Im Moment herrscht ideales Segelwetter am Radolfzeller See. Beständiger Wind und warme Temperaturen würden den Aufenthalt auf dem Wasser zu einem Vergnügen machen. Doch daraus wird angesichts der aktuellen Corona-Verordnungen vorerst nichts. Während der Verzicht darauf für Hobbysegler und Bootseigner verschmerzbar sein muss, ist die Situation für professionelle Nutzer ein echtes Problem.

Praxisausbildung ist aktuell nicht möglich

So auch für das Wassersportzentrum Radolfzell im Herzenareal. Dort ruht die Arbeit, weil Sportanlagen aktuell nicht geöffnet sein dürfen. Entsprechend leer ist es am Steg und im Bojenfeld. Ein paar vereinzelte Boote liegen hier zwar, aber an einen reguläreren Betrieb ist nicht zu denken. Spätestens ab Ostern hätte die Praxisausbildung für Segel- und Motorboote stattfinden sollen.

Stattdessen muss Inhaberin Carola Habenicht sich auf andere Dinge verlegen. „Ich bin zwar jeden Tag hier, aber im Moment erledige ich nur Dinge, die ich in zwei Jahren vorgesehen hatte. Ich streiche meine Boote und bringe sie auf Vordermann“, sagt sie. Viel lieber würde sie Kurse anbieten.

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Dazu zählen neben den Praxis- auch die Theorieeinheiten für die Segel- und Sportbootprüfungen. Beide werden vom Landratsamt zurzeit nicht abgenommen und auch das Abhalten der Kurse ist untersagt. Aus Sicht von Habenicht wären die Kurse aber unter Einhaltung der Regeln durchaus möglich. „Auf unseren Booten ist ausreichend Platz. Die Theorie findet ohnehin oftmals im Einzelunterricht statt“, sagt sie.

Kein Urlaub, kein Segelkurs

Doch die Problematik ist für ihr Geschäftsmodell noch komplexer. Viele Kunden kommen von außerhalb und verbinden die Ausbildung und das Chartern von Booten mit einem Urlaub. Der ist angesichts der geschlossenen Hotels und gastronomischen Betriebe nicht möglich. Gleiches gilt für Camping und Caravaning.

Da nutzt es wenig, wenn es Bootsbesitzern ab sofort gestattet ist, ihr Boot im Hafen zu Wasser zu lassen. Denn diesen dürfen sie nicht verlassen. Dank des eigenen Stegs gilt das nicht für das Wassersportzentrum, das sich hinter der ehemaligen Reithalle der Bodenseereiter befindet.

Online-Kurse sind nicht genug

Auf die Idee von Online-Kursen ist Carola Habenicht längst gekommen. Sie bietet diese seit zwei Jahren an, und nun verstärkt. „Das fängt die Verluste jedoch nicht auf“, sagt sie. Auf staatliche Hilfe wartet sie seit über vier Wochen. Sie hat den Antrag sofort gestellt, da sie praktisch keine Einnahmen mehr erzielt. Aber erst vor wenigen Tagen erhielt sie die Zusage von der Industrie- und Handelskammer (IHK), dass der Antrag weitergeleitet wird.

„Ich kann noch ein bis zwei Monate überleben“, sagt Habenicht. Was danach kommt, mag sie sich nicht ausmalen. Allerdings geht sie davon aus, dass sie „im Juni wieder auf dem See ausbildet“, wie sie sagt. Generell hält Carola Habenicht die aktuellen Vorgaben für richtig: „Sie sollten auf jeden Fall eingehalten werden“. Zudem versucht sie, den Mut nicht verlieren und hofft mit Blick auf den glitzernden Untersee auf bessere Zeiten.

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