Rund 30 Prozent der über 80-Jährigen brauchen eine ambulante oder stationäre Pflege. Konstanz erwartet in den nächsten elf Jahren 383 pflegebedürftige Personen zusätzlich. In Radolfzell sollen rund 200 Personen im selben Zeitraum hinzukommen – die Höri rechnet mit weiteren 90 Senioren. Im Planbereich Konstanz mit den Gemeinden Allensbach und Reichenau fehlen im Jahr 2020 rund 120 stationäre Betten, gab Andreas Hoffmann einen Einblick über die Pflegesituation im Landkreis. Diejenigen, die in den Städten nicht unterkämen, zögen in den Hegau.

Engpässe der Gemeinden hätten somit ihre Ursachen in den größeren Städten des Landkreises. "Was guter Pflege nützt und was gute Pflege erschwert", lautete der Vortrag des Vorsitzenden des Caritasverbandes Konstanz in der Radolfzeller Seniorenresidenz Pro Seniore, zu dem die CDU-Seniorenunion geladen hatte.

Kommunen und Einrichtungen müssen zusammen arbeiten

Andreas Hoffmann appellierte in seinem Vortrag an die Kommunen, sich mit lokalen Pflegeträgern zusammenzusetzen und Lösungen zum Pflegeengpass zu erarbeiten und zu verwirklichen. Die Diskussion über die Standorte von Pflegeeinrichtungen gehöre in die Kommunalpolitik, so Hofmann. Er empfiehlt der Politik, die Betreiber von Pflegeheimen direkt anzusprechen, um gemeinsam die Probleme anzugehen.

Bessere Bedingungen für Pflegekräfte

Erste Pflicht sei es, etwas für die Pflegekräfte zu tun: Wichtig sei die Bereitstellung von Kinderbetreuung und Wohnungen sowie eine Verbesserung des Nahverkehrs. Von den Betreibern der Einrichtungen wünscht er sich zuverlässige Dienstpläne, bei denen die Pflegekräfte nur an einem oder zwei Wochenenden arbeiten.

In der Pflegeausbildung seien bereits vor Jahren viele Fehler gemacht worden, so Hoffmann. Die Politik ging von einem Überangebot aus, das sie dadurch beseitigte, dass sie viele Pflegeschulen schließen ließ. Diejenigen, die nicht ausgebildet wurden, fehlten heute in der Pflege. Hoffmann empfiehlt den Trägern von Pflegeheimen, die Kapazität für die Ausbildung hochzufahren: "Würden alle nur so viele Pflegekräfte ausbilden wie bisher, so bliebe der Mangel weiterhin bestehen. Eigentlich müsste ein Schub durch die Einrichtungen gehen", sagte Hoffmann: "Wir haben mehr Bewerber, als wir denken". Es gebe genug junge Menschen, die eine Ausbildung machen wollen.

Es fehlt an Personal in stationärer wie ambulanter Pflege

Mehr Geld in die Pflege steuern und mehr ambulante Pflege, damit die Menschen so lange wie möglich zu Hause sein können – hinter diesen Gesetzesinitiativern steckten vor allem wirtschaftliche Gründe, so Hoffmann: Zu Hause pflegen sei günstiger als im Pflegeheim. Eine stationäre Pflege soll erst am Ende des Lebens einsetzen. "Drei Pflegestärkegesetze haben genau das gewollt". Doch der Ansatz funktioniere nicht, weil es auch in der ambulanten Pflege zu wenig Fachkräfte gebe. Täglich lehne er in seinen Einrichtungen drei Anfragen von Personen ab, die gepflegt werden wollen, weil er nicht genug Mitarbeiter habe. Derzeit könne kein Pflegedienst seine Angebote ausdehnen.

Plädoyer für eine generalisierte Ausbildung

Deutschland sei ein Entwicklungsland, was die Kompetenz der Kranken- und Altenpfleger betreffe. Der Bildungsstand sei derselbe wie im europäischen Ausland, aber die Pfleger dürften vieles nicht anwenden. Die bisher drei verschiedenen Pflegeberufe für Kinder, Kranke und Alte müssten zu einer Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger generalisiert werden.

Bei Altenpflegern dürfte das Personal knapp bleiben

Die Einrichtungen der Altenpflege befürchten jedoch, dass die Regelung dazu führt, dass weniger Ausbildungen in der Altenhilfe stattfinden. Man könne dadurch zwar den Anschluss an die europäischen Nachbarländer gewinnen und eine Aufwertung für den Berufsstand, hätte aber möglicherweise weniger Altenpfleger als benötigt.

Einige Rückkehrer aus der Schweiz

Hoffmann erlebt häufig, wie er berichtet, dass Fachkräfte in die Krankenpflege in die Schweiz gingen, sich mit den Arbeitsbedingungen schlecht anfreunden könnten und zurückkehrten. "Wenn wir Glück haben, bleiben sie in der Pflege. Wenn wir Pech haben, sind sie frustriert und machen etwas ganz anderes."