Die fahrenden Häuser auf unseren Straßen werden größer statt kleiner. Und sie werden mehr. Reisende in ihren Wohnmobilen sind zu einem Wirtschaftsfaktor in Tourismusstädten geworden. Doch hier hat Radolfzell nach eigener Erkenntnis wenig zu bieten: Die beiden bestehenden Wohnmobil-Parkplätze im Herzen und neben dem Kunstrasenplatz auf der Mettnau stehen in entsprechenden Fachportalen im Internet in der Kritik.

Touristen kritisieren die Wohnmobil-Parkplätze von Radolfzell

Zum Herzen-Parkplatz heißt es etwa auf dem Portal Pro-Mobil: „17 Euro plus Kurtaxe, das geht gar nicht! Kiesplatz, laute starkbefahrene Straße nebenan. Wir fahren lieber zum Naturbad Aachtal Worblingen. Ruhige Lage und nur sechs Euro die Nacht“, schreiben Ralf und Ines.

Ein Nutzer mit dem Synonym „Globettrotter62“ schimpft: „Schmutziger Platz! Wer eine Grundreinigung des Womo innen und außen unbedingt möchte, der sollte hierbleiben! Der Untergrund ist eben, besteht aus verdichtetem Schotter, der mit Lehm vermengt ist. Bei Regen überall grauer Schmierfilm, bei trockenem Wetter viel Staub. Wer immer den Platz angelegt hat, dachte nicht mit.“

"Dies ist völlig unakzeptabel"

Auf dem Portal Meinwomo.net klingen die Bewertungen auch zum Stellplatzangebot auf der Mettnau wenig aufmunternd: „Für die Ausstattung und die Lage sind 17 Euro eindeutig zu teuer! Der Preis für die Stromversorgung ist undurchsichtig“, bemerkt „supertigie“.

Mit „Schade“ hat Helmut B. seinen Eintrag auf Stellplatz.info überschrieben, er hätte es gerne schöner gehabt: „Eigentlich ist Radolfzell eine schöne Kleinstadt. Der Stellplatz liegt zentral und ist einfach. Leider fliegen Fußbälle über das zu niedrige Fangnetz und beschädigen Wohnmobile. Der Preis wurde 2017 von acht auf 17 Euro erhöht. Dies ist völlig unakzeptabel.“

Besucher könnten aufgrund der Online-Beurteilungen wegbleiben

Diese Urteile können nach Einschätzung von Nina Hanstein, Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH, für Radolfzell zu einem Image-Problem werden: „Wohnmobilisten sind in der Regel gut vernetzt und setzen sich für ihre Belange ein.“ Um diese meinungsstarke Gruppe nicht nachhaltig zu verärgern, habe sie der Stadtverwaltung vorgeschlagen, die Stellplatzsituation für Wohnmobile in Radolfzell grundsätzlich zu ändern und einen neuen, großen Abstellplatz auf der Mettnau auszuweisen.

Denn der Wohnmobilstellplatz im Herzen erscheint der Verwaltung kaum zukunftsfähig, sie merkt in der Vorlage für den Planungs- und Umweltausschuss selbstkritisch an: „Der Standort im Herzen wird überwiegend aufgrund des Verkehrslärms und Geruchsbeeinträchtigungen durch das gegenüber ansässige Recyclingunternehmen kritisiert.“ Bei einem möglichen Hotelneubau im dortigen Gelände müsste der Standort für Wohnmobile ersatzlos gestrichen werden.

Das soll sich nun ändern

Besser geeignet sei die heutige Wiese neben dem jetzigen Standort für Wohnmobile auf der Mettnau. Die Stadt hat diese Fläche gepachtet, auch um den Radweg hinaus ins Strandbad zu vervollständigen. Auf der Wiese könnte der Stadionparkplatz vergrößert und 31 Wohnmobilstellplätze eingerichtet werden.

Mit einer entsprechenden Infrastruktur will man den Service für Wohnmobile erhöhen und mit Bäumen neben den Stellplätzen die Aufenthaltsqualität erhöhen. Nina Hahnstein stellt fest: „Mit der Größe der Wohnmobile sind auch die Ansprüche gestiegen.“ Aktuell sind die Wohnmobilstellplätze direkt neben dem Kunstrasenplatz eingerichtet.

Aber: „Ein Stellplatz direkt hinterm Maschendrahtzaun und neben Abfallcontainern ist nicht ideal“, sagt Nina Hanstein. Nun muss der Planungs- und Umweltausschuss entscheiden, ob der Bebauungsplan „Schiesshütte“ für dieses Gelände geändert werden soll. Die Sitzung beginnt morgen, Mittwoch, 20. Juni, um 16.30 Uhr im Bürgersaal.