Die Liste der bisher abgesagten Auftritte ist äußerst lang: Das Badische Fest in Wahlwies, Kurkonzerte an der Radolfzeller Mole, Gartenfeste in Worblingen, ein Sommerhock auf Hof Höfen sowie viele Frühschoppen und ein Dämmerschoppen auf der Höri. Seit drei Monaten befindet sich der Musikverein Liggeringen sowohl mit seinen Auftritten als auch mit Proben im Lockdown.

„Uns Kulturschaffenden ist ziemlich der Boden weggerissen worden“, fasst der Vorsitzende des MV Liggeringen, Christian Weber, in knappen Worten die Auswirkungen der Corona-Krise zusammen: „Uns fehlt das gemeinsame Musizieren. Uns fehlt der soziale Kontakt. Und uns fehlt auch das Leben im Verein. Uns als Verein gibt es fast nicht mehr – uns Kulturschaffende insgesamt.“ Was den Musikverein Liggeringen besonders umtreibt, ist die Planungsunsicherheit für dessen kulturellen Betrieb – hervorgerufen durch weitere mögliche Infektionswellen, die die Probearbeiten erneut lahmlegen könnten.

Planen mit angezogener Handbremse

Auch wenn viele Auftritte des Vereins der Pandemie bisher zum Opfer fielen, so stehen noch drei wichtige Termine auf der Agenda, die bisher noch nicht abgesagt wurden: Das Schlachtfest im Herbst, das Adventskonzert sowie das Großereignis „Rock & Wind“ als Ortsteilprojekt des Vereins zu den Heimattagen im Mai nächsten Jahres. Trotz dieser Unsicherheiten möchte der Musikverein die Konzerte über den Sommer hinaus planen. „Wir versuchen, so positiv wie möglich damit umzugehen“, erläutert Christian Weber. Doch der Vorsitzende macht keinen Hehl aus seinen Empfindungen: „Irgendwie plant man mit angezogener Handbremse. Du hast immer Angst, dass ein erneuter Lockdown kommt.“

MV-Vorsitzender Weber schätzt die Arbeit des Dirigenten Markus Müller während der Corona-Pandemie sehr: „Von Anbeginn meistert er die Krise perfekt.“ Jeden Mittwoch zur regulären Probezeit erhalten die Musiker des Vereins seine Post mit Probestücken für das Adventskonzert. Das Konzert stehe quasi, so der Vorsitzende. Bis vor zwei Wochen war jedoch ein persönlicher Kontakt der Musiker untereinander unmöglich. Seitdem die Lockerungen größer werden, gebe es Hinweise, dass Proben in Kleingruppen wieder stattfinden könnten, erläutert Christian Weber in Anlehnung an das von Musikverbänden herausgegebene Hygiene-Konzept für Proben von Orchestern und Ensembles.

Kinder kommen wieder in den Präsenzunterricht

Anlässlich eines Geburtstagsständchens einer kleinen Abordnung des Musikvereins und dessen Probenerfahrung wird deutlich, wie knifflig sich die Musikproben für den Verein künftig gestalten. Letztlich bräuchte der Verein mit seinen 50 aktiven Musikern einen Konzertsaal für die Proben, um das Hygiene-Konzept einhalten zu können. Der Verein möchte nun kreative Ideen entwickeln, damit er über die Sommermonate im Freien proben kann. Der Proberaum im eigenen Vereinsheim stellt selbst kleinere Register vor eine große Herausforderung: Während der Proben sollte der Raum wegen der Aerosole eine gute Durchlüftung haben. Doch eine Nachbarschaftsauflage im Wohngebiet verpflichtet den Verein zu Proben bei geschlossenen Fenstern.

Christian Weber zeigt sich sichtlich berührt über die vielen jungen Musiker, die er in den ganz normalen Spielbetrieb einbinden wollte: „Für sie tut es mir fast schon ein Stück mehr leid. Sie waren teilweise schon in deren ersten Konzertvorbereitungen mit dabei und hätten über normale Auftritte in das Orchester hineinwachsen können. Das fehlt uns allen.“ Christian Weber zeigt sich etwas erleichtert über die jüngsten Entwicklungen: „Alle Kinder kommen wieder in den Präsenzunterricht.“ Für sie gebe es wieder Unterricht vor Ort sowie in der Musikschule nach den Pfingstferien.

Generalversammlung Anfang Juli

Anfang Juli möchte der Blasmusikverein seine Generalversammlung in der Liggeringer Mehrzweckhalle abhalten. Bis dahin wolle der Vorstand auch ein Gartenkonzert für den Sommer planen, so Weber: „Vielleicht auch nur in der Hälfte der Gesamtbesetzung. Damit man merkt, dass es noch Blasmusik im Dorf gibt.“