Hunderte Stahringer standen mit Deutschland-Fahnen Spalier, als die zweifache Paralympics-Siegerin Anna-Lena Forster in ihrem Heimatort Stahringen willkommen geheißen wurde. Offziell hatte der Ortschaftsrat zu einem Empfang in das Rathaus geladen, aber schnell wurde klar, dass die Stahringer eine ganz eigene Definition von Empfang haben. Es wurde ein Abend, der von Emotionen, Gänsehautmomenten und dem strahlenden Lachen der Paralymics-Siegerin geprägt war. Dieses sollte bis zum frühen Morgen nicht mehr aus ihrem Gesicht weichen.

Begleitet von ihren Eltern und engen Verwandten kam Anna-Lena Forster unter großem Beifall und begleitet von den Klängen des Musikvereins die Straße zum Rathaus hinauf. Dort wurde sie vom stellvertretenden Ortsvorsteher Elmar Birr empfangen. "Wir Stahringer sind sehr stolz auf dich und freuen uns von ganzen Herzen mit dir", sagte Birr zur Begrüßung. Emotionale Worte fand auch Jürgen Forster, der gemeinsam mit seiner Frau Sybille die Wettkämpfe seiner Tochter vor Ort verfolgt hat, und sich vom herzlichen Empfang für seine Tochter überwältigt zeigte.

Die Stahringer Kinder sind stolz, eine zweifache Paralympics-Siegerin in ihrer Mitte zu haben (v. l.): Lena Aichelmann, Tilda Balla, Jonas Muffler, Jule Jerg, Anna-Lena Forster, Leonie Rebholz, Ida Muffler, Lilli Jerg und Lina Strittmatter. Bild: Petra Reichle
Die Stahringer Kinder sind stolz, eine zweifache Paralympics-Siegerin in ihrer Mitte zu haben (v. l.): Lena Aichelmann, Tilda Balla, Jonas Muffler, Jule Jerg, Anna-Lena Forster, Leonie Rebholz, Ida Muffler, Lilli Jerg und Lina Strittmatter. Bild: Petra Reichle

Im Bürgersaal war die enge Verbundenheit und Nähe Anna-Lena Forsters zu ihrem Heimatort besonders zu spüren. Sie posierte unermüdlich für Erinnerungsfotos und nahm sich stundenlang Zeit für die nicht enden wollende Reihe an Gratulanten. Neben Stahringer Freunden, Familie und Nachbarn waren auch Freunde aus ihrem Studienort Freiburg und viele andere Wegbegleiter gekommen. Auf einer Leinwand konnten alle die goldenen Momente der olympischen Winterspiele in Pyeongchang (Südkorea) nacherleben.

"Unser Ziel war nicht der Leistungssport, sondern wir wollten einfach als Familie gemeinsam Ski fahren", erzählte Jürgen Forster von den sportlichen Anfängen seiner Tochter. "Uns war wichtig, dass Anna-Lena von Anfang an mitten in der Dorfgemeinschaft war und es keine Berührungsängste gab." Den Charakter seiner Tochter beschreibt er treffend mit "Spaß am Sport, Spaß am Leben". Auch die Großeltern Hildegard und Kurt Ersing sind sichtlich stolz auf ihre Enkelin. "Wir haben gehofft, dass sich ihr großer Traum von Gold erfüllt und haben vor Freude gezittert, als sie sich die erste Goldmedaille erkämpft hat", erzählte Hildegard Ersing. Für ihren Bruder Felix ist Anna-Lena ganz einfach ein "unbezahlbares Gesamtpaket".

Mitglieder des Stahringer Ortschaftsrats haben für Anna-Lena Forster das Fest im Bürgersaal organisiert (v. l.) Stefan Kamarow, Andrea Berg, Bruno Sauter, Susanne Siber, Anna-Lena Forster, Armin Jerg, Elmar Birr, Jürgen Aichelmann und Ralf Weber. Bild: Petra Reichle
Mitglieder des Stahringer Ortschaftsrats haben für Anna-Lena Forster das Fest im Bürgersaal organisiert (v. l.) Stefan Kamarow, Andrea Berg, Bruno Sauter, Susanne Siber, Anna-Lena Forster, Armin Jerg, Elmar Birr, Jürgen Aichelmann und Ralf Weber. Bild: Petra Reichle

Emotionale Worte fanden an diesem Abend auch ihre Freunde Yannic Harder, Linda Wößner und Chantal Eydner. Sie haben Anna-Lena Forster vom Kindergarten, über die Grundschule bis zum Abitur begleitet und sind bis heute eng mit ihr befreundet. "Anna-Lena hat von Anfang an alles gemacht – Seilspringen, Handstand, Inline-Skaten, sie war immer dabei", erzählte Yannic Harder. "Sie hat sogar mehr gemacht als wir", erzählte Chantal Eydner von ihren gemeinsamen Kindheitstagen. "Und wenn eine Treppe kam hat einfach einer von uns den Rolli gepackt und hochgetragen. Wir haben uns immer gegenseitig geholfen", ergänzte Linda Wößner.

Sind von Kindesbeinen an an Anna-Lena Forsters Seite (v. l.): Yannic Harder, Linda Wößner und Chantal Eydner. Bild: Petra Reichle
Sind von Kindesbeinen an an Anna-Lena Forsters Seite (v. l.): Yannic Harder, Linda Wößner und Chantal Eydner. Bild: Petra Reichle

Auch Anna-Lena Forster selbst erzählte von ihrer engen Verbundenheit zu ihrem Heimatort. "Es war von Anfang an normal, dass ich überall dabei bin. Hier in Stahringen gibt es einen super Zusammenhalt, jeder kennt jeden", sagte sie. So sei es selbstverständlich, dass auch ihre Goldmedaillen einen Ehrenplatz in der Vitrine in ihrem Zimmer hier in Stahringen finden.

Zu später Stunde verlagerte sich das Fest in den zum Partyraum umfunktionierten "Hennenstall", wo bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde. Einzig wo genau sich dieser "Hennenstall" befindet, bleibt ein Stahringer Geheimnis.

Die Großeltern Hildegard und Kurt Ersing könnten nicht stolzer sein und haben vor Freude gezittert als ihre Enkelin die erste Gold-Medaille in Empfang nehmen konnte. Bild: Petra Reichle
Die Großeltern Hildegard und Kurt Ersing könnten nicht stolzer sein und haben vor Freude gezittert als ihre Enkelin die erste Gold-Medaille in Empfang nehmen konnte. Bild: Petra Reichle

 

Neue Ziele

Nach dem Sieg ist vor dem Sieg und die nächsten sportlichen Ziele hat die zweifache Paralympics-Siegerin Anna-Lena Forster längst im Visier. So wäre ein Weltmeistertitel bei den im Jahr 2019 stattfindenden Weltmeisterschaften ein großer Traum. Auch außerhalb der Pisten hat sie ihre Zukunft geplant. Im Jahr 2020 möchte sie den Bachelor-Abschluss in Psychologie machen, gefolgt von einem Masters-Abschluss. Für die Zukunft außerhalb des Sports schwebt der erfolgreichen Stahringerin eine Tätigkeit im Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie vor.