Seit 17 Monaten finden Bauarbeiten an der Gerhard-Thielke-Realschule statt. Sie dienen einem Erweiterungsbau, der zukünftig einen Ganztagsbetrieb der Schule zulassen wird. Die Genehmigung dazu hat der Bildungs- und Sozialausschuss bereits im Jahr 2014 erteilt.

Die ursprünglichen Planungen gingen von einer Fertigstellung im September 2020 aus. Ganz so schnell ist es dann doch nicht gegangen. Ab November wird das Erweiterungsgebäude jedoch zumindest teilweise nutzbar sein, wie Architekt Gerhard Maier jetzt bei einer öffentlichen Führung verkündete.

In das großzügige Foyer dringt über den Eingangsbereich viel Licht in das Gebäude.
In das großzügige Foyer dringt über den Eingangsbereich viel Licht in das Gebäude. | Bild: Jarausch, Gerald

Der geplante Ganztagsbetrieb wird erst im September des kommenden Jahres aufgenommen (siehe Infotext), erklärte Schulleiterin Brigitte Wiedemann. „Wir werden den Neubau sukzessiv in Betrieb nehmen.“ Im Moment benötigen die Beobachter noch etwas Fantasie, um sich einen Schulbetrieb in dem neuen Gebäude vorstellen zu können. Doch zumindest die Architektur ist bereits jetzt gut zu erkennen.

Anders als im Bestandsgebäude, das ab 1980 errichtet wurde, hat man im Neubau nicht mit Beton gespart. Der wird auch im Betrieb immer sichtbar bleiben, denn vielfach werden die Wände als Sichtbeton ausgebaut.

Ein Fluchtbalkon auf der Südseite des Gebäudes sichert die Fluchtmöglichlkeiten bei Notfällen. Der Maschendrahtzaun auf der linken Bildseite wird bleiben, unter anderem, um Vögel daran zu hindern, vor die Scheiben oder in das Gebäude zu fliegen.
Ein Fluchtbalkon auf der Südseite des Gebäudes sichert die Fluchtmöglichlkeiten bei Notfällen. Der Maschendrahtzaun auf der linken Bildseite wird bleiben, unter anderem, um Vögel daran zu hindern, vor die Scheiben oder in das Gebäude zu fliegen. | Bild: Jarausch, Gerald

Den Besuchern von zwei Führungen durch das Gebäude wird gleichzeitig der offene Charakter der Räumlichkeiten mit hohen Raumdecken in Erinnerung bleiben.

Der Haupteingang, der von einer haushohen Glasfassade geprägt ist, wird im Inneren von einem großen Eingangsbereich weitergeführt, der sich über zwei Stockwerke mit einer Gesamthöhe von rund zehn Metern erstreckt.

Der Eingangsbereich ist von einer haushohen Glasfront geprägt.
Der Eingangsbereich ist von einer haushohen Glasfront geprägt. | Bild: Jarausch, Gerald

Das luftige, helle Ambiente ist auch in den Klassenzimmern mit großen Fensterfronten zu spüren. Aushängeschild dieser Idee ist der 150 Quadratmeter große Mehrzweckraum im Obergeschoss des Gebäudes mit einer Raumhöhe von 5,40 Metern und zusätzlichen Dachfenstern. Er bietet Platz für unterschiedliche schulische Nutzungen.

Noch eingerüstet, aber bald mit einer Fassade versehen: das neue Gebäude der Realschule.
Noch eingerüstet, aber bald mit einer Fassade versehen: das neue Gebäude der Realschule. | Bild: Jarausch, Gerald

Im Erdgeschoss sind neben dem Physiksaal die Räume des Ganztagesprogramms untergebracht: Mediathek, Lernatelier, Spieleraum und Kreativraum. Hinzu kommen WCs. Im Obergeschoss befinden sich sechs Klassenzimmer mit jeweils 66 Quadratmeter Nutzfläche.

Alle Räume außer den Toiletten werden mit einem grünen Linoleumbelag ausgelegt. Abgehängte Akustikdecken aus Fichtenholz sorgen bereits in den aktuell noch leeren Räumen für eine angenehme Akustik. Die Beheizung erfolgt über eine Fußbodenheizung, die über das Blockheizkraftwerk neben der Sporthalle betrieben wird.

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Eine zentrale Lüftungsanlage, die im Untergeschoss untergebracht wurde, sorgt für ausreichenden Luftwechsel. Obwohl in Vor-Corona-Zeiten geplant, erfüllt die Anlage bereits die Voraussetzungen für eine saubere Luftzufuhr, die nicht durch eine Vermischung der Luftströme kontaminiert werden kann, wie der zuständige Planer wissen ließ.

Das Gebäude ist passivhaus-ähnlich hergestellt. Dreifachverglasung und hochgedämmte Fassaden sorgen für einen relativ geringen Energieverbrauch.

Der Architekt des Bestandsgebäudes ist zufrieden

Einen Gast der öffentlichen Führung interessierten die Details des Gebäudes ganz besonders. Architekt Lothar Seidel, der das Bestandsgebäude zu Beginn der 80er Jahre geplant hatte, ließ es sich nicht nehmen, an dem ersten Rundgang teilzunehmen.

Der mittlerweile 93-jährige zeigte sich zufrieden über die Ergänzung seiner Realschule. „Das ist wirklich gut geworden“, erklärte er dem SÜDKURIER. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) zeichnete die Realschule seinerzeit für die Qualität des Gebäudes aus.