Am Donnerstag, 20. Juli, wurde dem ehemaligen Politiker und Gründer der Obstbaugenossenschaft Bodensee, Carl Diez, anlässlich seines 140-jährigen Geburtstages gedacht. Auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung kamen rund 100 Gäste in die Räumlichkeiten der Schlör Bodensee Fruchtsaft GmbH & Co KG. Als Redner reiste der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel an den Bodensee, um dem aufrechten Demokraten Carl Diez die Ehre zu erweisen.

Dabei bewies der frühere Berufspolitiker einmal mehr seine Qualitäten als Redner. 50 Minuten lang sprach er über das bewegte und bewegende Leben von Carl Diez. Der gebürtige Öhninger darf nicht nur als Aushängeschild und Vorbild aus der Region gelten, sondern hat sich als Mitglied des Reichtags und der Nationalversammlung den Respekt aller Parteien verdient. Für seine aufrechte Gesinnung als Demokrat musste Carl Diez gleich mehrfach ins Gefängnis. Selbst Erwin Teufel, der sich im Vorfeld seiner Rede noch einmal intensiv mit dem Leben von Diez befasst hatte, musste deshalb bekennen, dass seine "Hochachtung für ihn dabei immer mehr zugenommen", hat, wie er am Donnerstag erklärte.

Teufel hat Carl Diez zwar nie selbst kennengelernt, hatte aber Kontakt zu seinem Sohn, dem Singener OB Theopont Diez. Vor allem angesichts der politischen Leistungen von 1912 bis in die 60er Jahre hinein zollte Erwin Teufel Carl Diez seinen Respekt: "Was der Mann schon in jungen Jahren in den Zeiten des Umbruchs getan hat, nötigt einem den höchsten Respekt ab", befand der ehemalige Ministerpräsident. Dabei war es beileibe nicht das Einzige, um das sich der zwölffache Familienvater Diez in seinem Leben gekümmert hat. Unter anderem war er Gründungsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der Obstbau Bodensee Radolfzell, dem Vorläufer von Schlör. In zahllosen Gremien und Verbänden wirkte Carl Diez, um das Leben im eigenen Land besser zu machen. Unter anderem war er Mitgesellschafter des SÜDKURIER. Für Erwin Teufel hat sich Carl Diez aber vor allem Ende der Weimarer Republik selbst ein Denkmal gesetzt, als er bei der Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz Adolf Hitlers diesem durch sein Fernbleiben als – einziger Zentrumsabgeordneter – seine Stimme verweigerte. Später kam er gleich mehrfach in das Gefängnis, weil er Kontakte zu Widerstandskämpfern unterhielt. Sieben Jahrzehnte später kann Carl Diez daher als Vorbild für alle Demokraten dienen.

"Ich wünsche unserer Partei junge Frauen und Männer, die sich an Carl Diez orientieren", sagte Erwin Teufel zum Abschluss seiner Rede. Die hatte dann auch den – selbst redegewandten – Bundestagsabgeordneten Andreas Jung beeindruckt. "Es war überflüssig, dass wir das Redepult ausgeleuchtet haben. Das Licht wurde zum Ablesen nicht ein einziges Mal benötigt", befand er.

Zur Person

Carl Diez wurde 1877 in Öhningen geboren. Mit seiner Frau hatte er zwölf Kinder, darunter den späteren Singener OB Theopont Diez. Er wurde Landwirt in Radolfzell, Vorsitzender des Bezirksbauernrats Konstanz und war Gründungsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der „Obstbaugenossenschaft Bodensee Radolfzell“, dem Vorläufer von Schlör. Für das Zentrum war er im Kaiserreich von 1912 bis 1918 Abgeordneter des Reichstags und bis 1933 im Weimarer Reichstag. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor er alle Ämter. Nach dem Krieg setzte sich Carl Diez für Verfolgte des Nazi-Regimes ein. Er wurde (wieder) Mitglied im Radolfzeller Gemeinderat, erster Landwirtschaftsminister im provisorischen Staatspräsidium Baden und Mitgesellschafter des SÜDKURIER.