Wie in den Vorjahren können die Chefs Johann Roth und Günter Weber auch für das Jahr 2018 wieder Zuwächse in allen wichtigen Geschäftsbereichen bilanzieren. „Wir haben wieder ein sehr, sehr gutes Jahr hinter uns“, erklärt Roth und fügt an: „Wir sind unseren Kunden dankbar, dass wir so ein gutes Wachstum hatten. Es hat sich wieder mal gezeigt, dass wir eine richtige Kundensparkasse sind.“

15.000 Girokonten – gegenüber 12.500 Einwohnern

So seien im vergangenen Jahr fast 1000 neue Girokonten eröffnet worden – sowohl privat wie geschäftlich, berichten die Vorstände Johann Roth und Günter Weber im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Damit liege der Bestand hier jetzt bei über 15.000. Zum Vergleich: Im Geschäftsgebiet der Reichen-
auer Sparkasse, zu dem auch Allensbach mit seinen Ortsteilen gehört, leben rund 12.500 Menschen.

Den Zuwachs erklären sich die Chefs des öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts auch damit, dass die Reichenauer Sparkasse mittlerweile die einzige Bank in der Region sei, die ein kostenfreies Online-Girokonto anbiete.

Vor allem bei Wohnbau-Krediten ist die Sparkasse in der Region beliebt

Im Sparkassenvergleich überdurchschnittlich stark zugenommen habe ferner das Kreditgeschäft mit einem Wachstum von fast neun Prozent. Ein Großteil davon falle in den Bereich Wohnungsbaufinanzierung, so Vorstandsvorsitzender Roth. Die Bilanzsumme sei alles zusammen von 1,1 auf knapp 1,2 Milliarden Euro gestiegen.

Die Kundeneinlagen seien um zwei Prozent gewachsen. Vorstandsmitglied Günter Weber sagt hierzu, das klinge zunächst vielleicht nach nicht viel. Dies liege aber daran, dass manche Kunden wegen der sehr niedrigen Zinsen bei Sparguthaben eher zu Wertpapiergeschäften neigten, um Erträge zu erzielen. Würden alle Anlageformen summiert – Sparkonten, Depots, Börse –, liege das Wachstum bei rund fünf Prozent.

Wobei Roth und Weber betonen, dass die Berater des Hauses stets versuchten, für den jeweiligen Kunden ein Angebot zu finden, das am besten zu seinen Vorstellungen passe.

Kundennähe als Erfolgsfaktor – deshalb stellt die Sparkasse auch neue Mitarbeiter ein

Generell betonen die Reichenauer Sparkassenchefs, wie wichtig ihnen Kundennähe sei. „Wir sind für die Kunden da und nicht die Kunden für uns“, erklärt Johann Roth die Philosophie des Hauses. „Die Kunden sind für uns das wichtigste Gut.“

Dabei gehe es neben Qualität, Flexibilität und Schnelligkeit vor allem um den persönlichen, vertrauensvollen Kontakt, so Roth: „Den kann man nicht durch Maschinen ersetzen.“

Deshalb folge die Reichenauer Bezirkssparkasse nicht wie andere Banken dem Trend zur Einsparung. „Wir ziehen uns nicht aus der Fläche zurück und schließen Filialen, sondern gehen auf die Leute zu und bauen sogar noch eine neue in Göldern“, betont Roth. Und auch beim Personal spare das Kreditinstitut nicht ein. Im Gegenteil: Die Zahl der Mitarbeiter sei im Vorjahr um einige neue Kollegen auf knapp 140. Zudem stelle die Reichenauer Sparkasse jedes Jahr fünf bis sechs Auszubildende ein.

Digitalisierung: 70 Prozent der Kunden tätigen Geldgeschäfte im Netz

Neben der persönlichen Kundennähe sei freilich auch wichtig, digital modern aufgestellt zu sein, betonen Johann Roth und Günter Weber. Zumal über 70 Prozent der Kunden Geldgeschäfte auch online tätigten.

„Wir bieten unseren Kunden beide Wege. Das eine schließt das andere nicht aus“, sagt Roth. Deshalb habe die Sparkasse im Haupthaus auf der Insel Reichenau im vergangenen Sommer ein digitales Beratungszimmer eingerichtet. Kunden könnten sich hier von Mitarbeitern den Umgang mit neuen Medien zeigen lassen und ihre eigenen Geräte wie Laptop oder Smartphone einrichten lassen.

Weber erklärt: „Jeder Kunde soll die Chance haben, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden.“ Eine solche Beratung wolle die Reichenauer Sparkasse auch in den Filialen in Allensbach und Göldern einführen.

Gesellschaftliche Verantwortung, zum Beispiel Geld für Vereine

Zudem investiere die Sparkasse nicht nur in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter, sondern trage auch gesellschaftliche Verantwortung. Neben der Beteiligung an der Reichenauer Welterbe-Stiftung und der Allensbacher Bürgerstiftung gründe sie jetzt zusammen mit Allensbach eine Wohnbaugesellschaft. Und wie in den Vorjahren habe das Institut auch 2018 bei einem Spendenfest die über 100 Vereine aus beiden Gemeinden mit rund 50.000 Euro unterstützt. Sparkassen sind zur Gemeinnützigkeit verpflichet.

Die zufriedensten Sparkassen-Kunden in Baden-Württemberg

Bestätigt sehen sich die Chefs in ihrem Kurs durch eine Umfrage im Jahr 2018 über die Kundenzufriedenheit. Bereits zum dritten Mal in Folge habe das Reichenauer Unternehmen hier unter allen teilnehmenden Sparkassen in Baden-Württemberg den besten Wert erzielt, sagt Johann Roth. 99 Prozent der Kunden hätten die Reichenauer Sparkasse als gut, sehr gut oder sogar ausgezeichnet bewertet. „Das ist für uns eine große Freude, aber auch eine Verpflichtung, genau so weiterzumachen“, so Roth.

Noch eine Filiale ist auf dem Festland geplant

Die Bezirkssparkasse Reichenau hat in ihrem Geschäftsgebiet, zu dem auch Allensbach gehört, neben dem Haupthaus auf der Insel Reichenau Filialen in der Waldsiedlung, in Allensbach, Hegne und Kaltbrunn sowie einen stundenweise geöffneten Schalter in Langenrain.

Um die Kundennähe noch auszubauen, will das Institut zudem im Gewerbegebiet Göldern-Ost auf dem Reichenauer Festland eine weitere und mit Personal besetzte Geschäftsstelle eröffnen, erklären die Sparkassenchefs. Die Planung hierfür sei in der Endphase, der Baubeginn sei nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens für Herbst 2019 anvisiert.

Wegen des schwierigen, teils schlammigen Baugrunds sei eine besonders sorgfältige Planung notwendig. Die Eröffnung könnte Ende 2020 sein. Das Gebäude werde eine Nutzfläche von rund 2000 Quadratmetern haben, wovon die Sparkasse etwa ein Viertel für die neue Filiale nutzen werde. Den Rest wolle sie als Büroräume vermieten – auch zur Refinanzierung der Investition. Zu deren Höhe wollen sich die Chefs noch nicht exakt äußern, weil die Planung noch nicht abgeschlossen ist und die Ausschreibung der Arbeiten noch aussteht. Die Summe dürfte sich aber auf einige Millionen Euro belaufen.