gemachte Fischbrötchen, frischer Kaffee oder ein nettes Schwätzchen – finden und erleben lässt sich bei den beiden einiges. Der Stedi, wie die Einwohner auf der Insel den Stand nennen, gehört mittlerweile einfach dazu.

Seit 2017 betreiben der Konstanzer und die gebürtige Berlinerin den Kiosk. Zu Beginn war Karla Fiehring selbst noch Kundin beim Stedi. Der Begriff kommt aus dem Schweizerdeutschen und bedeutet so viel wie „unbefestigte Schiffsanlegestelle“, erklärt Boris Petersen. Er erinnert sich lachend daran, wie die 33-Jährige immer öfter zu ihm an den Verkauf kam und als letzter Gast des Abends übrig blieb. Schließlich lernten sie sich während der Kioskbesuche nicht nur näher kennen, sondern auch lieben.

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Bevor sich beide auf der Reichenau niederließen, waren sie an verschiedenen Orten tätig. Der 48-Jährige ist gelernter Koch und hat viele Jahre in der Konstanzer und Reichenauer Gastronomie verbracht. In dieser Zeit hat er einen Fischimbiss geführt, in mehreren Restaurants gekocht und auch Catering angeboten. Seiner Heimat rund um den Bodensee ist Petersen dabei immer treu geblieben, wie er berichtet.

Als er sich eines Tages nach mehr Ruhe sehnt, kommt ihm spontan die Idee mit dem Stedi: „Ich habe mir überlegt, dass weniger arbeiten auch ganz cool wäre, und gedacht: Mach ich doch den Kiosk.“ Bei diesen Worten lacht seine Lebensgefährtin Karla. Denn von weniger Arbeit kann kaum die Rede sein, meint sie. Den Großteil seiner Zeit verbringe er nämlich draußen an der Anlegestelle und kümmere sich um den Kiosk, und das fast das ganze Jahr über. Sie hingegen arbeitet noch halbtags bei einem regionalen Familienunternehmen in der Marketingabteilung.

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Studiert hat die ehemalige Berlinerin Publizistik und Filmwissenschaft in Mainz. Sie war unter anderem als Kameraassistentin und selbstständige Filmschaffende tätig. Nach mehreren Jobs in dieser Branche und einigen Besuchen auf der Reichenau ist sie dann vor vier Jahren endgültig „hier gestrandet“, wie sie erzählt. Beide wollen so schnell nicht wieder weg von hier, denn für sie ist es „der schönste Platz der ganzen Insel“. Mit dem Fahrrad- und Kanuverleih, den sie anbieten, schaffen sie weitere Freizeitmöglichkeiten.

Außerdem können Besucher direkt beim Kiosk Fahrkarten für die Schifffahrt zwischen Konstanz, Kreuzlingen und Schaffhausen kaufen. Die Stehtische und die dazugehörige Terrasse laden zum Verweilen ein. Und wenn das Wetter mitspielt, veranstaltet das Paar auch gern kleine Livekonzerte mit heimischen Bands und Musikern aus aller Welt.

Während sie im Hochsommer vor allem von den Touristen profitieren, sind es im Kern die Einheimischen, die ihr Geschäft stützen. Die Corona-Pandemie hat dies deutlich gemacht, als der große Andrang an Reisenden lange Zeit ausblieb. Es ist gerade die Reichenauer Stammkundschaft, die das Kioskleben so besonders macht, betonen Fiehring und Petersen. Das freundschaftliche Miteinander und die netten Unterhaltungen sorgen dafür, dass sie sich am Stedi wie zu Hause fühlen. So werden es zum Start der Wintersaison auch die altbekannten Gesichter sein, die bei Glühwein und Feuerschein den Abend ausklingen lassen.